Chronik

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In St. Johann kam ein Nachlass zum Vorschein, der alte Schätze und Überraschungen birgt: eine private Bibliothek mit mehr als 4000 Büchern.



Die Route zwischen St. Johann in Tirol und St. Johann im Pongau kennen Isolde und Wolfgang Holleis bestens. Das Ehepaar lebt in St. Johann in Tirol und betreut in St. Johann im Pongau, im Elternhaus des Mannes, eine Privatbücherei mit mehr als 4000 Exemplaren. Der im Jahr 2000 81-jährig verstorbene Sepp Holleis hat sie hinterlassen.

Weil die hinterbliebene Ehefrau nun ins Pflegeheim musste, stellt sich den Holleis eine gar nicht so leichte Aufgabe. "Weil wir zu wenig Platz haben und die Distanz von eineinhalb Autostunden nach Tirol zu groß ist, müssen wir die Bibliothek auflösen", sagt Isolde Holleis. "Es sind bibliophile Schätze dabei, ein bisschen was werden wir selbst mitnehmen." Ihr Schwiegervater, ein Bergbauernbub vom Hahnbaum, sammelte Zeit seines Lebens leidenschaftlich so gut wie alles Lesbare. Der ehemalige Beamte am Arbeitsamt hinterließ Werke der Zeitgeschichte, der Weltliteratur und Philosophie ebenso wie Trivialromane, Lexika, Wörterbücher, Ratgeber und Gebrauchsanweisungen. So gesellten sich zu Goethe, Schiller, Zola, Dostojewski, Hugo, Kant und Schopenhauer zum Beispiel die Betriebsanleitung eines Puch 500, die Chronik von Wagrain, das kommunistische Manifest, ein deutsch-russisch-ukrainischer Bilderduden, Altes und Neues Testament aus 1885 sowie ein Latein-Schulwörterbuch (1877). Alles ist in einer Kartei vermerkt. Besondere Plätze nehmen die Werke Peter Roseggers und des Pongauers Karl Heinrich Waggerl ein, den der Sammler persönlich kannte. Diesen Platz zu finden, ist aber nicht so einfach. "Mein Vater hat selbst oft lang gesucht. Aber auf das System werde ich schon noch draufkommen", sagt Wolfgang Holleis. "Werke, die er besonders geschätzt hat, ließ er in Leder binden. Er war leidenschaftlicher Sammler und Leser, besaß nie einen Fernseher, hatte schon in seiner Jugend auf dem Bauernhof Bücher." Aber da dürften die Eltern manchmal Seiten herausgerissen und als Klopapier für Sepps jüngere Brüder verwendet haben. Im Familienbesitz bleiben natürlich die Feldpostbriefe eines Bruders aus dem Krieg, die der Bibliothekar auf der Schreibmaschine abgetippt hat. Manche Bücher gibt es doppelt und dreifach. Denn sie mussten auch andernorts greifbar sein, vor allem in Holleis’ kleiner Hütte am Hahnbaum. Das Buch "Wolken, Wind und Wetter" hatte der Bergwanderer und Hobbywetterkundler fast immer dabei.

Das Ehepaar will die Bücher nicht wegwerfen - das wäre schade - und hofft, dass sich ein Abnehmer für die stattliche Sammlung findet.

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