Chronik

Video: Haus der Natur arbeitet Nazi-Vergangenheit auf

Zum 90-jährigen Bestehen beleuchtet das Haus der Natur ein dunkles Kapitel der eigenen Geschichte. In einer Sonderausstellung werden Besucher über die Rolle des Museums während der NS-Zeit aufgeklärt.



Nach einer umfassenden Provenienzforschung für die Jahre 1938 bis 1945 mit anschließender Restitution hat nun das Salzburger Haus der Natur seine historische Aufarbeitung auf einen deutlich größeren Zeitraum ausgeweitet. Es geht um die Ära des Museumsgründers Eduard Paul Tratz, der die Institution von 1924 bis 1976 geleitet und dabei auch in das "Ahnenerbe" der Nazis integriert hat. Erste Aufarbeitung eines Museum "Als wir im Oktober 2010 den Startschuss für die Aufarbeitung der NS-Zeit erteilt haben, waren wir der Meinung, dass wir sehr spät damit dran sind. Tatsächlich ist es aber die erste Aufarbeitung eines naturkundlichen Museums im gesamten deutschsprachigen Raum", sagte der jetzige Direktor, Norbert Winding, am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Entsprechend groß sei daher das Interesse an dem Salzburger Projekt, das deshalb mit einer heute startenden Ausstellung dem Publikum zugänglich gemacht wird. Außerdem sind ein Symposium und eine abschließende ausführliche Publikation geplant.

"Es ist eine bittere Tatsache, dass das Haus der Natur nicht nur eine Mitläuferorganisation gewesen ist, sondern Schwerpunkte im Sinne der NS-Rassenideologie gesetzt hat", betonte Winding. Die Forscher fanden allerdings keinerlei Hinweise, die eine Nähe Tratz' zum Nationalsozialismus schon vor dem Jahr 1938 belegen würden. Innovatives Museum in den 1920ernDie Forschung habe gezeigt, dass viele Exponate, die während der Naziherrschaft dann das Herzstück im "Rassenideologischen Saal" gebildet hätten, bereits zuvor ausgestellt gewesen seien, etwa Tafeln zur Mendelschen Vererbungslehre, erläuterte Susanne Kösternig, eine Expertin für die Museologie naturkundlicher Museen. Tratz habe in den 1920er-Jahren zweifellos ein herausragend innovatives Museum gegründet, das erstmals die Natur in Beziehung zur menschlichen Kultur, zu Technik, Wirtschaft und Kunst gestellt habe und gesellschafts- und gegenwartsorientiert gewesen sei.

Nach den Kriegsjahren wurde der Museumsdirektor interniert, kam aber zwei Jahre später wieder frei und durfte 1949 als "minderbelastete" Persönlichkeit wieder an die Spitze des Hauses der Natur zurück, und zwar bis 1976. "Es gab in dieser Zeit keine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte", so Winding, und der am Projekt beteiligte Historiker Robert Hoffmann sprach von einem "Mantel des Schweigens".

"Das Haus der Natur 1924-1976. Die Ära Tratz." Sonderausstellung im Haus der Natur von 10. April 2014 bis Juni 2015; Haus der Natur, Museumsplatz 5, 5020 Salzburg; 0662/84 26 53-0; Mehr Informationen online auf hausdernatur.at

(SN)

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