Chronik

Video: Der Lungau ist bereit für Minus 30 Grad

In der "Kältekammer" des Landes, im Lungau, sind Einheimische und Touristen auf noch tiefere Temperaturen gut vorbereitet. Der viele Schnee im "Land entern Tauern" hält den Winterdienst auf Trab.

"Tageshöchstwerte" um die minus zehn Grad: Im ganzen Land wird es in den nächsten Tagen noch kälter. Das lässt die Lungauer und ihre Gäste kalt. Schon eher wundern sie sich über den vielen Schnee. Das ist im "Land entern Tauern" außergewöhnlich.

"Wir haben heuer im Jänner auf den 185 Kilometern Straßen 420 Tonnen Salz gestreut. Das ist doppelt so viel wie im Jänner 2011", sagt Franz Bogensperger, Leiter der Straßenmeisterei Lungau. Derzeit ist aber nicht Schneefall, sondern der eisige Ostwind der Grund für Dauereinsätze: In Obertauern machen den Autofahrern und den Straßenarbeitern starke Schneeverwehungen zu schaffen. Die minus 15 Grad wirken "gefühlt" wie mindestens minus 30. Schneepflugfahrer Johann Wagner hält mit der Schneefräse die Passstraße über den Radstädter Tauern frei. Besonders die vier Pässe Tauern, Katschberg, Preber und Schönfeld verlangen den 25 Mann der Straßenmeisterei in Mauterndorf Höchstleistungen ab. "Die Straße ist die Lebensader für Obertauern. Wir müssen sie freihalten", sagt Bogensperger. Nicht auszudenken, wenn gerade am Wochenende die Tourismushochburg nicht zu erreichen wäre. Einige Arbeiter müssen auch immer wieder aussteigen und zur Schaufel greifen, um Verkehrsschilder von Schneemassen freizulegen. Der Straßenmeister fährt zurück ins Tal. Dort ist es windstill und vergleichsweise mild.

"So viel Schnee haben wir selten. Der Gast liebt Naturschnee", sagt Gisela Aschbacher vom Campingplatz in Mauterndorf. Wintercamping sei "in", die Lage "direkt am Lift" ein großer Vorteil. "Zu Weihnachten und in den Semesterferien ist es hier voll, dann sind 600 Leute da. Das ist ein Vier-Sterne-Platz."

Etliche Wohnmobile und Wagen sind auch jetzt da. Eine Premiere ist Wintercamping für Klaus Pfund aus Bruck in der Oberpfalz. Der Deutsche und seine Familie machen das zum ersten Mal. Er spaziert gerade zum Duschen ins "Wellnesshaus" samt Sauna. "Ich bin angenehm überrascht. Es ist schön, zwar kalt, aber es passt alles. Die Toilette friert nicht ein, die Duschen sind warm", sagt Pfund. Auch Jana Bencova machen die niedrigen Temperaturen nichts aus. "Wir sind an die Kälte gewöhnt", sagt die in Prag lebende Slowakin aus Bratislava. Beim Skifahren schütze sie sich mit Hautcreme.

"Gut, dass es kalt ist", sagt der Lungauer "Seilbahnkönig" und Tourismusunternehmer Peter Schitter. Kälte halte die Gäste nicht vom Skifahren ab, "die Skifahrer ziehen sich halt warm an", meint Schitter, in seiner Jugend selbst ein kälteresistenter Skilangläufer. "Da hatte es minus 35 Grad."

Die aktuelle Wettervorhersage mit bis zu minus 30 Grad im Gebirge hat den Berliner Marco Kiesewetter alarmiert. Er fährt mit seinem Auto zu einer Tankstelle in St. Michael, um auf Nummer sicher zu gehen, dass der Frostschutz ausreicht. Tankwart Hansi Stumbecker macht sich mit einem Messgerät an die Arbeit. Ergebnis: bis zu minus 24 Grad. "Es kann aber auch kälter werden", gibt er zu bedenken. Der Deutsche will lieber nichts riskieren und lässt nachfüllen. Die Kälte stellt auch an den Treibstoff erhöhte Anforderungen. "Diesel - 30 Grad" steht auf einer Tafel unterhalb der Treibstoffpreise. "Wir haben hier einen speziellen Winterdiesel für Temperaturen bis zu minus 30 Grad. Er kommt aus Wien-Schwechat im Tankwagen und wird von 1. Dezember bis Ende März verwendet. Später reichen 20, im Sommer fünf oder acht Grad", sagt Stumbecker, ein Bruder von "Rusty", dem berühmten "Elvis vom Lungau". "Wir müssen auch schauen, dass die Waschanlage nicht einfriert", sagt er, ehe schon der nächste besorgte Tourist an der Tankstelle und der benachbarten Kfz-Werkstätte vorfährt.

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