Chronik

Video: Briten suchen im Lungau nach Gold

Derzeit finden im Friedrichstollen bei Muhr im Lungau Probebohrungen für den Goldabbau statt. Hier erhoffen sich jetzt Investmentbanker eine Bonanza.

Steil sind die letzten Meter hinauf zum Friedrichstollen. Selbst das Kettenfahrzeug der Bergleute muss 50 Meter tiefer stehen bleiben. Der Brite Greg Kuenzel schafft den Aufstieg zu dem kleinen Stolleneingang dennoch problemlos. Er war in der letzten Zeit regelmäßig hier. Kuenzel ist Geschäftsführer der Noricum Gold AT GmbH. Die Firma führt hier im Lungauer Rotgüldental eine sogenannte Exploration durch.

Mit Probebohrungen wollen Kuenzel und sein Team ermitteln, ob sich ein Goldabbau in dem Friedrichstollen lohnen würde. Rund 20 Millionen Euro will Kuenzel für diese Exploration aufstellen. Investoren sind große Banken wie JP Morgan oder die Vermögensverwalter Blackrock Group. Unternehmen, die wissen, dass sie ihr Geld wohl nicht wiedersehen werden. Sollte sich der Abbau aber lohnen, wären sie freilich am Gewinn beteiligt. Weltweit werden jährlich zwölf Milliarden Euro in solche Explorationen investiert.

Der Friedrichstollen ist für die Noricum AT jedenfalls aussichtsreich. Hier wurde bereits im 14. Jahrhundert Bergbau betrieben. Damals suchte man Gold, später gewannen die Bergleute Arsen. Nur im Gänsemarsch kommt man in dem engen Stollen vorwärts. Drinnen bedient Eduard Schnessl einen Bohrer mit Doppelkernrohr.

Bis zu 150 Meter tief wird hier gebohrt. Heute hat Schnessl aber erst zehn Meter geschafft. Immer wieder holen er und seine Kollegen zehn Zentimeter dicke Gesteinsproben aus dem Bohrer. Die Bergleute lagern die Proben in Kisten, dann werden sie der Länge nach halbiert. Eine Hälfte wird nach Linz zur Analyse geschickt, die andere behält sich das Team im Lungau. Die technische Leitung des Projekts hat Werner Paar über. Der Salzburger Universitätsprofessor hat im Friedrichstollen in den 1980er-Jahren schon Nuggets mit freiem Auge entdeckt. Bei den jetzigen Bohrungen würde er sich auch mit weniger zufriedengeben. "Sechs bis acht Gramm Gold pro Tonne könnten reichen, damit sich ein Goldabbau rentiert", sagt Paar. Könnten reichen. Denn die Rentabilität hängt auch von der Art der Einlagerung im Gestein ab. Und vom aktuellen Goldpreis. Der hat sich in den letzten Monaten zwar etwas beruhigt, ist aber im Langzeittrend stetig steigend.

Greg Kuenzel ist optimistisch. Zwar führe weltweit nur jede tausendste Exploration zu einem Abbau. Im Lungau sei man aber schon weiter. Eins zu zehn schätzt Kuenzel die Chancen ein, dass es zu einem Abbau kommt. Genaueres könne man Ende des Jahres sagen. Ein Abbau wäre dann ab 2018 möglich.

Die Noricum AT ist nun schon die dritte Firma, die einen Abbau prüft. Dementsprechend nüchtern sieht die Sache der Bürgermeister von Muhr, Sepp Kandler. "Ich erwarte mir nichts, ich erhoffe mir nichts und ich fürchte mich vor nichts." Zumindest er wird nicht enttäuscht werden.

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