Chronik

Unis öffnen sich immer stärker für Flüchtlinge

Die Angebote der universitären More-Initiative bieten Flüchtlingen die Chance, Deutsch zu lernen, eine Perspektive auf Bildung und Hilfe zur Integration. Doch ein reguläres Studium zu belegen ist in den meisten Fällen nicht möglich.

Unis öffnen sich immer stärker für Flüchtlinge SN/andreas kolarik fotografie
Willkommensfest für Flüchtlinge im Unipark Nonntal im August 2015.

Hekmatullah Mohammadi aus Afghanistan lebt seit etwa zwei Jahren in Österreich und besucht seit März 2016 einen der Deutschkurse an der Universität Salzburg. "Ich bin durch das More-Projekt auch im Fitnessstudio und manchmal nutze ich für Referate den Computerraum oder gehe in die Bibliothek, wenn wir im Kurs über ein neues Thema reden", sagt der 20-Jährige. Neben dem Sprachkurs engagiert sich Mohammadi bei der Freiwilligen Feuerwehr und macht seinen Hauptschulabschluss.

Für viele Flüchtlinge stellen die Angebote an den Universitäten somit ein Stück weit Normalität in ihrem Alltag dar. "Vor allem Kursteilnehmer, die im Moment in großen Asylunterkünften untergebracht sind und sich dort wegen der Lautstärke nicht konzentrieren können, kommen gerne an die Universität", erzählt Katharina Ferris, Sprachkursleiterin an der Universität Salzburg. Im Sommersemester 2016 unterrichtet sie 19 Männer und zwei Frauen in einem Deutschkurs, der speziell an More-Studierende gerichtet ist. Neben größtenteils Syrern stammen die Kursteilnehmer auch aus dem Iran, Bangladesch, dem Kongo und Afghanistan.

Bereits im Wintersemester 2015/16 ins Leben gerufen

Im Wintersemester 2015/16 rief die österreichische Universitätenkonferenz (UNIKO) die More-Initiative ins Leben, um Asylbewerbern und Asylberechtigten einen möglichst unbürokratischen Zugang zur Universität zu geben. Mittlerweile nehmen 21 österreichische Universitäten an der Initiative teil. Das Angebot sieht von Standort zu Standort unterschiedlich aus: An der Johannes-Kepler-Universität Linz werden More-Studierende von "Buddys" beim Deutschlernen unterstützt. Die Universität Wien bietet Deutschkurse und Kurse wie Sport und Bewegungstherapie mit Kriegs- und Folterüberlebenden an.

Von den Studiengebühren befreit können die Flüchtlinge Lehrveranstaltungen besuchen. An der Universität Salzburg sind diese angebotenen Kurse am Programm Uni 55 PLUS orientiert, das sich an Menschen über 55 Jahre richtet, die auch ohne Matura spezielle Kurse an der Universität besuchen können. Die angebotenen Lehrveranstaltungen im Rahmen der More-Initiative werden jedoch nur spärlich angenommen. Lediglich vier bis fünf Flüchtlinge haben im Wintersemester eine der Lehrveranstaltungen besucht. Peter Engel vom ÖH-Beratungszentrum Salzburg sieht die Gründe für die geringe Teilnehmerzahl vor allem darin, dass die More-Studierenden keine Zertifikate über die Absolvierung von Lehrveranstaltungen erhalten und sie sich die Kurse auch nicht für ein im Herkunftsland begonnenes Studium anrechnen lassen können.

Das eigene Studium fortsetzen

Viele der Teilnehmer erhoffen sich vielmehr, die in ihrer Heimat angefangenen Studien fortsetzen zu können. "Der Bildungsstand der meisten Flüchtlinge ist sehr hoch. Man kann davon ausgehen, dass die Leute, die flüchten, mehrheitlich schon sehr viel in ihre Bildung und Ausbildung investiert haben", sagt Engel. Meist fehlen jedoch notwendige Dokumente über die Identität der Personen oder bereits gemachte Abschlüsse, sodass nur wenige Flüchtlinge über die More-Initiative hinaus ein reguläres Studium belegen können.

Hohe Teilnehmerzahlen können hingegen die angebotenen Deutschkurse verzeichnen, wie ihn Hekmatullah Mohammadi derzeit besucht. "Mir gefällt das More-Projekt sehr gut, die Leute und die Sprachlehrerin sind sehr nett, und ich habe in kurzer Zeit so viele Sachen gelernt. Es macht mir viel Spaß", erzählt Mohammadi. Auch Sprachkursleiterin Katharina Ferris gefällt die Idee der Initiative, da sie Flüchtlingen, die in ihrem Heimatland ihr Studium abbrechen mussten oder gar nicht beginnen konnten, die Möglichkeit gibt, an der Universität Deutsch zu lernen. "Ich glaube, dass die More-Studierenden mit anderen Studierenden in Kontakt kommen, leistet einen wertvollen Beitrag zur Integration. Die Leute sind hochmotiviert, es ist ein sehr angenehmes Klima im Unterricht. Besonders positiv fällt die Wertschätzung und Dankbarkeit der Studierenden auf."

In den Kursen wird neben der Sprachvermittlung auch versucht, auf andere universitäre Kurse und die Zukunft in Österreich vorzubereiten. Hekmatullah Mohammadi hofft, dass er nach dem Sprachkurs eine Ausbildung als Pflegehelfer beginnen kann. Seine Wünsche für die Zukunft in Österreich: "Ich will versuchen, mein Bestes zu geben und Pflegehelfer zu werden. Ich möchte einfach einen guten Job haben und ein normales Leben führen können."

Dieser Beitrag wurde von Studenten der Universität Salzburg im Rahmen einer Lehrredaktion in Kooperation mit den "Salzburger Nachrichten" erstellt.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.10.2018 um 11:47 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/unis-oeffnen-sich-immer-staerker-fuer-fluechtlinge-1010272

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