Chronik

Mit Bus & Bahn auf die Skipiste: Wie der Praxistest von zwei SN-Redakteurinnen ausfällt

Immer mehr Skigebiete fördern die Anreise mit den Öffis. Doch wie praktisch ist das wirklich? Zwei Versuche, die auch Geduld erforderten.

"Na, gibt's eh noch an Schnee?", fragt der Postbus-Fahrer lächelnd um 7.12 Uhr beim Einsteigen in Wals-Siezenheim. Er kontrolliert meinen Fahrschein, ein kostenloses "Veranstaltungsticket" (sie Daten & Fakten unten), nickt und winkt einen weiter. Der Linienbus Richtung Salzburger Hauptbahnhof ist um diese Zeit gut besetzt - mit Schülerinnen und Schülern sowie Berufstätigen. Und eben einem einzigen Fahrgast in Skimontur, der sich auf einen freien Platz in der ersten Reihe zwängt.

Von Wals ging es zuerst mit dem Bus und danach mit der Bahn weiter nach St. Johann im Pongau. SN/franz neumayr
Von Wals ging es zuerst mit dem Bus und danach mit der Bahn weiter nach St. Johann im Pongau.

Helm und Handschuhe in einem Rucksack auf dem Rücken, die Skistöcke in einer Hand, die Ski zwischen den Oberschenkeln eingezwickt, und mit der zweiten Hand hält er sich fest. Ein Skischuh und ein Knie ragen aufgrund der Enge etwas in den Mittelgang. Bequem ist das nicht, aber die Fahrt dauert ja nur 26 Minuten. Am Hauptbahnhof heißt es dann gut 30 Minuten warten. Der Intercity-Zug nach Klagenfurt fährt erst um 8.12 Uhr ab - mit dem späteren Postbus wäre es aber zu knapp geworden. Dafür dauert die Fahrt mit dem ÖBB-Zug nur 50 Minuten - laut Verkehrs-App die schnellste Verbindung nach St. Johann. Auch im IC-Zug wurde das "Veranstaltungsticket" als Fahrkarte vom Schaffner mit "Passt" quittiert. Und: Platz für die Skiausrüstung ist hier genug.

Im Zug befindet sich auch Martin, der ebenfalls mit Skiausrüstung reist. Der Tischler aus Niederösterreich ist schon seit sechs Uhr unterwegs - für einen Tagesskiausflug in den Pongau. Er hat Skihose und Skischuhe in einem Skischuhrucksack verstaut. Nach dem Umziehen wird er sein Gepäck in einem Schließfach an der Talstation unterbringen. "Ich fahre lieber drei Stunden entspannt mit dem Zug hierher als zweieinhalb Stunden mit dem Auto", sagt Martin, der über ein Klimaticket verfügt. Sein Vorteil: Er wohnt nur fünf Minuten vom Bahnhof Amstetten entfernt. Von dort aus verkehren zum Teil direkte Züge nach St. Johann im Pongau oder es gibt Verbindungen mit kurzen Umsteigezeiten am Salzburger Hauptbahnhof. "Am Wochenende sieht es mit den Verbindungen dünner aus, deshalb mache ich meinen Skitag an einem Wochentag", erklärt er, bevor der Zug um 9.02 Uhr St. Johann erreicht.

Den Skibus vom Bahnhof in St. Johann nach Alpendorf nutzten auch Georg und Roland, die mit der Bahn aus Schärding angereist sind.  SN/Stefanie Schenker
Den Skibus vom Bahnhof in St. Johann nach Alpendorf nutzten auch Georg und Roland, die mit der Bahn aus Schärding angereist sind.

Vor dem Bahnhof heißt es warten auf den Skibus - gemeinsam mit einer kleinen Skifahrergruppe aus dem Bezirk Schärding, die ebenfalls im Zug angereist ist.

Nach exakt zwei Stunden und 19 Minuten Öffi-Anfahrt ist dann auch die SN-Redakteurin aus Wals im Skigebiet angelangt. Zum Vergleich: Mit dem Pkw hätte es (bei guten Verkehrsbedingungen) nur rund 50 Minuten gedauert.

