Chronik

Durchstich am Großglockner - mit doppeltem Segen von "höchster Stelle"

Am Montagmittag erfolgte der Durchstich auf der Glocknerstraße. Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner und seine Kollege aus Kärnten, Bischof Josef Marketz, spendeten ihren Segen. Die Straße wurde heuer im Rekordtempo geräumt - dem späten Termin und dem Wetter geschuldet.

Am 7. Mai haben die Eigentümer der Großglockner Hochalpenstraßen AG (Grohag) den Beschluss zur Öffnung der Hochalpenstraße gefasst - trotz Corona und der prognostizierten Verluste. Knapp 20 Grohag-Mitarbeiter begannen sofort mit den Arbeiten - von Norden in Fusch an der Glocknerstraße (Ferleiten) sowie von Süden in Heiligenblut. Am Montag trafen sich die Räumtrupps zum Durchstich am Hochtor - bei nasskaltem Wetter. Die Verkehrsfreigabe der Alpenstraße erfolgt am Mittwoch, dem 27. Mai.

Erstmals seit 1935 "höchste Weihen" für den Durchstich

Der traditionelle Durchstich am Hochtor - der Passhöhe und Grenzlinie der beiden Bundesländer Kärnten und Salzburg in 2504 Meter Seehöhe - konnte gegen Mittag erfolgreich absolviert werden. Außergewöhnlich war, dass Franz Lackner (Erzbischof von Salzburg) sowie Josef Marketz (Kärntner Diözesanbischof) beim Ereignis anwesend waren. Sie spendeten den Mitarbeitern der Grohag sowie allen, die in diesem Sommer die Großglockner Hochalpenstraße besuchen werden, ihren Segen spendeten - gemäß dem Glockner-Leitspruch "in te domine speravi".

Ein herzliches "Vergelt's Gott" des Erzbischofs

Erzbischof Franz Lackner: "Was hier Jahr für Jahr durch den Glauben und den Einsatz vieler Menschen geleistet wird, kommt dem Jesus-Wort nahe: ,Euer Glaube vermag Berge zu versetzen'. Den Großglockner, der hier so herrlich emporragt, sicher befahren zu können, verdanken wir den vielen, die die Straßen und Pfade räumen und sichern. Ein herzliches Vergelt's Gott."

Bischof Marketz sprach von der wundervollen Berglandschaft

Bischof Josef Marketz ergänzte: "Im Namen aller, die in den nächsten Wochen und Monaten diese wundervolle Berglandschaft mit dem höchsten Berg Österreichs, die herrliche Natur mit den vielfältigen Wundern der Schöpfung erleben dürfen, danke ich denjenigen, die mit so großem Einsatz zusammengearbeitet und den heutigen Durchstich möglich gemacht haben."

Schwerer und nasser Schnee als Herausforderung

Die Arbeiten schritten heuer besonders rasch voran: Bereits am 11. Mai erreichten die Arbeiter auf der Nordseite die Kehre 7. Auf der Südseite frästen sich die Kollegen ebenso rasch bis zum Wallackhaus auf mehr als 2300 Meter Seehöhe durch. Der Grund für das gute Vorankommen: In den niedrigeren Regionen hatte heuer die Sonne bereits einen guten Teil der "Räumarbeiten" geleistet, jedoch hat der Schneedruck und die teilweise Schmelze auch zu sehr schwerem und nassem Schnee geführt.

Schauten die Murmeltiere den Arbeitern auf die Finger?

Chef-Schneeräumer Peter Embacher meinte mit einem Augenzwinkern: "Weil wir heuer ein Monat später mit der Räumung begonnen haben, hatten wir bei unserer Arbeit sehr putzige Begleiter: Immer wieder haben uns die Murmeltiere neugierig bei der Arbeit beobachtet. Ich glaube, sie vermissen schon die Besucher." Im Rahmen der Schneeräumung waren auch Felsabsicherungen, Lawinensprengungen, das Beseitigen der Vermurungen vom Herbst 2019, die Auswinterung von 130 Hoch- und Kunstbauten sowie die Errichtung von kilometerlangen Weidezäunen und das Montieren der Leitschienen auf knapp 50 Kilometern nötig.

