Chronik

Verheerende Zustände in Asylpensionen

Schimmel in Duschen, versiffte Matratzen, eine Waschmaschine für 40 Menschen - und sogar die ist kaputt: Journalisten haben Unterkünfte in drei Bundesländern unter die Lupe genommen. Salzburg schneidet noch am besten ab.

Ohne Voranmeldung ist das Team der Wiener Rechercheplattform "dossier.at" bei sämtlichen Asylpensionen in Niederösterreich, dem Burgenland und Salzburg vor der Tür gestanden. Mehr als 4000 Fotos haben die Aufdecker in den vergangenen Monaten geschossen und 56 Stunden Videomaterial gesammelt. Was darauf zu sehen ist, schlägt auf den Magen: Verdreckte Herdplatten, vom Schmutz verklebte Duschen, viel zu viele Flüchtlinge auf viel zu knappem Raum.

"Salzburg hat dabei noch am besten abgeschnitten", sagt der Chefredakteur der spendenfinanzierten Plattform, Florian Skrabal, zu den Salzburger Nachrichten und fügt hinzu: "Dennoch haben wir grobe Missstände entdeckt."
Erst kürzlich hat die in Salzburg für Flüchtlingsfragen zuständige Landesrätin Martina Berthold kritisiert, dass von den 23 Unterkünfte im Bundesland einige die Mindeststandards nicht erfüllen würden. "Betreiber wollen jeden Cent herausdrücken" Im Quartier in St. Michael im Lungau etwa sagten Asylwerber dem Kamerateam, dass sie freiwillig auf den Boden gewandert seien und lieber auf Decken schlafen würden, als die angebotenen Matratzen zu benutzen. Die seien schlichtweg ekelerregend. Zwar sei die Betreiberin hilfsbereit und freundlich, doch auch die Gemeinschaftsdusche sei dreckig und für 40 Personen gebe es nur eine einzige Waschmaschine. Zum Zeitpunkt der Recherche war sie zu allem Überdruss kaputt.

"In der Stadt Salzburg profitieren die Menschen in zwei Unterkünften von der guten Verkehrsanbindung und der Nähe zu den Ämtern oder zu Abendkursen", so Skrabal. Doch 14 Quadratmeter für vier Personen seien schlichtweg zu wenig. "Außerdem gibt es nur sechs Stunden Warmwasser am Tag. Der Betreiber versucht hier wohl, gegen den Vertrag mit dem Land Salzburg jeden Cent herauszudrücken."

Als weiteren großen Kritikpunkt neben den Betten und Duschen nennt der Journalist die Verpflegung. 19 Euro beträgt der Tagessatz pro Person in einer solchen Herberge derzeit. Beim Essen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Betreiber serviert drei Mahlzeiten am Tag, oder die Bewohner versorgen sich selbst. "Das ist meist die weitaus sinnvollere Variante. So kann jeder nach seinem Geschmack oder seinen religiösen Vorschriften kochen."

Für Unmut sorgen in vielen besuchten Einrichtungen in allen drei Bundesländern auch Unregelmäßigkeiten in der Ausbezahlung von Taschengeld, respektloser Umgang mit den Flüchtlingen oder Ungeziefer in Zimmern.Mit Herz geführte Aslyquartiere in Saalfelden Als positives Beispiel hebt Skrabal Christine Enzinger hervor, die in Saalfelden zwei Quartiere betreibt. Das erste hat sie 2004 eröffnet, das zweite im Jahr darauf. Enzinger habe dem dossier.at-Team auch nicht wie viele andere Betreiber mit der Polizei gedroht oder ihnen Hausfriedensbruch vorgeworfen, sondern lediglich gesagt "Schaut euch alles an, vielleicht kann ich ja noch was verbessern".

Am schlechtesten abgeschnitten hat übrigens ein Quartier im burgenländischen Pama. Von Stromrationierung in der Küche wird ebenso berichtet wie von Schimmelbefall oder kaputten Einrichtungsgegenständen.



Aufgerufen am 20.09.2020 um 12:21 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/verheerende-zustaende-in-asylpensionen-4266211

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