Chronik

Verein "Lebensraum Salzkammergut" verfolgt "Mautflüchtlinge"

Nach Hunderten Anzeigen wegen illegaler Durchfahrt schaltet der Verein nun die Staatsanwaltschaft ein. Lkw-Fahrer ersparen sich pro Fahrt 60 Euro Maut.

Verein "Lebensraum Salzkammergut" verfolgt "Mautflüchtlinge" SN/sn
Lastwagen (außer Ziel- oder Quellverkehr) müssten das Salzkammergut über die West- und Pyhrnautobahn umfahren. Im Bild eine Hinweistafel an der Westautobahn vor der Ausfahrt Thalgau.

Seit Jahren kämpft der Verein "Lebensraum Salzkammergut" gegen sogenannte Mautflüchtlinge. Damit sind jene Lkw-Fahrer gemeint, die trotz Durchfahrverbot auf den Bundesstraßen von Salzburg und dem südlichen Oberösterreich in die Steiermark fahren, um so die Maut für West- und Pyhrnautobahn zu sparen. Lastwagen über 3,5 Tonnen dürften laut Verordnung dieser Durchfahrbeschränkung seit 2011 nur zum Liefern und Abholen im Salzkammergut unterwegs sein.

So weit die Theorie, in der Praxis schaue es anders aus, betonte Silvester Leitner, Obmann des Vereins. Der Verein habe sich in 20 örtlichen Gruppen mit rund 850 Mitgliedern organisiert, der solche Verstöße aufdecke und auch mit Anzeigen reagiere. "Wir haben in den vergangenen Monaten Hunderte Anzeigen bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft Gmunden erstattet. Allein 80 davon gehen auf das Konto eines Unternehmens, das Lebensmitteltransporte von Seekirchen nach Graz durchführt." Dieses sei täglich mit bis zu sieben Fahrzeugen auf den Durchzugsstrecken im Salzkammergut unterwegs. Viele Anzeigen seien von der Behörde nicht weiter verfolgt worden. Bei jeder Fahrt erspare sich der Lenker 60 Euro Maut. Sollte er bestraft werden, müsse er höchstens 50 Euro zahlen.

Die Vereinsmitglieder haben begonnen, derartige Fahrten mit Fotos und Videos zu dokumentieren, indem sie diesen Fahrzeugen nachfahren, um zu beweisen, dass es sich um nicht erlaubte Frachtfahrten handelt.

"Wir können mittlerweile Dutzende solcher Fahrten belegen und haben den Sachverhalt an die Staatsanwaltschaft Leoben sowie an die betroffenen Firmen übermittelt", sagte Silvester Leitner. Die Staatsanwaltschaft solle prüfen, ob gewerbsmäßige Betrugshandlungen gegeben sind. Dabei stützt sich der Verein auch auf Unterlagen, die ihm zugespielt worden seien. "Wenn diese Mautsünder im Salzkammergut von der Exekutive kontrolliert werden, weisen manche Lenker ein Begleitpapier vor, das beispielsweise die Ladung einer Leerpalette in St. Wolfgang bezeugen soll. Dem Polizisten sind die Hände gebunden, er muss diesen angeblichen Ziel- und Quellverkehr glauben. Aber wir können beweisen, dass dies alles nur getürkt ist", erklärte Leitner.

Die SN konfrontierten den Geschäftsführer des betroffenen Logistikunternehmens mit Sitz in Michaelerberg in der Steiermark mit den Vorwürfen: "Derartige Vorwürfe sind mir neu. Ich gebe den Lkw-Fahrern keine Anweisungen, welche Strecke sie fahren sollen, und in St. Wolfgang haben wir keine offizielle Ladestelle. Klar ist auch, dass wir im Ennstal Kunden, also Geschäfte und Märkte, beliefern."

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