Chronik

Viele Wanderwege sind noch zu gefährlich

Der Alpenverein meldet nach dem schnerreichen Winter zahlreiche Schäden an Wegen und Hütten. Und warnt nach dem lange zu kalten und feuchten Frühjahr vor Leichtsinn beim Wandern.

Die Wanderung auf die Stuhlalm in Annaberg ist für Wolfgang Guttmann seit Jahrzehnten eine der ersten Touren im Frühjahr. Heuer ist alles anders. "Da oben war vor ein paar Tagen noch tiefster Winter. Man weiß gar nicht, wie es den Wegen unter der Schneedecke geht", sagt der Vorsitzende der Sektion Hallein des Alpenvereins. Den Ascan-Conrad-Steig von Kaltenhausen auf den Großen Barmstein hat Gutt-mann mit 13 Alpenvereinskollegen Ende Mai wieder begehbar gemacht. "Der wurde sehr schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Wege sind teilweise sogar auf 500, 600 Meter Seehöhe zur Großbaustelle geworden", sagt Guttmann.

"Nicht einfach drauflosgehen, nur weil Juni ist"

Derart viel Schnee Anfang Juni habe es "sehr, sehr lange Zeit" nicht gegeben, betont der Halleiner und mahnt Wanderer zur Vorsicht. "Man sollte nicht einfach drauflosgehen, nur weil jetzt Juni ist." Im Gespräch mit den TN berichtet Guttmann von Bauern, die ob der zahlreichen Windwürfe der Verzweiflung nahe sind. "Was teilweise an Bäumen im Wald liegt, ist ein Wahnsinn." Oft sehe man schon auf einer Seehöhe von nur 1000 Metern aufgrund des Schnees noch keine Wege. "Wir wissen noch nicht, wie es darunter aussieht."

Wie lange es noch dauern wird, die insgesamt 90 Kilometer Wanderwege in seinem Zuständigkeitsbereich - vom Schlenken über den Schmittenstein und die Genneralm bis zum Hohen Zinken - in Schuss zu bringen, kann Guttmann noch nicht sagen. "Was in Stadtnähe zu erledigen war, haben wir schon gemacht."

"Schäden auf höher gelegenen Hütten kommen erst auf"

Wenig lässt sich derzeit noch über die Situation im hochalpinen Gelände sagen. "Die Schäden auf höher gelegenen Hütten werden erst in den nächsten Wochen aufkommen", sagt Toni Essl, Vorsitzender der Sektion Lammertal des Alpenvereins. Die größten Probleme machen den freiwilligen Helfern derzeit die Wege zwischen 900 und 1200 Meter Seehöhe. Wegewart Felix Schöpp vom Alpenverein Lammertal: "Im Wald liegen teilweise alle paar Meter umgerissene Bäume, die Wege sind oft unpassierbar." Soweit es das Wetter zulässt, ist Schöpp derzeit mit einem Kollegen in den Bergen unterwegs. Mit einer Motorsäge "bewaffnet", schneiden die beiden die Wege frei. Nur die ganz großen Bäume holen die Bundesforste mit ihren Maschinen aus dem Wald. Während Schöpp glaubt, im Laufe der Woche die meisten Wege freizubekommen, werde es bei den Bundesforsten bis Jahresende dauern, bis alles beseitigt ist.

Von enormen Schäden berichtet auch Johann Irnberger vom Alpenverein Golling. "Selbst Seilsicherungen beim Steig hinauf zur Seealm im Talschluss des Bluntautals, die wir erst vor zwei Jahren errichtet haben, wurden regelrecht herausgerissen. Ich erinnere mich nicht daran, schon einmal so große Schäden gehabt zu haben." Die Materialseilbahn zum beliebten Stahlhaus wurde aus der Spur gerissen, die Bergstation zerstört.

Wintergarten wurde eingedrückt

Auch im Skigebiet Gaißau-Hintersee hat sich der Winter noch nicht endgültig verabschiedet. Die beliebte Latschenalm hat in diesem Jahr erst am 1. Juni, und damit zwei Wochen später als sonst, aufgesperrt. Stellenweise lagen in der Vorwoche noch 40 cm Schnee auf den Wegen. Der Winter ist auch an der Latschenalm nicht spurlos vorübergegangen. "Unser Wintergarten wurde eingedrückt, das Dach hat den Schneedruck aber Gott sei Dank ausgehalten", sagt Hüttenwirtin Angela Viehauser, die auch von einigen Hütten auf der Spielbergalm gehört hat, die weniger Glück hatten: "Dort wurde das Dach eingedrückt."

Ehrenamtliche Helfer sind am Ende der Belastbarkeit

Alpenverein-Landesvorsitzende Brigitte Slupetzky forderte in einem ORF-Interview vergangene Woche eine gesicherte Bundesförderung für die Erhaltung von Hütten und Wegen. Bereits Mitte April ließ der Alpenverein verlauten, dass man für heuer mit doppelt so hohen Kosten für die Wegesanierung rechne.

Die ehrenamtlichen Mitglieder des Alpenvereins, die den Großteil der Wege erhalten, sehen sich am Ende ihrer Belastbarkeit und hoffen auf weitere Helfer. "Es herrscht leider oft die Einstellung vor, der Alpenverein macht das eh", sagt Wolfgang Guttmann. "Dass wir vor allem in einem Jahr wie heuer von der Arbeit fast erdrückt werden, ist vielen nicht bewusst."

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