Chronik

In der Fronfeste geht's unter die Haut

Seit 30 Jahren hat das Museum Fronfeste die Leihgabe der Gerberfamilie Jahn-Markl im Hause. Der Vertrag wurde verlängert und so reifte die Idee, eine Ausstellung zum Thema Haut zu machen.

14 Künstlerinnen und Künstler aus Stadt und Land Salzburg setzten sich mit dem Thema Haut auseinander. Dass sich dessen niemand entziehen kann und wie unterschiedlich der Zugang zu dem Organ von etwa zwei Quadratmetern Fläche pro erwachsenem Menschen ist, sieht man bei der neuesten Ausstellung "Hautkontakt" im Museum Fronfeste.

Die Work-in-Progress-Ausstellung - es können sich nach wie vor Künstlerinnen und Künstler melden - ermöglichte es den Ausstellern, sich "seinen" bzw. "ihren" Raum im alten Gefängnis auszusuchen. "Ich freue mich so sehr um diese Vielfältigkeit des künstlerischen Zugangs", sagt Museumsleiterin Ingrid Weese-Weydemann.

Erste Zusammenarbeit zwischen Fronfeste und Literaturhaus

Über ihre erste Zusammenarbeit freut sich auch Gabriele Dau, Obfrau des Literaturhauses in Henndorf. Für sie wie auch Eva Maria Gintsberg ist die Auseinandersetzung mit der Haut eine literarische. "Das Wortfeld ist größer geworden. Da gehören Zärtlichkeit und genauso Gewalt dazu. Oder die Frage, wie gehe ich mit Kleidung um", sagt Gabriele Dau.

Von Rassismus bis Papierfaltungen und Gemälden auf Schweinehaut

Sehr zu Herzen geht in der Ausstellung im ersten Stock auch die Klassifizierung der Rassen. "Die Farben Schwarz-Weiß stehen für jahrhundertelangen Rassismus und den Wunsch nach seiner Überwindung." Michael Punz zeigt eindrucksvoll die Porträts des Indianers Tom Tolino 1882 und "amerikanisiert" im Jahr 1885.

Die Corona-Zeit, ohne sich berühren zu dürfen, war auch für Ingrid Weese-Weydemann eine schlimme. "Ich habe Umarmungen vermisst", sagt sie.

Das ist glücklicherweise wieder möglich, genauso wie der Einblick in die Gerberei der Familie Jahn-Markl. Im nächsten Raum reduzierte der Künstler Johann Schwarz das Porträt von Mike Tyson pixelig auf vier Gemälden auf Schweinehaut. Und Doris Scharfetter zeigt mit ihren filigranen wie robusten Papierfaltungen die Welt der Sehnsucht und macht mit den "Sehnomaten" Assoziationen zu Schlagobers, Torten und Süßem möglich.

Johanna Schwarz nähte sich eine zweite Haut

Eine zweite Haut nähte sich Johanna Schwarz. Der Körper wurde in Schnittteile zerlegt, um diese im Anschluss wieder zusammenzufügen. Das Trikot ist tragbar. Durch das Hineinschlupfen in die Körperhülle erhält diese eine neue Dimension.

Den Prozess der Verwandlung der Haut offenbart Wolfgang Richter, der zeigt, wie sich Äpfel in Kletzen verwandeln. Sehr berührend ist auch der Zugang von Levi Pritz zum Thema Wunden und blaue Flecken in ihrem Gewebewerk. Es lädt zum Anfassen und Begreifen ein.

Gertrud Fischbacher und Marius Schebella machen in einer Zelle Berührungen anders erfahrbar. So werden haptische Erfahrungen in Töne transformiert.

"Mich berührt einfach alles an dieser Ausstellung", sind sich Gabriele Dau und Ingrid Weese-Weydemann einig. Zu sehen ist die Ausstellung bis Jänner 2023.

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