Chronik

Unendliche Weiten: Kuchlerin hilft mit, neues Teleskop ins All zu schießen

Das Kepler-Weltraumteleskop hat ausgedient, die Nasa will Nachfolger "Tess" ins All schicken. Der für Dienstagnacht geplante Start der Rakete wurde allerdings verschoben. Die gebürtige Kuchlerin Lisa Kaltenegger ist bei der Mission ganz vorne dabei.

Die Astrophysikerin Lisa Kaltenegger hilft mit, das neue Teleskop ins All zu schießen. SN/jason koski/university photography
Die Astrophysikerin Lisa Kaltenegger hilft mit, das neue Teleskop ins All zu schießen.
Eine Illustration der NASA zeigt „Tess“ (Transisting Exoplanet Survey Satellite), das nach bewohnbaren Planeten suchen soll. Es ist so groß wie ein Kühlschrank und verfügt über vier Kameras. SN/nasa/gsfc
Eine Illustration der NASA zeigt „Tess“ (Transisting Exoplanet Survey Satellite), das nach bewohnbaren Planeten suchen soll. Es ist so groß wie ein Kühlschrank und verfügt über vier Kameras.

Wenige Monate geben die Experten der US-Raumfahrtbehörde Nasa dem Weltraumteleskop "Kepler" noch, dann ist wohl endgültig der Tank leer. Es ist nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler (1571-1630) benannt und hat in rund neuen Jahren Hinweise auf tausende mögliche Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt.

Damit die Suche ohne Pause weitergehen kann, hat die Nasa schon einen Nachfolger für "Kepler" in den Startlöchern: In der Nacht auf Dienstag (17. April 00.32 Uhr MESZ; 16. April 18.32 Ortszeit) sollte das Teleskop "Tess" (Transiting Exoplanet Survey Satellite) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida starten.

Die Nasa hat den Start neuesten Informationen zufolge aber verschoben. Zunächst müssten zusätzliche Tests der Navigationssysteme durchgeführt werden, teilte die Raumfahrtbehörde mit. "Tess" befinde sich aber nach wie vor in bestem Zustand, ein der Start ist jetzt für Mittwoch, 18. April, anberaumt.

Ganz vorne mit dabei ist die gebürtige Kuchlerin Lisa Kaltenegger. Die 41-jährige Astronomin und Astrophysikerin ist Direktorin des Carl Sagan Instituts an der Cornell Universität und Mitglied des Wissenschaftsteams der "Tess"-Mission.

"Mein Team arbeitet daran, herauszufinden, welche der von ,Tess' entdeckten Planeten möglicherweise bewohnbar sein könnten und wie man das in Zukunft mit größeren Teleskopfen herausfinden kann", sagt Kaltenegger.

Das neue Teleskop sucht unsere kosmische Nachbarschaft ab

Das ,Kepler'-Teleskop habe großartige Daten geliefert. "Es hat eine faszinierende Vielfalt von Exoplaneten (=Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, Anmerkung) entdeckt, aber nur 0,25 Prozent des Himmels nach Planeten abgesucht", stellt Kaltenegger die Relation her.

Die meisten der von ,Kepler' entdeckten Planeten seien tausend Lichtjahre, also sehr weit von der Erde entfernt und zu lichtschwach, um aus dieser Distanz etwas über die Zusammensetzung ihrer Atmosphäre erfahren zu können.

"Darum ist ,Tess' so wichtig: Es sucht 85 Prozent des Himmels nach Exoplaneten um unsere nächstgelegenen Sterne ab. Im Gegensatz zu ,Kepler' erforscht ,Tess' also unsere kosmische Nachbarschaft."

Auf der Suchen nach Planeten, die unserer Erde ähneln

"Tess" suche in der Umgebung der 200.000 hellsten Sterne nach Exoplaneten. Die Methode ist dieselbe, nach der auch "Kepler" gesucht hat: Es beobachtet das Licht der Sterne. Wenn dieses kurz nachlässt, könnte das bedeuten, dass soeben ein Planet vorbeigezogen sein könnte.

Je näher ein Exoplanet sich zur Erde befinde, desto mehr Licht bekomme man von diesem. Mit der nächsten Generation von Weltraumteleskopen könne man dann nach Spuren von Leben Ausschau halten. "Diese Planeten sind auch in ganz weiter Zukunft die besten Reiseziele in unserer Nähe", sagt Kaltenegger.

Klein und trotzdem riesig

Bei der Satellitenmission "Tess" handle es sich um eine kleinere Mission, "aber sie ist insofern gewaltig, weil sie dan ganzen Himmel nach Planeten absuchen wird, und damit das Verständnis unseres Platzes im Universum komplett erneuern wird", ist sich Kaltenegger sicher. "In ein paar Monaten werden wir ans Firmament blicken können und wissen, ob es da draußen andere Welten gibt . . ."

Die Vorfreude bei Kaltenegger ist entsprechend groß: "Ich kann es kaum erwarten, ,Tess' starten zu sehen, und am nächsten Schritt zur Entdeckung neuer Welten teilzunehmen!"

Nasa verwendet erstmals private Raumfahrtfirma

Zum ersten Mal wird die Nasa die Dienste der privaten Raumfahrtfirma SpaceX für eine wissenschaftliche Mission in Anspruch nehmen. Bislang hatte SpaceX in erster Linie mit seinem "Dragon"-Frachter im Auftrag der Nasa Nachschub zur Internationalen Raumstation ISS geschickt.

Die rund 200 Millionen Dollar teure "Tess"-Mission ist erstmal auf etwa zwei Jahre angelegt. Nach dem Start soll es noch rund zwei Monate dauern, bis "Tess" in der geplanten Umlaufbahn ist und mit dem Sammeln von Daten beginnen kann.

Porträt: Lisa sucht nacht einer zweiten Erde

(SN)

Aufgerufen am 25.04.2018 um 08:48 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/unendliche-weiten-kuchlerin-hilft-mit-neues-teleskop-ins-all-zu-schiessen-26744728

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