Rückblick auf die Eröffnung am 3. August 1935

Zuletzt waren die zwei "zuständigen" Bischöfe am 3. August 1935 im Rahmen der Eröffnungsfeier der Großglockner Hochalpenstraße "am Großglockner" mit dabei. Damals zelebrierten der Salzburger Fürsterzbischof Sigismund IV. von Waitz und der Kärntner Bischof von Gurk-Klagenfurt, Adam Hefter, gemäß dem an den Portalen des Hochtor-Tunnel in Stein gemeißelten Glockner-Leitspruch "in te domine speravi" die Festmesse. Oberhalb des Hochtors schoss eine Gebirgshaubenbatterie 101 Salut-Schüsse ab. Danach erklang die Glocknerfanfare und Bundespräsident Wilhelm Miklas erklärte die Straße für eröffnet.

Rotationspflüge räumten 400.000 Kubikmeter Schnee und Eis beiseite

In den höheren Lagen gab es für die vier Wallack-Rotationspflüge mit den Namen Jörgen, Oskar, Ander und Eisbändiger wieder viel zu tun. Insgesamt wurden 400.000 Kubikmeter Schnee und Eis geräumt, was der Länge eines mit Schnee befüllten Güterzuges mit knapp 200 Kilometern entspricht - also der Strecke Linz bis Wien! Die GROHAGler mit ihren mächtigen 15-Tonnen-Rotationspflügen, die von Erbauer Franz Wallack vor 70 Jahren konstruiert wurden, hatten es heuer aufgrund der verspäteten Räumung nicht immer leicht, denn es musste auf der Strecke von 48 Kilometern durch die starke Sonneneinstrahlung vor allem auch sehr schwerer und feuchter Schnee Meter für Meter abgetragen werden. Selbstverständlich seien bei den Räumungsarbeiten alle COVID-19-Sicherheits-Vorschriften eingehalten worden, heißt es. In einem Wallack-Rotationspflug fällt das Abstand-Halten leicht - schließlich hat hier nur eine Person Platz. Die Fräsen wurden täglich desinfiziert.

Das beliebteste Ausflugsziel der Österreicher

Grohag-Vorstand Johannes Hörl im Zuge seiner Erklärung zur Verkehrsfreigabe: "Die Großglockner Hochalpenstraße ist das größte Denkmal der Republik und laut aktueller Studie auch das beliebtestes Ausflugsziel der Österreicher. Als international anerkannter Monumentalbau österreichischer Ingenieurskunst war die Großglockner Hochalpenstraße schon in der Gründungsphase Symbol für die außerordentliche Leistungsfähigkeit Österreichs in ,schwierigen Zeiten'. Ich denke, dieser Status ist uns gerade im heurigen Jahr wieder sehr bewusst geworden. Ich danke den Bischöfen aus Salzburg und Kärnten, die uns auf den letzten Metern begleitet und uns mit Ihren Worten Kraft und Zuversicht gegeben haben. Wir vertrauen seit der fulminanten Eröffnung der Großglocknerstraße im Jahr 1935 immer - im Sinne unseres Leitspruchs - auf den Segen von Oben und freuen uns jetzt umso mehr, dass wir auch heuer wieder vor allem auch für die Österreicherinnen und Österreicher da sein dürfen - es war immerhin ihre Leistung und es ist ihre Großglocknerstraße - mehr denn je!"

Freie Fahrt auf der Hochalpenstraße ab 27. Mai

Teilweise sind immer noch bis zu acht Meter hohe Schneewände zu sehen. Ein einzigartiges Gefühl, mit dem Auto oder dem Motorrad mächtige Schluchten aus Schnee und sensationelle winterliche Hochgebirgsausblicke zu "erfahren". Ab 27. Mai ist das wieder für alle Verkehrsteilnehmer möglich.

Neue Trabi-Ausstellung öffnet am 26. Juni ihre Pforten

Im Besucherzentrum auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe erwartet alle Automobil-Fans ab 26. Juni eine neue Sonderausstellung mit hohem Nostalgie-Faktor: "Im Trabi-Takt auf den Großglockner" lautet der Titel der neuen Sonderschau, in der zahlreiche Trabis, filmische Dokumente und Augenzeugenberichte Erinnerungen an den Sommer 1990 zum Leben erwecken. Denn als damals die Mauer fiel und damit die Reisefreiheit kam, machten sich zahlreiche Gäste aus Ostdeutschland in ihren Trabanten und Wartburg auf den Weg nach Österreich. Das Ziel vieler wagemutiger Zweitakter-Piloten: Die Großglockner Hochalpenstraße und die Eroberung des Großglockners! So erzählt die Ausstellung die Geschichte und die Geschichten, die sich im Sommer des Jahres 1990 rund um tausende Trabis auf der Großglockner Hochalpenstraße und ihre Insassen zugetragen haben.


Quelle: SN

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