Chronik

Mehr als 13 Millionen Euro Schaden durch Schneelast in Salzburgs Wäldern

Die massiven Schneefälle im Jänner haben in den Wäldern Salzburgs enorme Schäden angerichtet. Alleine beim Katastrophenfonds des Landes wurden bisher knapp 1500 Anträge mit einer Schadenssumme von über 13 Millionen Euro gestellt.

Alt-Bauer Herbert Kaltenbrunner ist demnächst 82 Jahre alt. "Seit 60 Jahren hat es in meinem Wald keine so großen Schäden durch Schneebruch gegeben", sagt er am Dienstag bei einem Lokalaugenschein in einem seiner Wälder am Thalgauberg. 85 Hektar besitze er respektive sein Sohn bis zum Mondseeberg. Mehr als 3000 Festmeter Schadholz müssten derzeit aufgearbeitet werden. "Der Herrgott muss mir noch ein paar Jahre geben, dass ich meinem Sohn noch weiter helfen kann", so der rüstige Landwirt. In Summe hätte er bis zu 40.000 Euro Verlust durch den Preisverfall beim Holz, beim Verkauf von Schadholz über den Waldverband sowie ans Sägewerk bekomme man derzeit nur 70 Euro pro Festmeter, 100 Euro seien früher üblich gewesen. Dennoch sehe er für seine schwer getroffenen Fichtenwaldgebiete gute Chancen: "Es ist viel ausgelichtet. Wir hoffen jetzt auf einen Tannen- und auch Fichtenanflug, sodass sich der Wald auf natürliche Weise verjüngt", so der Senior.

Michael Mitter, Forstdirektor des Landes Salzburg, schätzt, dass rund ein Viertel der betroffenen Wälder, vor allem in Höhenlagen um 900 bis 1000 Meter, durch die enorme Schneelast im heurigen Winter geschädigt worden sind. "Bislang sind knapp 1500 Anträge auf Unterstützung an den Katastrophenfonds des Landes gerichtet. Derzeit sind etwa zehn Prozent abgearbeitet worden, wobei wir davon ausgehen, bis zum Sommer den Großteil erledigt zu haben", so der Landesforstdirektor. Die Experten gehen zur Zeit von einer Schadholzmenge von 600.000 Festmeter aus.

Auf die Frage, ob durch die großen Schadholzmengen mit einer weiteren Schädigung durch den Borkenkäfer gerechnet werden, bleibt Michael Mitter noch gelassen: "Wir sind in einer Art Vorwarnstufe und waren nicht so belastet wie beispielsweise in Oberösterreich im Vorjahr. Aber der Borkenkäfer hat sich heuer bei uns auch schon recht gut entwickelt, vor allem in den Tallagen wie rund um den Wallersee, Salzach- und Saalachtal. In den höheren Lagen ist noch weniger passiert, aber man muss Gewehr bei Fuß stehen, denn die Bedingungen für den Borkenkäfer sind derzeit gut", so der Landesforstdirektor.

Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) - er ist auch Agrarökonom - beziffert den Gesamtschaden in Salzburgs Wäldern auf etwa 13,2 Millionen Euro. Thalgau sei nur eine von vielen stark betroffenen Gemeinden nach den heurigen Winterschäden und er stellte einen Vergleich auf: "Wir haben etwa 1500 Anträge an den Katastrophenfonds, im Zeitraum von 1994 bis 2018 waren es 1169."

Auf die Frage, wie das Land Salzburg den betroffenen Waldbauern und -besitzern hilft, sagt Landesrat Schwaiger: "Wir bezuschussen 30 Prozent der zusätzlichen Aufräumkosten und auch 30 Prozent vom Holzverlust. Das betrifft jenes Holz, das man nicht verwerten kann. Das macht letztlich rund vier Millionen Euro aus, die wir dafür ausgeben. Das ist nicht wahnsinnig viel Geld für den Einzelnen, aber viel für das Land."

Beim SN-Lokalaugenschein am Thalgauberg lässt Landesrat Schwaiger auch die besonders schwierige Lage in betroffenen Almgebieten nicht unerwähnt: Dort sei aufgrund der topographischen Lage der Einsatz von großen Maschinen oft nicht möglich, fast alles müsse in Handarbeit bewältigt werden. "Bis zu 300 Stunden Handarbeit sind nötig, um eine von einer Lawine zerstörten Alm- oder Weidefläche in der Größe von rund zwei Hektar frei zu räumen, wie mir Experten gesagt haben", so Josef Schwaiger. Man könne den Arbeitern nur den größten Respekt entgegen bringen.

Von den 1500 Anträgen an den Katastrophenfonds beziehen sich 1237 nach Schneedruck, 144 nach Lawinen sowie 90 nach Erdrutsch und Vermurungen. Besonders betroffene Gemeinden sind Abtenau mit 84 Anträgen, Annaberg-Lungötz mit 48, St. Kolomann mit 65, Henndorf mit 34, Köstendorf mit 26, Neumarkt mit 55, Thalgau mit 68, Hüttau mit 58, Großarl mit 39 St. Veit mit 30, Wagrain mit 45 sowie Rauris mit 28 und Unken mit 28.

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