Chronik

Seekirchner Bummelzug steigt auf E-Mobilität um

33 Jahre lang wurde der Wallersee-Xpress von einem 15er-Steyr-Traktor gezogen. Jetzt soll der Zug barriere- und emissionsfrei werden.

Vor 33 Jahren im Sommer fuhr der Wallersee-Xpress" erstmals auf seiner Runde von der Seekirchner Hauptstraße zum Strandbad und wieder retour. Seither gehört das von den Einheimischem liebevoll "Bummelzug" genannte Gefährt in der Vorweihnachtszeit und während der Sommerferien zum Ortsbild der Flachgauer Stadt. Und der Zug, den man am Tuckern seines Dieselmotors bereits hören konnte, lange bevor man ihn sah, hat seither zahlreiche Kindheitserinnerungen geprägt. Auch die von Eleonora Litzlhammer, der Leiterin des Tourismusverbandes Seekirchen. "Ich bin genauso alt wie der Wallersee-Xpress und seit ich mich erinnern kann, bin ich damit gefahren", berichtet sie. Als Kind wohnte sie in der Nähe einer der Haltestellen. "Wir waren vier Kinder und unsere Mutter ist mit uns oft mit dem Zug zum Strandbad gefahren."

Gezogen wird der mit den zwei Waggons 17 Meter lange Zug von einem 64 Jahre alten 15er-Steyr-Traktor. Er wurde vor 33 Jahren so umgebaut, dass er seither einer Lokomotive ähnlich schaut. Wer genau schaut, wird die Traktorreifen unter dem Lokomotivenverbau erkennen. Beim Blick in den "Führerstand" sind nicht nur Traktorsitz und -lenkrad zu erkennen, sondern auch die Sitzkotflügel.

Jetzt soll der in die Jahre gekommene Bummelzug um gut 200.000 Euro erneuert werden. Die Finanzierung ist noch offen - man bemühe sich um Förderungen. Aber auch der TVB und die Stadt Seekirchen werden in die Taschen greifen müssen. "Es ist einfach an der Zeit", sagt Eleonora Litzlhammer. Nicht nur weil Waggons und Zugmaschine einige Wehwehchen aufweisen, sondern weil sie so auch nicht mehr zeitgemäß sind. "Barrierefreiheit und natürlich auch der Umweltaspekt sind für uns wichtige Themen. Immerhin fahren wir durch ein Naturschutzgebiet", sagt sie. Bislang konnten Rollstuhlfahrer nicht mitkommen und auch ältere Menschen waren wegen des hohen Einstiegs oft ausgeschlossen. "Jetzt haben wir vor, einen der Waggons am hinteren Ende so umzubauen, dass wir mit einer Hebebühne Barrierefreiheit erreichen", schildert die 33-Jährige. Auch die Sicherheitsbügel - einfache Holzlatten -, die die Fahrgäste während der Fahrt vor dem Herausfallen schützen, sollen modernisiert und damit sicherer werden. Das zum Markenzeichen gewordene Äußere des Zuges soll aber erhalten werden, verspricht Eleonora Litzlhammer. Die Kabinen aus MDF-Platten und das per Hand vernietete Metalldach sollen hergerichtet und wiederverwendet werden.

"Aber das Allerwichtigste ist: Auch das charakteristische Tuckern des Zuges werden wir trotz Umstiegs auf Elektromobilität erhalten", sagt die Seekirchnerin. Dazu werde man das Originalgeräusch des Bummelzuges aufnehmen und am neuen Zug als Geräuschkulisse abspielen. Denn ein Wallersee-Xpress, der nicht schon aus der Ferne zu hören ist, sei für Seekirchen unvorstellbar.

Heuer bleibt aber alles beim Alten. Erst nach der Bummelzug-Saison während der Sommerferien soll der Umbau starten, sodass ab 2022 der neue Wallersee-Xpress unterwegs ist.

Welches Gefährt als neue "Lok" infrage kommt, ist noch nicht restlos geklärt. Fest steht, dass gängige E-Traktoren zu groß für das Gehäuse der Lok sind. Deshalb denken die Verantwortlichen an einen Elektro-Sitzschlepper. Dabei handelt es sich um einen kleinen Allzwecktraktor, wie er etwa auf Flughäfen als Gepäck- und sogar Flugzeugschlepper zum Einsatz kommt.

© TVB Seekirchen & Bild Hoch Drei

Aufgerufen am 21.06.2021 um 06:04 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/video-seekirchner-bummelzug-steigt-auf-e-mobilitaet-um-104085007

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