Chronik

Verkehrspolitik in Salzburg: Jeder kocht sein eigenes Süppchen

An Ideen mangelt es nicht in der Verkehrspolitik. Was ist dann das Problem? Vielleicht, dass zu viele ihr eigenes Süppchen kochen.

2898 Pkw. So viele zählte Salzburg im Jahr 1949. Seither hat sich der Autobestand im Bundesland mehr als verhundertfacht. Mehr als jeder zweite Salzburger besitzt heute eines. Nimmt man Motorräder, Lkw und alle anderen Vehikel wie Firmenfahrzeuge dazu, dann kommen wir bei 550.000 Einwohnern im Bundesland auf 405.000 Fahrzeuge.

Das heißt: 100 Salzburgern stehen 74 Fahrzeuge gegenüber. Der Trend geht mittlerweile zum Drittauto. Wobei die Pkw-Dichte im Flachgau am höchsten ist. Von dort strömen täglich Zehntausende Pendler zur Arbeit in die Landeshauptstadt. Das ist an den täglichen Staus von Anthering, Elixhausen und Eugendorf Richtung Stadt zu beobachten. Was auch viel mit steigenden Wohnungspreisen in der Stadt und verfehlter Raumordnung am Land zu tun hat.

Zieht man Prognosen von Landesstatistik oder Automobilclubs heran, dann ist der Plafond bei den Kfz-Zulassungen noch lange nicht erreicht. Das hängt auch damit zusammen, dass die Bevölkerung bis 2050 weiter wächst und die Gesellschaft mit steigender Lebenserwartung länger - individuell - mobil ist.

Die Politik hat das Problem wohl erkannt. Und teils auch den Leidensdruck der Bevölkerung wahrgenommen. Immerhin sind sich die Verantwortlichen mittlerweile einig, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt. Den gordischen Knoten zu lösen vermag aber keiner.

Zu unterschiedlich sind die Interessen und Ideen. Während die Grünen für einschneidende Maßnahmen für Autofahrer und absoluten Vorrang für den öffentlichen Verkehr sind, vertritt die ÖVP einen diametral anderen Standpunkt: Freiheit der Verkehrsmittelwahl. Für die SPÖ, allen voran Bürgermeister Heinz Schaden, hatten die Öffis bislang nicht Priorität. Der kleinste gemeinsame Nenner zwischen SPÖ, ÖVP und Bürgerliste in der Stadt wurde in der Erweiterung der Kurzparkzonen ab 2017 gefunden. Das soll Pendler daran hindern, einen Gratis-Parkplatz in den Stadtteilen anzusteuern. Ob sie deswegen lieber auf S-Bahn, Bus und Obus umsteigen, ist fraglich.

Ein Problem ist aber wohl unverkennbar: Stadt und Land ziehen in Sachen Verkehr seit Jahren nicht an einem Strang. Mit der Umsetzung von Großprojekten wurde zu lange gewartet. Die Regionalstadtbahn bzw. unterirdische Verlängerung der Lokalbahn hätte der Bund in den 1990er-Jahren noch mit 80 Prozent mitfinanziert. Heute ist das Projekt angesichts klammer Budgets praktisch ein Luftschloss. Nachbar-Landeshauptstädte wie Linz und Innsbruck investieren hingegen kräftig in neue Straßenbahn-Projekte. Jüngste Vorschläge in Salzburg: mehr Busspuren in der Stadt. Aber auch diese würden zunächst dazu führen, dass die Autofahrer noch länger im Stau stehen müssten.

Der Vorschlag, möglichst schnell viele Park-&-Ride-Plätze am Stadtrand zu bauen, ist nur ein Mosaikstein. Denn er setzt voraus, dass die innerstädtischen Öffis in kürzeren Intervallen fahren und pünktlicher sind. Im Sommer setzt die Salzburg AG aber weiterhin auf einen Sommerfahrplan, was einen regelmäßigen Takt verhindert.

Der radikalste Vorschlag kommt von Bürgerlisten-Verkehrsstadtrat Johann Padutsch und lautet: Citymaut nach Stockholmer Vorbild. Dafür müsste man jede Ein- und Ausfahrt ins Stadtgebiet mit mindestens zwei Euro bemauten und das eingenommene Geld zweckgebunden für den Öffi-Ausbau verwenden.

Bleibt das unumstrittene Erfolgsprojekt in der Salzburger Verkehrspolitik: Die S-Bahn. Ein Halbstundentakt hat auf der S3 zwischen Golling und Salzburg zu einer Verdreifachung der Fahrgastzahlen geführt. Nur: Beim Ausbau der S2 (Straßwalchen-Salzburg-Freilassing) ist man von der Fertigstellung des dritten Gleises nach Freilassing abhängig.

Und dann wäre da noch die Preisgestaltung für die Tickets im öffentlichen Verkehr. Dieses Finanzierungs- und Bestellsystem über Verkehrsverbund und einzelne Busunternehmen ist derart kompliziert, dass selbst Fachleute schwer durchblicken.

Salzburger Verkehrstage

Ab Montag beginnen die 14. Internationalen Verkehrstage. Abgehalten werden sie im Wifi. Montagabend startet die Tagung mit einer öffentlichen Auftaktveranstaltung: Nach einem Referat von Martin Schreiner, Abteilungsleiter Strategische Projekte der Stadt München ("Mobile Vielfalt als verkehrspolitisches Antidepressivum") gibt es eine Podiumsdiskussion mit Politiker und Experten. Am Dienstagabend werden die Sieger eines internationalen Studenten-Ideenwettbewerbs präsentiert.

Informeller Höhepunkt der Veranstaltung ist der Mittwoch: Denn da wird in Salzburg erstmals ein selbstfahrender Bus durch die Straßen fahren.

Quelle: SN

Aufgerufen am 18.09.2018 um 05:35 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/verkehrspolitik-in-salzburg-jeder-kocht-sein-eigenes-sueppchen-974629

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