Fazit von SN-Redakteurin Stefanie Schenker: „Es ist nicht automatisch der schnellste Zug, der am raschesten ans Ziel führt. Es kommt auf die Umsteigezeiten an.“ SN/Stefanie Schenker
Fazit von SN-Redakteurin Stefanie Schenker: „Es ist nicht automatisch der schnellste Zug, der am raschesten ans Ziel führt. Es kommt auf die Umsteigezeiten an.“

Schneller als die Hinfahrt ging es nach dem Skitag retour: innerhalb von zwei Stunden (gerechnet ab Skibus-Einstieg bei der Talstation). Ab dem Bahnhof St. Johann ging es mit der S-Bahn (S3) bis Salzburg-Aiglhof (Fahrzeit eine Stunde und 16 Minuten) und nur drei Minuten später mit dem Postbus in weiteren zwölf Minuten bis nach Wals, fast bis vor die Haustür. Fazit nach einem Tag mit insgesamt vier Stunden und 20 Minuten in Bus und Bahn: Es ist nicht automatisch der schnellste Zug, der am raschesten zum Ziel führt, es kommt auf die Umsteigedetails an. Zeitlich können es die Öffis mit dem Auto nicht aufnehmen, in puncto Entspannung aber auf jeden Fall. Und die An- und Abreise in Kombination mit dem Snow-Space-Ticket ist gratis.

Video: Von Wals nach St. Johann Alpendorf und retour

Von der Stadt Salzburg nach Obertauern

Beschwerlicher war da schon das Vorhaben der zweiten SN-Redakteurin, von der Stadt Salzburg mit den Öffis nach Obertauern und wieder retour zu gelangen. So viel vorweg: Je fortgeschrittener der Tag war, desto reibungsloser lief dieser ab. Deswegen soll der Bericht an dieser Stelle nun auch mit der Rückreise beginnen. Selbst wenn hier das Wort "Reise" bewusst gewählt wurde, ähnlich entspannt endete ein Skitag wohl bisher nur selten.

SN-Redakteurin Anna Boschner: „Ich werde meinen Öffi-Skitag definitiv wiederholen, die Zeit im Zug war sehr angenehm.“ SN/anna boschner
SN-Redakteurin Anna Boschner: „Ich werde meinen Öffi-Skitag definitiv wiederholen, die Zeit im Zug war sehr angenehm.“

Es ist 15.52 Uhr: Die Skischuhe der Mitfahrenden klackern auf dem Asphalt, sie drängen in den Postbus 280. Nach wenigen Stationen ist dieser aber schon fast wieder leer. Die Letzten im Bus, ein Ehepaar aus Nürnberg, steigen kurz nach Untertauern aus. "Mit den Öffis ist es einfach so viel entspannter", sagt die Frau. Na gut, weit haben die beiden bis zu ihrer Unterkunft ja nicht.

Von Obertauern wollen einige Skifahrer und Skifahrerinnen mit dem Postbus fahren. Die meisten sind bis Untertauern jedoch wieder ausgestiegen. Bis Radstadt fährt nur die SN-Redakteurin. SN/anna boschner
Von Obertauern wollen einige Skifahrer und Skifahrerinnen mit dem Postbus fahren. Die meisten sind bis Untertauern jedoch wieder ausgestiegen. Bis Radstadt fährt nur die SN-Redakteurin.

Die Redakteurin hingegen schon. Umsteigen in Radstadt. Der Intercity in Richtung Innsbruck hat zehn Minuten Verspätung, doch die holt er während der Fahrt wieder auf. Nach 22 Minuten im Zug bereits die Durchsage: "Nächster Halt Bischofshofen." Das Snowboard unter dem Arm geht es Stufen runter und wieder rauf. Am Bahngleis 3 ist der Anschlusszug noch nicht eingetroffen. Dafür steht dort Luke. Auch der 23-Jährige trägt ein Snowboard unter dem Arm. Seines ist jedoch in einer Tasche verstaut. In Bezug auf Öffis ist er ein richtiger Profi: Zwei Mal pro Woche fahre er mit Bus oder Zug in Skigebiete. Obertauern sei noch nicht dabei gewesen. "Meistens bin ich in Flachau, so wie heute", sagt der Niederländer, der in Salzburg lebt.

