Chronik

Vom Computer für tot erklärt : System stoppt Pensionen

6560 Pensionisten im Ausland warten auf ihre österreichische Pension. Bei der Pensionsversicherungsanstalt wurden die Lebensbestätigungen vom Computer nicht erfasst. Die Ansprüche sind damit automatisch erloschen.

Vom Computer für tot erklärt : System stoppt Pensionen SN/Ratzer
Quicklebendig: Sibylle Weiß aus Freilassing.


Ein Mal im Jahr muss Sibylle Weiß auf das Gemeindeamt, um zu zeigen, dass sie noch lebt. So könnte man den Vorgang beschreiben, wenn sie ihre Lebensbestätigung abholt.

Zumindest die Pensionsversicherungsanstalt in Wien will diesen Nachweis schriftlich haben, um die Pensionsansprüche der 63-Jährigen zu überprüfen. Dieser Gang auf das Gemeindeamt erfolgt jährlich im Jänner, wenn die Lebensbestätigungen fällig werden. Sibylle Weiß hat dieses Dokument per Einschreiben von Freilassing nach Wien gesandt.

Mitte Juni kam dann das böse Erwachen. Die Pensionsversicherungsanstalt teilte Frau Weiß schriftlich mit, dass es ab Juli keine Überweisung geben werde. Der Grund: Die Lebensbestätigung sei nie angekommen. Für den Computer in Wien ist Weiß daher nicht mehr am Leben - überspitzt formuliert.

Hunderte Freilassinger stürmten daraufhin das Gemeindeamt - ebenso verärgert wie Sibylle Weiß: "Ich finde es unverschämt. Nicht nur, dass der Fehler der PVA unterlaufen ist und die ganzen Rentner jetzt herhalten müssen. Darüber hinaus müssen sie das auch eher kommunizieren. Das hätte man schon eher merken müssen."

Beatrix Böhm, Sprecherin der Pensionsversicherungsanstalt, bestätigt den Fehler. "Ja, wir hatten diesmal einen Verarbeitungsfehler. Obwohl die Lebensbestätigungen alle da waren, wurden sie nicht weiterverarbeitet."

Eine Fremdfirma würde die zugesandten Dokumente im Auftrag der PVA einscannen. Das sei auch geschehen. Aber das Computersystem habe die Dateien nicht weiterverarbeitet. Betroffen sind vier Prozent - 6560 Pensionisten in Dutzenden Ländern auf der Welt.

Von Personen aus Deutschland würden ohnehin keine Lebensbestätigungen angefordert, sagt Beatrix Böhm. "Dort machen wir die Zahlungen über die Deutsche Post und den deutschen Versicherungsträger." Im Fall von Sibylle Weiß müsse ein solches Dokument vorliegen, weil sie ein österreichisches Konto habe. Und im Raum Freilassing ist sie da kein Einzelfall.

164.000 Lebensbestätigungen werden jährlich im Jänner von der PVA angefordert. Rund 7000 bis 8000 Pensionisten reagierten darauf nicht, weil sie entweder verstorben seien oder es schlichtweg vergessen hätten, sagt Böhm.

Die Sprecherin von der PVA verspricht aber, dass das Geld noch in dieser Woche überwiesen werde. "Wir haben die Anweisung schon durchgeführt."

Aufgerufen am 23.04.2018 um 03:31 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/vom-computer-fuer-tot-erklaert-system-stoppt-pensionen-5965324

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