Chronik

Spendenaktion von Rotem Kreuz und SN: Erster Hilfsgütertransport startet Richtung Ukraine

SN-Leser ermöglichen Hilfe für 10.000 Menschen. 2100 Hygienepakete sind auf dem Weg in die Ukraine. Für ankommende Flüchtlinge hat das Land ein Hotel beim Messezentrum angemietet.

Kurz nach Mittag ging es los: Vom Messezentrum startete am Donnerstag der erste Lkw mit Hilfsgütern aus Salzburg an die polnisch-ukrainische Grenze. Es sind etwas mehr als 1000 Kilometer, die der Lkw zurücklegen wird, bevor er im Rotkreuz-Verteilzentrum Niemce in Polen ankommen wird. Im Frachtraum befinden sich 2100 Hygienepakete, mit denen rund 10.000 Menschen einen Monat lang versorgt sind.

"Diese Hygieneartikel - Seifen, Zahnpasta, Damenbinden, Waschmittel - im Wert von etwa 40.000 Euro werden dort jetzt besonders benötigt", schildert Rotkreuz-Präsident Werner Aufmesser. Noch nicht abschätzen ließen sich die Transportkosten. "Die Lage ist sehr dynamisch, die geplante Route kann unter Umständen nicht eingehalten werden", erklärt Aufmesser. An der polnisch-ukrainischen Grenze werden die Hilfsgüter an das Internationale Rote Kreuz übergeben und von dort aus weiter mit dem ukrainischen Roten Kreuz in der Ukraine verteilt.

Für das Rote Kreuz Salzburg ist die Ukraine kein Neuland. Mit dem ukrainischen Roten Kreuz besteht eine langjährige Partnerschaft, aktuell sind alle Aktivitäten auf die akute Nothilfe konzentriert.

Manfred Perterer: SN haben lange Tradition als Hilfsgemeinschaft

Finanziert wurden die am Donnerstag auf Fahrt gebrachten Hygienepakete mithilfe einer Spendenaktion von Rotem Kreuz und den SN. "Die 'Salzburger Nachrichten' haben eine große Tradition als Hilfsgemeinschaft und ihre Leserinnen und Leser greifen immer wieder in die Geldtasche, wenn es darum geht, Menschen zu helfen, die in Not geraten sind", schildert SN-Chefredakteur Manfred Perterer. Das sei auch in der Vergangenheit - nach dem Erdbeben in Haiti oder dem Tsunami in Sri Lanka, aber auch bei lokalen Ereignissen wie Hochwasserkatastrophen wie zuletzt etwa in Hallein - so gewesen. "Und jetzt ist wieder so ein Zeitpunkt eingetreten, wo es darum geht, die Herzen zu öffnen und auch die Geldbörsen. Wir möchten den Menschen in der Ukraine helfen, über diese schwierige Zeit hinwegzukommen", betont er. Das Rote Kreuz Salzburg gewährleiste, dass die Spenden zielgerichtet und treffsicher ankämen - bei größtmöglicher Transparenz. "Damit die Leute hier wissen, wohin das Geld kommt und wofür es verwendet wird", sagt Perterer.

250.000 Euro sind bis Donnerstag im Rahmen der Spendenaktion von Rotem Kreuz und den SN zusammengekommen. "Und die Spendenaktion geht natürlich weiter - solange die Menschen in der Ukraine Hilfe benötigen", betont SN-Chefredakteur Manfred Perterer.

Weitere Sammelaktionen sind geplant

"Wir sind im engen Austausch mit der ukrainischen Botschaft", sagt Landeshauptmann Wilfried Haslauer. Dabei gehe es um Medikamente, medizinische Geräte, haltbare Lebensmittel, um weitere Hygieneprodukte, aber auch um neue, einfache Kleidung. "Das wird alles in großen Mengen aus den Spenden angekauft, dann werden Transporte zusammengestellt, mit denen die Hilfsgüter an die Grenze des Krisengebietes gebracht werden", erklärt Haslauer. Er betont auch, dass die Hilfsbereitschaft derzeit großartig sei. Es sei wichtig, dass die Lieferungen jetzt effizient und logistisch konsequent durchgeführt würden. "Und dass es dort hinkommt, wo es hingehört. Da setzen wir auf das internationale Rote Kreuz und die Feuerwehren."

Im Augenblick seien Geldspenden das Wertvollste und auch das Hilfreichste, denn damit könne gezielt das angekauft werden, was angefordert werde, ergänzt Werner Aufmesser. Sachspenden seien logistisch aufwendig und in der Verteilung ungleich schwieriger.

Ankunftszentrum eröffnet am Freitag

Das Land bereitet sich unterdessen auf die Ankunft von bis zu 5000 ukrainischen Kriegsflüchtlingen vor. Am Freitag wird im Messezentrum ein "Ankunftszentrum" eröffnet. Bilder wie aus 2015, wo Menschen in der Bahnhof-Tiefgarage oder in Zelten wochenlang ausharren mussten, wolle man vermeiden. "Wir wollen ordentliche Quartiere haben", sagt Haslauer. Derzeit würden viele in privaten Quartieren unterkommen. Das Land habe aber auch selbst bereits Quartiere angemietet. Zusätzlich hat das Land Salzburg beim Messezentrum ein Hotel angemietet - vorerst für drei Wochen. "Damit Leute, die wir nicht unmittelbar in Dauerquartiere überstellen können, nicht in Notbetten schlafen müssen, sondern ordentlich untergebracht sind", erklärt der Landeshauptmann.

Der ehemalige Neos-Nationalratsabgeordnete und Goldegger Gastronom Sepp Schellhorn hat unterdessen seine Initiative "one hotel, one family" gestartet. Wenn jedes Hotel sich bereit erkläre, eine ukrainische Familie aufzunehmen, "dann ist zammgrammt", sagt Schellhorn. Rund 100 Hoteliers hätten sich österreichweit bereits gemeldet. Er werde mittlerweile von NGOs genauso kontaktiert wie von der ukrainischen Kirche, weil diese beim Bund nicht weiterkommen würden. Das Ganze sei mittlerweile "ein föderalistischer Schas". Schellhorn kritisiert in diesem Zusammenhang auch das Land Salzburg. Dort werde ein Ankunftszentrum aufgemacht, aber es gebe keine Quartiere. "So dilettantisch kann ich es nicht machen. Am besten wäre es, die Leute zu registrieren und gleich auf Quartiere zu verteilen."


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