Chronik

Raubüberfall auf Salzburger Juwelierfamilie: Zwei Täter sind weiter flüchtig

Ein in Prag festgenommener 42-Jähriger soll am Überfall auf die Juwelierfamilie Nadler beteiligt gewesen sein. Die Suche nach seinen Komplizen läuft.

Knapp drei Monate nach dem Raubüberfall auf die Juwelierfamilie Nadler am Heuberg in Koppl hat Dienstag früh eine Sondereinheit in der tschechischen Hauptstadt Prag einen Verdächtigen festgenommen. Der Zugriff erfolgte um 4.30 Uhr. 30 Beamte einer tschechischen Polizei-Sondereinheit, drei Salzburger Kriminalbeamte sowie ein Beamter des Bundeskriminalamts waren daran beteiligt. Beim Verdächtigen handelt sich um einen 42-jährigen Tschechen, der am 15. August in die Tat involviert gewesen sein dürfte. Der Mann wurde über einen DNA-Treffer überführt. Während die Polizei und die Staatsanwaltschaft über die Festnahme informierten, führten die Behörden eine erste Einvernahme durch. Der 42-Jährige soll sich dabei aber nicht kooperativ gezeigt haben. Die Ergebnisse von zwei Hausdurchsuchungen waren ausständig.

DNA-Treffer kam im September

"Der Zugriff ist von langer Hand vorbereitet worden", sagt Christian Voggenberger, Leiter des Salzburger Landeskriminalamts (LKA). "Anfang September haben wir den ersten DNA-Treffer bekommen." Am 7. Oktober ordnete die Staatsanwaltschaft Salzburg die Festnahme an.

Die Ermittlungen waren umfangreich. Das Ehepaar, dessen beiden Kleinkinder sowie das 26-jährige Au-pair-Mädchen aus Kolumbien waren am Vormittag des 15. August von drei maskierten Männern überfallen worden.

Während die 35-jährige Juwelierin in die Filiale in die Stadt Salzburg geschickt wurde, um Schmuck zu holen, fuhren zwei der Täter mit einem Wagen der Familie in ein nahe gelegenes Waldstück. Dort kamen sie bald nicht mehr weiter. Bereits beim Wegfahren kam es zum ersten Zwischenfall. Laut Voggenberger fuhren sie noch in der Garage gegen das Tor. "Das dürfte eine Panikreaktion gewesen sein, wo wir nicht wissen, warum." Auf ihrer Flucht nahmen sie zwei Spaziergängern das Telefon ab und feuerten vier Schüsse ab. Die Männer entkamen trotz einer Großfahndung der Polizei.

Verstärkung aus dem Bundeskriminalamt

"20 Personen vom Landeskriminalamt sind aus ihrer Freizeit geholt worden", sagt Voggenberger. Viele Spuren waren auszuwerten, die die Räuber an den Schauplätzen der Tat - im Haus, im Wagen und im Wald - hinterlassen hatten. Es wurden nicht nur viele Fingerabdrücke und DNA-Spuren gesichert, sondern auch 500 Stunden Videomaterial gesichtet.

Bei den Aufzeichnungen einer Überwachungskamera nahe des Tatorts wurden die Ermittler fündig: Die drei Männer haben fünf Tage vor der Tat die Gegend getarnt als Mountainbiker ausgekundschaftet. Die Nacht vor dem Raubüberfall haben die Männer laut Polizei im Wald verbracht. Dort hätten sie Rucksäcke und die Räder für die spätere Flucht versteckt. Unmittelbar nach dem Überfall seien die Verdächtigen dabei aufgezeichnet worden, wie sie in Richtung Hallwang gefahren seien.

Verdächtiger ist einschlägig vorbestraft

Der am Dienstag festgenommene 42-Jährige sei einschlägig vorbestraft, sagt Marcus Neher, Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg. Der Mann war nach einem Banküberfall 2005 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. 2011 wurde er laut Neher bedingt entlassen. Ein Jahr später stand der Tscheche wegen eines Einbruchsdiebstahls neuerlich vor Gericht und wurde zu acht Jahren Haft verurteilt. Im April 2019 wurde er neuerlich bedingt entlassen. Nur vier Monate später soll er dann in Koppl schon wieder straffällig geworden sein. "Das lässt den Schluss zu, dass man es hier mit organisierter Kriminalität, mit einem Berufsverbrecher möglicherweise, zu tun hat", sagt der Erste Staatsanwalt Neher.

Im Falle einer Verurteilung könnte der Tscheche deutlich länger in Haft bleiben müssen. Denn der Strafrahmen für die ihm vorgeworfene erpresserische Entführung beträgt zehn bis 20 Jahre Haft. Zudem werden ihm und seinen Komplizen schwerer Raub, schwere Nötigung und Brandstiftung vorgeworfen. Wie lang die Auslieferung nach Salzburg dauere, hänge davon ab, ob der 42-Jährige mit den Behörden kooperiere. Wie sich nach tödlichen Schüssen in Lehen im vergangenen Juni gezeigt habe, könne sich das bis zu drei Monate hinziehen.

Beute "hat sich nicht ausgezahlt"

Unterdessen läuft die Suche nach zumindest zwei weiteren Verdächtigen weiter. Ob die Identität der Männer bekannt ist, wollten die Ermittler aus taktischen Gründen nicht bekannt geben. Auch über den Wert der Gegenstände, die sie aus der Villa gestohlen hatten, hielten sich die Ermittler bedeckt. LKA-Chef Voggenberger sagt aber: "Für ein Verbrechen hat es sich nicht ausgezahlt."

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