Chronik

Video: Griesgassen-Sperre vor Start umstritten

Die Griesgasse soll zur "Flaniermeile" werden. Am Samstag tritt die neue Verkehrsregelung in Kraft. Zuvor gab es noch einmal politischen Zwist über eine neue Regelung des Verkehrsflusses.

Neben der längst bestehenden Fußgängerzone wird es in der Salzburger Altstadt ab kommenden Samstag eine verkehrsberuhigte Zone mit Tempo 30 und einer rund 150 Meter langen "Flaniermeile" in der Griesgasse geben. Die "neue Innenstadtregelung" - sie soll den Durchzugsverkehr in der Altstadt um rund 25 Prozent verringern - entzweit seit Monaten die Stadtpolitik. Das Verkehrskonzept entstand aus einem Schulterschluss von SPÖ, ÖVP und dem Altstadtverband. Strikter Gegner ist die Bürgerliste: Der Grüne Stadtrat Johann Padutsch prophezeit "Staus in alle Richtungen" und ortet zugleich ein "massives Sicherheitsproblem" für schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer".

"Padutsch versucht, dass alles schief geht"

Im Stundentakt wurden die Medien am Mittwochvormittag von den Kontrahenten zu Pressekonferenzen geladen. Die Durchführung der neuen, dauerhaften Verkehrsreglung wäre im letzten Moment fast gescheitert, erklärte Baustadträtin Claudia Schmidt (ÖVP). Planungsstadtrat Padutsch als Behördenchef habe die nötige Verordnung nicht unterzeichnet. So habe sie gestern den im Ausland weilenden Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) am Telefon um Hilfe gebeten. Auf Ersuchen des Bürgermeisters habe dann ÖVP-Vizebürgermeister Harry Preuner die Verordnung unterzeichnet. "Padutsch versucht alles, dass es schief geht", wetterte die Baustadträtin.

Der Konflikt reicht in das Frühjahr 2013 zurück: Weil Padutsch sich weigerte, die im März abgesegnete "Variante vier" umzusetzen, übernahm Schmidt auf Ersuchen des Bürgermeisters im April die Federführung für die Realisierung des insgesamt rund zwei Millionen Euro teuren Projektes. Laut Schmidt wurde für die Umsetzung der provisorischen Phase "schnell und kompetent geplant". Der Autoverkehr solle nicht vom innerstädtischen Verkehr ausgegrenzt werden, und die Regelung komme den Geschäftsleuten entgegen. Eine fünfwöchige "Innenstadtsperre" im Sommer 2012 hatte den Protest von Altstadtkaufleuten hervorgerufen, sie sprachen von knapp 3,5 Mio. Euro Umsatzeinbußen.

"Verkehrsberuhigung" und "Flaniermeile"

Die ab Samstag wesentlichen Veränderungen für die Verkehrsteilnehmer: Der Individualverkehr wird vom Neutor über den Anton-Neumayr-Platz und den Museums-Platz beim Haus der Natur vorbei auf die bisherige Einbahnstraße am Franz-Josef-Kai zur Staatsbrücke geleitet. Der Kai wird nun zum Gegenverkehrsbereich. Der Müllner Hügel wird "verkehrsberuhigt". Die "Flaniermeile am Gries" bietet mehr Freiräume für Fußgänger und Radfahrer, es gibt nur mehr eine Fahrspur. Die Zufahrt ist nur mehr für Öffentliche Linienbusse, Taxis, den Lieferverkehr und für Einsatzfahrzeuge erlaubt. "Es wird möglich sein, einen Teppich abzuholen", beschwichtigte Schmidt. "Rechtlich gesehen handelt es sich um eine Fahrverbotszone mit einer 30er-Beschränkung, wo bestimmte Berichtigte fahren dürfen", erläuterte Straßen- und Brückenamtsleiter Michael Handl. Verkehrssünder werden in der Anfangsphase nicht bestraft, versicherte die Baustadträtin.

Für die provisorische "Behübschung" der Griesgasse werden Tröge mit Blumen und Bäume aufgestellt, vor der offiziellen Eröffnung der Flaniermeile am Samstag um 11.00 Uhr legen Innenstadtkaufleute rote Teppiche aus. Erst nach Beendigung einer Baustelle im Jahr 2015 wird die Flaniermeile baulich fertig umgestaltet sein - mit fünf Meter breiten Gehsteigen, Schanigärten und neuem Straßenbelag.

"Der Padutsch war es nicht"

Die erste Bauphase kostete nach Angaben der Baustadträtin rund 450.000 Euro. Padutsch nannte allerdings einen Betrag von 700.000 Euro - "für eine provisorische Umsetzung, die sich zum Teil konterkariert. Es wird schlechter werden. Was immer da ab Montag abgeht, der Padutsch war es nicht", wies er jeglich Schuld für ein etwaiges Chaos von sich. Er und Klubobmann Helmut Hüttinger orteten mehrere Engstellen, die in den neuen Gegenverkehrsbereichen Staus und teils gefährliche Situationen vor allem für Fußgänger hervorrufen würden. Als Beispiele nannten sie den Museumsplatz, den Bereich vor dem Haus der Natur mit rund 300.000 Besuchern jährlich, die für Busse schwierige Durchfahrt zum Kai, die Bereiche vor dem Rot-Kreuz-Parkplatz am Kai und vor der Bus-Haltestelle am Ferdinand-Hanusch-Platz mit täglich 25.000 Fußgänger-Querungen.

"Wenn ich ein Gefäß verenge kann ich mir nicht erwarten, dass der Verkehr flüssiger wird", veranschaulichte Padutsch. Die Bürgerliste habe eine Variante favorisiert, die eine Durchfahrt durch die Altstadt im Bereich des Hanusch-Platzes und der Staatsbrücke unterbunden hätte. Hannes Augustin vom Naturschutzbund bezeichnete die neue Verkehrsregelung als "mutlos", er prophezeite ein zusätzliches Verkehrsaufkommen im Gegenverkehrsbereich. "Es wird schwierig sein, die Straße zu queren." Anrainerin Monika Baumgartner hielt das Vorgehen der Stadt für "demokratiepolitisch bedenklich", die Anrainer seien nicht eingebunden worden. "Wir sind extrem lärmbelastet und wir befürchten, dass der Durchzugsverkehr zunehmen oder subjektiv spürbarer wird." Rund 30 Bewohner hätten sich in eine Gruppe zusammengeschlossen, es seien 120 Unterschriften gesammelt worden.

Quelle: SN

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