Im Postbus zurück von Obertauern in Richtung Radstadt. SN/anna boschner
Im Postbus zurück von Obertauern in Richtung Radstadt.

Obwohl der Railjet bis zum Hauptbahnhof durchfährt, ist nach 20 Minuten wieder Schluss. Die schnellste Verbindung nach Salzburg-Süd geht via S-Bahn, sagt die Verkehrs-App. Die S3 wartet bereits im Bahnhof von Golling, weitere 23 Minuten vergehen wie im Flug. Um 17.57 Uhr gehen in Salzburg-Süd die Türen der Bahn ein letztes Mal für diese Rückfahrt auf und wieder zu - und es geht ein gelungener Skitag zu Ende.

Zehn Stunden zuvor sahen die Anzeichen dafür noch ganz anders aus. Der Skitag begann lange vor dem ersten Tageslicht. Aber das hätte er wohl auch, wenn die 86 Kilometer von Salzburg-Süd nach Obertauern mit dem Auto zurückgelegt worden wären. Etwas mehr als eine Stunde benötigt man bei wenig Verkehr auf den Straßen für diese Strecke. Die Öffi-Verkehrs-App sagt hingegen zwei Stunden und 20 Minuten. Abfahrt 6.12 Uhr, dann bleibt noch genügend Zeit in Obertauern, um ein Skiticket zu kaufen und den Körper mithilfe eines Kaffees in Betrieb zu bekommen. So viel zur Theorie: Die Hürde des Tages kam vorher in Form einer Tür. Jene des Intercitys wollte sich just dann nicht öffnen lassen, als der Zug in Radstadt zum Stehen kam. Und dann rollte der Railjet auch schon wieder weiter. Die Tür der Bahn blieb zu.

Nächster Halt: Der Versuch, an einer anderen Tür auszusteigen, glückte. Auf einen kurzen Aufenthalt in Schladming folgte ein längerer in Radstadt. Um 9.30 Uhr rollte dort der Postbus ein. 30 Minuten später hielt er mitten im Skigebiet. Bei der Redakteurin herrschte Gelassenheit. Lieber eine Zugfahrt und ein Kurzbesuch in Schladming, als mit dem Auto im Stau zu stehen.

Video: Von Salzburg nach Obertauern und retour

Daten & Fakten: Mit den Öffis (gratis) ins Skigebiet

Aus dem ganzen Bundesland Salzburg kostenlos anreisen kann man ins Skigebiet Snow Space. Voraussetzung: Man kauft ein Online-Skiticket, mit der dazugehörenden Bestellnummer besorgt man in einem zweiten Schritt ebenfalls online ein "Veranstaltungsticket" für die Öffis. Damit kann man am ausgewählten Tag alle Busse und Bahnen zur Anreise benutzen - auch den Obus in der Stadt und ÖBB-Fernzüge. Die Aktion gilt für die An- und Abreise zum bzw. vom Bahnhof St. Johann im Pongau - von dort verkehrt ein Skibus zur Talstation.

Auch andere Salzburger Wintersportorte sind kostenlos mit Öffis erreichbar. Allerdings gilt dort die Freifahrt für als Wintersportler erkennbare Passagiere nur auf bestimmten Streckenabschnitten. So wie etwa auf der Linie 260 zwischen der Haltestelle Nusserbauer in Weißbach und Lofer, auf den Linien 150, 155 und 157 von Salzburg über Faistenau nach Hintersee/Tiefbrunnau oder auf der Linie 470 von Golling bis Gosau und auf der Linie 471 von Hüttau bis Annaberg in die Skiregion Dachstein West.
Alle Infos zu diesen Angeboten gibt es unter www.salzburg-verkehr.at/gratis-mitnahme-von-wintersportlern

Wer mit der Linie 260 zur Almenwelt Lofer anreist, kann im Bus ein Kombiticket für Bus und Bergbahnen (zum Preis des Bergbahnen-Tagestickets) erwerben. Nach Werfenweng kommt man (um 2,60 Euro) ab den Bahnhöfen Bischofshofen, Werfen und Pfarrwerfen mit dem W3-Shuttle.

Tipp: Anreise-Infos auf Homepages der Skigebiete beachten bzw. telefonisch Infos zu möglichen Öffi-Angeboten einholen.

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