Chronik

Coronavirus: Für Salzburgs Feuerwehren "zählt nur, einsatzbereit zu bleiben"

Im Quarantänegebiet im Gasteiner Tal löschten die Einsatzkräfte am Donnerstag einen Waldbrand. Abstand halten - und trotzdem helfen? Das ist für die Feuerwehrleute eine Herausforderung. Damit Infektionen nicht ganze Ortsfeuerwehren lahmlegen, wurde vorgesorgt.

Ein Spaziergänger hat am Donnerstagnachmittag am Ingelsberg in Bad Hofgastein einen Waldbrand bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Diese rückte mit Unterstützung aus Bad Gastein und St. Johann mit mehr als 60 Leuten aus. "Das war ein relativ heftiger Einsatz, weil das Gebiet sehr steil ist. Da braucht man gute Leute", sagt Ortsfeuerwehrkommandant Rupert Sendlhofer. Der Brand habe sich auf 700 Quadratmeter ausgebreitet. Am Freitagvormittag musste noch einmal nachgelöscht werden.

Mannschaft wurde in zwei Züge geteilt

Solche Einsätze zählen zur Routine. Doch das Coronavirus macht auch vor den Feuerwehren nicht halt. "Jeder muss seine Schutzmaske aufhaben", sagt Sendlhofer. Den Sicherheitsabstand versuche man bestmöglich einzuhalten. Außerdem habe er seine Mannschaft in zwei Züge eingeteilt, die abwechselnd in Bereitschaft seien.

Bundesheer landet nicht im Quarantänegebiet

Im Einsatz waren je ein Hubschrauber des Bundesheers und der Polizei. Weil das Heer nicht im Quarantänegebiet niedergehe, sei die Betankung in St. Veit erfolgt, sagt Sendlhofer. Feuerwehrleute aus St. Johann mussten Waldbrandausrüstung wie Faltbehälter nach Gastein bringen. Dass sich seine Kameraden nun präventiv zwei Wochen zu Hause isolieren, hält Stadtfeuerwehrkommandant Johann Überbacher unter Verweis auf die Sicherheitsvorkehrungen für nicht für notwendig.

Trotz Virusgefahr: "Die Feuerwehr kommt"

Landesfeuerwehrkommandant Günter Trinker sagt, in Salzburg habe man früh reagiert. Die Ausbildung sei bereits Anfang voriger Woche ausgesetzt, alle Übungen und Veranstaltungen abgesagt worden. Obwohl auch unter seinen Kameraden eine "gewisse Unsicherheit und Sorge" bestehe: "Wenn jemand die Feuerwehr ruft, dann kommt sie." Nun sei es "wichtig, die Feuerwehren am Laufenden zu halten und zu schauen, dass wir uns keiner Gefahr aussetzen".

Positiver Fall könnte mehrere Kameraden außer Gefecht setzen

Dazu gebe es klare Vorgaben. Bei "nicht zeitrelevanten Einsätzen" werde nicht die gesamte Mannschaft alarmiert, sondern nur der Ortsfeuerwehrkommandant. Der entscheidet über die Dringlichkeit. Alle Feuerwehren mit ihren rund 10.000 aktiven Mitgliedern sollen ihre Leute in kleineren Gruppen und Zügen unterteilen, die immer zusammenbleiben.

Der Hintergedanke: Tritt ein Coronafall auf, fällt nicht die gesamte Mannschaft aus. Denn Verdachtsfälle müssen sich vorsorglich 14 Tage lang selbst isolieren. "Für uns zählt nur, dass wir in jeder Gemeinde einsatzbereit bleiben." Erleichternd sei, dass sich das "normale Einsatzgeschehen" reduziert habe. So ereignen sich zum Beispiel weniger Verkehrsunfälle, weil weniger Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind.

Einsatzzentrale ähnelt einer "Quarantäneabteilung"

Noch strengere Vorkehrungen sind am Sitz des Landesfeuerwehrverbands in der Salzburger Karolingerstraße getroffen worden. Dort ist neben der Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) auch der Einsatzstab des Landes untergebracht. "Wir behandeln die LAWZ fast wie eine Quarantäneabteilung", sagt Trinker. "Da achten wir ganz besonders darauf, dass wir uns nichts einfangen." Die Devise gilt über die Dienstzeit hinaus. "Die Mitarbeiter sind auch in Ruhe- und Freizeiten angehalten, sich von anderen Menschen fernzuhalten."

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