Chronik

Verkehrschaos: Der Pinzgau sucht den Weg aus dem Stau

Inzwischen schrillen auch im Tourismus die Alarmglocken. Der Bezirk will das Verkehrschaos in Schüttdorf nicht mehr hinnehmen.

Verkehrschaos: Der Pinzgau sucht den Weg aus dem Stau SN/anton kaindl
Franz Wenger in Schüttdorf: „Der Bezirk muss selbst Lösungen suchen und mit einer Stimme sprechen.“

So schlimm wie in diesem Sommer war es noch nie. 15 Minuten Zeitverlust auf sämtlichen Zeller Stadteinfahrten waren das tägliche Brot. Bei Regen brach der Verkehr zum Teil völlig zusammen. Brennpunkt ist dabei der Zeller Ortsteil Schüttdorf, wo in den letzten 20 Jahren zahlreiche Betriebe und Handelszentren entstanden sind, und in dem sich die wichtigsten Pinzgauer Verkehrsachsen treffen.

Inzwischen schrillen auch im Tourismus, der Lebensversicherung des Bezirks, die Alarmglocken. "Wir kriegen aus touristischer Sicht ein Problem", sagt Georg Segl, Tourismusobmann von Zell am See. "Die Gletscherbahnen Kaprun oder die Geschäfte in Kaprun zum Beispiel spüren die Auswirkungen direkt. Mehr Stau heißt weniger Umsatz, weil die Leute nicht mehr nach Kaprun kommen, wenn in Zell der Verkehr zusammenbricht. Bruck und Fusch haben Angst, dass sie ihre Gäste nicht mehr nach Zell rüberbringen."

"Wir brauchen eine gemeinsame Lösung"

Jahrelang habe man sich nicht eingemischt, weil der Verkehr Aufgabe von Gemeinden und Land sei, so Segl "Aber offensichtlich passiert nicht wirklich etwas. Deshalb haben die Tourismusverbände und die Bergbahnen in Zell am See und Kaprun beschlossen, sich auf die Füße zu stellen. Auch die benachbarten Tourismusverbände beteiligen sich. Bisher kämpfte jeder Ort für sich. Aber wir brauchen eine gemeinsame Lösung für den Pinzgau und müssen mit einer Stimme beim Land sprechen."

Segl sagt, es werde ein Bündel von Maßnahmen geben müssen. "Die Paradelösung gibt es nicht. Wir brauchen Maßnahmen im öffentlichen Verkehr und im Straßenbau. Es wird ein Park & Ride System für Zell am See nötig sein und wahrscheinlich auch eine Schlechtwettersperre wie in der Stadt Salzburg. In Schüttdorf plädiere ich persönlich für eine Unterflurtrasse, die den Durchzugsverkehr in den Schmittentunnel und in den Oberpinzgau aufnimmt."

Entscheidungsträger treffen sich in Zell am See

Was man wirklich will, sollen Entscheidungsträger aus dem ganzen Bezirk gemeinsam erarbeiten. Am Freitag findet im Hotel Alpenblick in Zell am See ein erstes Treffen statt, zu dem der ÖPNV Pinzgau mit dem Taxenbacher Bürgermeister Franz Wenger als Obmann eingeladen hat. Der ÖPNV Pinzgau ist ein Regionalverband, in dem alle 28 Gemeinden des Pinzgaus vertreten sind. Er koordiniert den öffentlichen Verkehr und verhandelt für den Bezirk mit dem Verkehrsverbund und dem Land. Neben den Gemeinden und dem Tourismus kommen zu dem Treffen unter anderem auch Vertreter großer Betriebe, der Schulen und der Verkehrsunternehmen. Bei der ersten Sitzung geht es vor allem um Organisatorisches. "Insgesamt sind sechs bis acht Treffen nötig", sagt Wenger. "Das Ziel ist ein Positionspapier, das wir im nächsten Sommer vorlegen wollen. Wir werden uns auch professionelle Hilfe holen."

"Es bringt wenig, wenn jeder zum Land pilgert, und sich beschwert"

Wenger sagt, keine Gemeinde könne die Verkehrsprobleme allein lösen. "Das Problem in Schüttdorf ist nicht nur eine Angelegenheit des Zentralraums Zell am See, sondern des gesamten Bezirks. Was sich in Schüttdorf bündelt, kommt ja von irgendwo her." Statt Egoismus in den Gemeinden solle es gemeinsame Ziele geben. "Es bringt wenig, wenn jeder zum Land pilgert, und sich beschwert und fordert, dass es etwas tun soll, und dann schaut, was es tut. Das funktioniert so nicht. Die Region muss sich selbst mit den Problemen auseinandersetzen, Lösungsvorschläge erarbeiten und diese Lösungen mit einer Stimme beim Land einfordern." Bisher seien nur wenige Vorschläge da, und die seien nicht mit dem nötigen Nachdruck verfolgt worden.

Bei den Treffen wird man sich sowohl mit dem überregionalen Verkehr Richtung Zentralraum Salzburg und Tirol, als auch mit dem Verkehr innerhalb des Bezirks auseinandersetzen. Wenger: "Visionen müssen möglich sein. Aber damit nicht Stillstand herrscht, bis sie umgesetzt werden, muss es auch kleine Maßnahmen geben, die kurzfristig umsetzbar sind."

Aufgerufen am 21.09.2018 um 04:12 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/verkehrschaos-der-pinzgau-sucht-den-weg-aus-dem-stau-1060279

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