Chronik

Versorgung mit Lebensmitteln am Markt und daheim

Seine Renner sind Knacker und Frankfurter. Wenn Johann Fagerer vlg. Stoana Hannes mit seinem Bus vorfährt, ist die Tasche bald gefüllt. Er garantiert in Ebenau die Nahversorgung besonders für alte Leute.

"Jetzt fährst du." Das waren die Worte von Johann Fagerer sen. zu seinem Sohn vor neun Jahren, als der Senior in Pension ging. Johann Fagerer junior war als Elektriker und Dachdecker viel am Bau unterwegs. Seit 13 Jahren ist der Familienbetrieb, das Gut Heiligenstein, auf die Mast von Ochsen spezialisiert. Das Fleisch gibt es übrigens nur ab Hof und auf Vorbestellung.

Mehr und mehr ist der "Stoana Hannes", wie er weitum bekannt ist, auf die Nahversorgung übergegangen. Nicht ohne Grund. "Ich habe nun nur noch fünf Ochsen. Die Direktvermarktung ist ein Defizit", sagt der 49-Jährige. 2021 wird sein Stall leer sein. Um rentabel zu sein, müsste er pro Kilogramm 20 Euro verlangen, "das zahlt niemand". Schuld an der Misere sei die EU. "Hauptsache, das Vieh wird in der EU herumgekarrt", sagt er.

Umso mehr wird er nun die Fahrten mit seinem Bus voller Lebensmittel zu den Menschen vor Ort und auf Märkten ausbauen.

Zukunftsprojekt "Nahversorgt - Ebenau & Gaißau"

Anfang des Jahres sind die Bürgermeister von Ebenau und Gaißau mit einem Leader-Projekt der Region Fuschlsee-Mondseeland (FUMO) an ihn herangetreten. So soll in ihren Gemeinden der einfache Zugang zu Grundnahrungsmitteln wie Eiern, Milchprodukten, Brot und Fleisch, vor allem auch für ältere Bewohnerinnen und Bewohner, gewährleistet sein.

Seit Kurzem steht ein neues, größeres Fahrzeug mit moderner Ausstattung vor dem Erbhof des "Stoana". Dieses wurde aus dem Leader-Projekt finanziert. Im mit dem Logo eines Ochsenkopfes geschmückten Bus fährt er Ebenauer und Gaißauer Kunden an und bietet in Ebenau jeden Donnerstag von 15 bis 18 Uhr Wurst und Fleisch gegenüber der Bäckerei Schöndorfer an. Und jeden ersten Samstag im Monat steht er gemeinsam mit Philip Pertiller (Gemüse), Familie Neureiter (Honig, Eier, Kuchen etc.) gegenüber dem Zenkersaal in Ebenau.

Auch in der Gemeinde Hof war Johann Fagerer auf Tour. Seit es dort den Samstagsmarkt von Peter Gschaider gibt, möchte er ihm "nicht in sein Geschäft funken". Und auch in der Gemeinde Krispl-Gaißau tut sich was Neues in der Nahversorgung - mit der "Dorfbox" von Denise Ploner, wo sich die Gaißauer in Selbstbedienung in einem Stahlcontainer Lebensmittel holen können.

Der persönliche Kontakt jedoch steht beim "Stoana" ganz oben. Seine Stammkunden erwarten ihn sehnsüchtig. Donnerstag und Freitag geht er auf Tour mit dem Bus und er liefert den großteils älteren Leuten die beliebten Knacker und Frankfurter sowie Fleisch der Firma Lettner aus Guggenthal, Eier und Teigwaren der Firma Schobesberger aus Timelkam, Pötzelsberger-Käse aus Adnet und Brot von der Bäckerei Schöndorfer aus Ebenau.

Er weiß aus Erfahrung, dass die meisten seiner Stammkunden, die er persönlich beliefert, niemandem zur Last fallen wollen. Gerne greifen sie zum "Stoana"-Angebot. Leider hat er schon viele Kunden verloren, "meine älteste Kundschaft starb kürzlich mit 96". Auf den Monatsmärkten in Ebenau und Gaißau bemerkt der Nahversorger, dass extrem viele junge Leute umschwenken und wieder mehr aufs Regionale Wert legen. "Viele kaufen gutes Fleisch, dafür weniger." Und die Preise? Die sind nicht teurer als in den Geschäften. "Das geht nur, weil ich ein Ein-Mann-Betrieb bin und keine Mitarbeiter zahlen muss." In Zukunft wünscht er sich, noch einen weiteren Markt aufbauen zu können. "Denn Bedarf gibt es überall", sagt er.

FLACHGAU-NEWSLETTER

Jetzt kostenlos anmelden und wöchentlich topaktuelle Informationen aus Ihrer Region kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 29.05.2022 um 02:16 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/versorgung-mit-lebensmitteln-am-markt-und-daheim-71391697

Schlagzeilen