Chronik

Ungewöhnlich heftiger Wintereinbruch sorgt für viel Arbeit

Heftiger Schneefall mit gewaltigen Massen, Straßensperren, zahlreiche Sportveranstaltungen und Urlauberverkehr halten die Einsatzkräfte im Pongau weiterhin in Atem.

"Es war ein Doppeldeckerbus mit 80 Kindern aus Holland", schildert der Schwarzacher Ortsfeuerwehrkommandant Markus Buzanich die nächtliche Situation, "der Bus war bereits seit 30 Stunden unterwegs. Bei der Auffahrt nach St. Veit ist er trotz Schneeketten neben der Straße hängen geblieben." Deshalb haben die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzach mitten in der Nacht nicht nur den Reisebus geborgen, sondern auch den Kindern das Gepäck in ihre Unterkunft nachgebracht.

Etwa 1550 Feuerwehrleute stehen seit Silvester für den Notfall zur Verfügung: "Alle 25 Ortsfeuerwehrstellen haben höchste Einsatzbereitschaft", sagt Robert Lottermoser, der Bezirksfeuerwehrkommandant. Hunderte Feuerwehrleute sind, bedingt durch den heftigen Schneefall, besonders gefordert. Neben Fahrzeugbergungen halten sie umgestürzte Bäume, Straßensperren wie in Obertauern, Filzmoos oder Zauchensee und sportliche Großveranstaltungen auf Trab. In Radstadt waren Unmengen von hängen gebliebenen Fahrzeugen zu bergen. "Nach dem Wochenende kamen auch noch die Lkw dazu", so Martin Klässner im Gespräch mit den PN.

Für die Pongauer Bergrettung sorgen derzeit vor allem Skifahrer, die abseits der Pisten unterwegs sind, für zahlreiche Einsätze. In Werfenweng mussten sie in der 40 Grad steilen Leiweinrinne einen schwer verletzten Freerider bergen. In Zauchensee verunglückte ein Skifahrer am Sonntag abseits der Pisten tödlich. Der 35-jährige Slowene dürfte bei der Variantenabfahrt gestürzt sein. Er blieb im mehr als einen Meter hohen Tiefschnee stecken. Weil die Bergrettung Altenmarkt wegen der prekären Wetter- und Lawinensituation in Zauchensee Bereitschaft hatte, traf sie bereits nach wenigen Minuten bei dem Verunglückten ein. Obwohl sofort mit der Reanimation samt Defibrillator begonnen wurde, verstarb der komplett verschüttete Skifahrer, schilderte der Ortsstellenleiter der Bergrettung Altenmarkt, Thomas Gotthardt, die tragische Situation. Die Schneedienste auf den Straßen und Autobahnen sind im Volleinsatz. "Seit 30. Dezember sind wir mit allen verfügbaren Fahrzeugen durchgehend 24 Stunden im Einsatz. Täglich werden an die 200 Tonnen Salz verbraucht. 17 Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin sind ständig unterwegs, um die Autobahn vom Schnee zu befreien", sagt Christian Kleewein von der Asfinag. Die rekordverdächtigen Schneemengen verlangen allen Straßenerhaltern, genauso wie den ehrenamtlichen Kräften von Lawinenwarnkommission, Rotem Kreuz oder auch Bundesheer, derzeit Höchstleistungen ab.

Experten raten Hausbesitzern dazu, Niederschlagspausen zu nützen, um ihre Dächer vom Schnee zu befreien. Die Last könnte zu Problemen bei der Statik führen, denn ein Kubikmeter durchfeuchteter Altschnee kann immerhin bis zu einer halben Tonne wiegen. "Es ist in nächster Zeit kein Tauwetter in Sicht, was bedeutet, dass das Gewicht durch den Neuschneezuwachs immer mehr wird. Sollte es zwischendurch regnen, so sammelt sich das Wasser in Kanälen im Schnee und das verursacht auf dem Dach punktuell noch höhere Lasten", erklärte Bernhard Niedermoser, Leiter der Lawinenwarnzentrale Salzburg. Dabei rät man aber zur Vorsicht: Personen, die auf Dächern tätig sind, sollten auf eine entsprechende Absturzsicherung achten und auf vom Schnee verdeckte Dachflächenfenster oder Luken aufpassen. Bei sehr schwerem Schnee kann es überdies zu Stabilitätsproblemen beim Dachstuhl kommen, wenn das Dach einseitig vom Schnee befreit wird. Besser sei es, den Schnee abschnittsweise jeweils abwechselnd auf der einen und dann der anderen Dachseite abzutragen. Aufgrund der großen Schneemengen kam es - etwa in Eben - auch zu Stromausfällen.

Die Lawinengefahr bleibt auch in den nächsten Tagen aufrecht. Sepp Schiefer, Bergführer und Ausbilder bei der Lawinenwarnkommission: "Die Situation ist angespannt. Es gibt teils enorme Einsinktiefen und Neuschneehöhen. Neben Spontanlawinen werden auch Gleitschneelawinen wieder zum Thema. Das betrifft extrem steiles Grasmattengelände. Aufgrund der großen Schneemengen sind größere Abgänge möglich."

Aufgerufen am 19.08.2019 um 02:26 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/ungewoehnlich-heftiger-wintereinbruch-sorgt-fuer-viel-arbeit-63840505

Schlagzeilen