Chronik

UKH-Leiter Josef Obrist: Nach gut 13.000 Operationen ist Schluss

Der ärztliche Leiter des UKH Salzburg, Primar Josef Obrist, geht im April in Pension. Das Operieren wird er dennoch nicht bleiben lassen.

Primar Josef Obrist: „Wollte immer viel operieren“. SN/robert ratzer
Primar Josef Obrist: „Wollte immer viel operieren“.

Es gibt Tage in der Skisaison, da ist das Personal im Salzburger Unfallkrankenhaus besonders gefordert. Am Mittwoch etwa lagen die Spitäler innergebirg im Nebel, berichtet Josef Obrist. "Da wurden wir von sieben Rettungshubschraubern angeflogen. Ich stand selbst bis Mitternacht im Operationssaal."

Obrist ist der ärztliche Leiter des Spitals. Die Rolle des Operateurs ist dem Unfallchirurgen aber die liebste. "Auch wenn ich am Mittwoch schon gemerkt habe, dass mich solche Tage mehr belasten als früher." Obrist steht kurz vor seinem 65. Geburtstag und somit auch kurz vor seiner Pensionierung. Nach fast 35 Jahren im Unfallkrankenhaus kann er auf eine beachtliche Bilanz zurückblicken. Mehr als 13.000 Operationen hat er in dem Spital durchgeführt. "Ich wollte immer möglichst viel operieren. In den besten Jahren schaffte ich zwischen 420 und 450 Eingriffe." 4800 Eingriffe werden jährlich im UKH durchgeführt, somit hat er fast jede zehnte Operation selbst gemacht. "Auch als ärztlicher Leiter habe ich rund 350 Operationen im Jahr durchgeführt."

Trotz seiner großen Leidenschaft für die Medizin habe er lange Zeit einen ganz anderen Beruf angestrebt. Geboren wurde Obrist in Osttirol. Als Sohn einer Bergbauernfamilie hatte er stets vor, Bodenkultur zu studieren. Der Herz-Jesu-Orden lud ihn nach der Volksschule ein, das Gymnasium in Salzburg zu besuchen. "Drei Mal im Jahr kam ich vom Internat nach Hause. Die Zugreise nach Osttirol dauerte damals neun Stunden."

Ein Eignungstest kurz vor der Matura ergab aber schließlich, dass Obrist sich für naturwissenschaftliche Aufgaben eigne. "Das war wohl so etwas wie ein Geistesblitz des Universums." So begann er schließlich in Innsbruck ein Medizinstudium. Dabei sei schnell klar geworden, dass er sich für chirurgische Aufgaben eigne. "Der Professor im Sezierkurs hat gesagt: So wie Sie Pinzette und Skalpell halten, sollten Sie Chirurg werden." Nach dem Studium begann Josef Obrist im Krankenhaus in Feldkirch seine ärztliche Ausbildung. "Ich wollte möglichst weit weg: Der Prophet gilt im eigenen Land nichts."

1983 fing er dann im Salzburger Unfallkrankenhaus an. "Das habe ich angestrebt, weil ich wusste, dass man dort viel operiert." Er spezialisierte sich erst auf Schulterchirurgie und entwickelte dabei auch neue Verfahren. Diese seien oft aus der Not geboren. "Einmal operierte ich einen Bruch, der bereits ein Jahr alt war. Bei dem schwierigen Eingriff musste ich improvisieren, um eine Platte einzusetzen. Diese ad hoc erfundene Methode setzte ich dann später bei 60 weiteren Operationen ein." Kreativität sei eine Fähigkeit, die einen guten Unfallchirurgen auszeichne, sagt Obrist. Zudem gehörten physische und psychische Belastbarkeit dazu. "Oft sind es kleinere Sachen, die negativ ausgehen. Da operiert man stundenlang und hat das Gefühl, alles getan zu haben. Und dann geht es trotzdem anders aus."

Rückblickend seien aber die positiven Geschichten prägender. "Einmal operierte ich im Nachtdienst einen Engländer. Der hatte eine Querschnittsverletzung zwischen dem achten und zehnten Brustwirbel. Während der Operation dachte ich mir noch: Es wäre besser gewesen, den Eingriff abzugeben. Tatsächlich konnte der Mann später mit einem Linienflug nach Hause gebracht werden."

Wenn er im April in Pension ist, wird er das Operieren nicht ganz bleiben lassen. Über eine Privatpraxis will er weiter Patienten betreuen, außerdem steht er für Konsultationen zur Verfügung. "Aber ich werde mehr Zeit haben fürs Wandern und für die Schwarz-Weiß-Fotografie." Auch Sport will er betreiben. "Aber nichts exzessiv. Das hat mich mein Beruf gelehrt."

Die Nachfolge für sein Primariat und die ärztliche Leitung des UKH Salzburg steht noch nicht fest: Derzeit läuft das Bestellungsverfahren.

Aufgerufen am 20.01.2018 um 06:17 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/ukh-leiter-josef-obrist-nach-gut-13-000-operationen-ist-schluss-22868983

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