Chronik

Von Brettern, die im Coronasommer die Welt bedeuten

Stand-up Paddles (SUP) wurden im Sommer 2020 zum Massenphänomen in den heimischen Gewässern. Ein Trend, der so nicht absehbar war - weshalb die beliebten Boards im Sportartikelhandel auch schon seit Wochen ausverkauft sind. Selbst Lebensmitteldiskonter hatten die aufblasbaren Bretter heuer im Angebot. An den Seen sind die SUPs nicht zu übersehen - und auch nicht zu überhören.

Stand-up-Paddeln hat sich im Coronasommer 2020 zum Massenphänomen entwickelt. SN/stefanie schenker
Stand-up-Paddeln hat sich im Coronasommer 2020 zum Massenphänomen entwickelt.

"Pffffffffffffffffffffffffffffff", macht es ein paar Meter entfernt in einer Lautstärke, die einen kurz aus dem Mittagsschlaf reißt. Natürlich, hier wird gerade lautstark die Luft aus einem Stand-Up Paddle ausgelassen. Ein Geräusch, das im Coronasommer 2020 wohl nicht selten zu hören war in den Strandbädern vom Bodensee bis zum Neusiedler See.

Der Stehpaddler mutierte in diesem Jahr zum Trendsportler des Jahres. Ausgestattet mit seinem aufblasbaren Board, mit Paddel und im besten Fall mit einem Drybag, also einem wasserfesten Rucksack, um mit trockenen Klamotten und ebensolchem Bargeld am anderen Uferende auf ein kühlendes Getränk einkehren zu können, hat er die heimischen Seen erobert.

"Sie wurden uns aus den Händen gerissen"

"Die Stand-Up Paddles wurden uns heuer quasi aus den Händen gerissen, das kann man so sagen", meint auch Walter Wiedner von Intersport Tscherne in Bergheim. Im Sportartikelhandel zu kaufen gebe es die aufblasbaren Boards eigentlich bereits seit zehn Jahren. "Das Ausmaß des Interesses in diesem Jahr hat uns aber zunächst überrascht", sagt Wiedner. Die Branche habe aber schnell reagiert. "Man denke nur an die vielen Werbekampagnen im Frühsommer, auf denen Stand-Up-Paddler zu sehen waren."

Auch Sebastian Donis vom Boardshop Seidl in der Stadt Salzburg spricht von einem "Wahnsinnsboom". "Die Leute wollten nach dem Corona-Lockdown den See für sich entdecken, sie wollten Spaß haben, den Alltagsstress vergessen und sich dabei auch sportlich betätigen."

Der Boom wird nicht so schnell enden

Verkauft habe sich das SUP überall gut, in Salzburg sei es am besten gelaufen, heißt es bei Intersport Tscherne in Bergheim. Warum? "Das erklärt sich, wenn man einen Zirkel nimmt und nachrechnet, wie viele Seen in 50-Kilometer-Umkreis der Stadt Salzburg zu finden sind", sagt Wiedner.

Viele Familien hätten sich eines der breiteren SUPs zugelegt, um gemeinsam mit den Kindern auf dem SUP sitzend hinauszufahren. "Die gab es bei uns ab 400 Euro." Das teurere Preissegment richte sich an die sportlicheren Stehpaddler. Meist würden SUPs spontan gekauft, ohne das lang zu planen. "Bei Schönwetter und zum Wochenende hin sind die SUP-Absätze immer nach oben gegangen."

Dass der Boom im nächsten Sommer ende, glaubt Wiedner nicht. "Es geht vielleicht noch weiter mit noch breiteren Boards, auf denen man auch Yoga machen kann."

Auch Mietkabinen waren keine Ladenhüter

Bis das SUP fertig aufgepumpt ist, dauert es im Schnitt zwölf bis 15 Minuten, schätzt Sebastian Donis vom Boardshop Seidl. "Sportliche schaffen es auch in fünf Minuten", sagt er. Wem das zu nervig ist oder wer schlicht kein eigenes SUP mehr ergattern konnte, kann die Sportgeräte längst auch in den Strandbädern landauf, landab mieten. "Das boomt richtig", heißt es beim Strandbad in Henndorf, wo die halbe Stunde fünf Euro kostet, der ganze Tag 35 Euro. Auch SUP-Grundkurse wurden heuer vielerorts angeboten.

Der Wunsch nach einer eigenen Mietkabine im Strandbad ist durch den SUP-Trend ebenfalls größer geworden. "Wir haben eine extrem hohe Nachfrage, in fast allen Kabinen lehnen SUP-Boards, die hier den ganzen Sommer über bleiben können und nicht jeden Tag ausgelassen werden müssen", erzählt Magdalena Priewasser vom Strandbad in Seekirchen. "Einer hat sogar ganze sechs Stück in seiner Kabine untergebracht."

Von Konflikten zwischen Badegästen, weil es zu Kollisionen kommt auf dem Weg ins Wasser, weil der Platz auf der Liegewiese zu eng oder es beim Luftauslassen zu laut wird, weiß indessen im Salzburger Seenland zwischen Obertrum und Fuschlsee niemand zu berichten.

"Noch ist nichts passiert"

Damit es auch gar nie dazu kommt, denkt man in Seeham schon weiter. Renate Schaffenberger vom örtlichen Tourismusverband: "Wir überlegen, wie wir diesen Trendsport besser kanalisieren können. Es soll im nächsten Jahr eine oder zwei Stellen am Seeufer geben, wo die SUPs versperrt gelagert werden können und dann auch immer an der gleichen Stelle ins Wasser gelassen werden." Mit dem Sportgerät, das rund drei Meter lang sei, könne man schnell den Überblick verlieren und andere behindern. "Aber noch ist nichts passiert", sagt Schaffenberger.

Quelle: SN

Aufgerufen am 28.10.2020 um 04:50 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/von-brettern-die-im-coronasommer-die-welt-bedeuten-92086348

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