Chronik

Vater schüttelte Baby und verletzte es schwer: Geschworene verneinten einstimmig Mordversuch

Der 34-jährige Angeklagte erhielt am Landesgericht Salzburg letztlich drei Monate bedingte Haft wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung. Die Geschworenen folgten den Angaben des Kindesvaters, wonach er im November 2017 seinen damals fünf Monate alten Sohn nur deshalb geschüttelt habe, weil dieser geröchelt habe und bereits blau angelaufen gewesen sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Symbolbild.  SN/bilderbox
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Ins Finale ging am Donnerstag der Prozess gegen einen Arbeiter (34), dem angelastet wurde, im November 2017 im Flachgau seinem damals fünf Monate alten Sohn durch Schütteln lebensgefährliche Verletzungen zugefügt zu haben. In dem im September gestarteten Geschworenenprozess (Vorsitz: Richterin Ilona Schalwich-Mózes) warf Staatsanwalt Leon-Atris Karisch dem Mann versuchten Mord vor.

Der 34-Jährige, so Karisch, habe damals, als er seinen kleinen Sohn "heftig geschüttelt" habe, mit bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt: "Er hat es ernstlich für möglich gehalten, dass das Baby durch sein Tun getötet werden kann." Karisch verwies auch darauf, dass der Kindesvater mit der Kindesmutter einen Geburtsvorbereitungskurs absolviert habe, bei dem auf die Gefahren eines Schütteltraumas bei Babys hingewiesen worden sei.

Laut medizinischem Gutachter erlitt der Bub, er ist jetzt fast zweieinhalb Jahre alt, ein massives Schütteltrauma, konkret Subduralhämatome (Einblutungen unter der Hirnhaut) sowie Einblutungen in die Netzhaut. Solche Verletzungen seien laut Gutachter lebensbedrohlich. Dem Kind geht es inzwischen wieder gut: es erlitt offenbar keine Folgeschäden.

Der unbescholtene Angeklagte, verteidigt von RA Franz Essl, beteuerte zu Prozessbeginn, dass er seinen Sohn "doch nie verletzen oder gar töten" habe wollen. Er sei in der Vorfallsnacht erstmals allein mit dem Baby gewesen, da sich die Kindesmutter - sie ist nach wie vor seine Partnerin - im Spital befand. Er habe dem Kind ein Fläschchen gegeben - um 02.30 Uhr habe er dann ein Röcheln gehört und gesehen, dass der Bub im Gesicht blau angelaufen und ihm Milch aus dem Mund geronnen sei: "Ich habe ihn drei, vier Mal geschüttelt; weil ich dachte, er erstickt." Verteidiger Essl: "Mein Mandant hat in Panik falsch reagiert. Er hat fahrlässig gehandelt." Am Donnerstag wurde die Kindesmutter gehört. Sie sagte, der Angeklagte sei "nie gegen unser Kind oder gegen mich gewalttätig gewesen."

Die Geschworenen verneinten mit 8:0 Stimmen das Vorliegen eines Mordversuchs und verneinten auch mehrheitlich (mit 5:3 Stimmen) eine absichtliche schwere Körperverletzung. Hingegen erkannten sie den Angeklagten mit 5:3 Stimmen der fahrlässigen Körperverletzung für schuldig. Das noch nicht rechtskräftiges Urteil: Drei Monate bedingt Haft.

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