Chronik

Wärmestube will "Filiale" eröffnen

Mit 200 Mittagessen stößt man an Kapazitätsgrenzen - Verein sucht Räume für zweiten Standort.

Ab und zu kocht Edi Pichlmaier sogar Ente – ein nicht alltägliches Schmankerl für seine Gäste. SN/sw/vips
Ab und zu kocht Edi Pichlmaier sogar Ente – ein nicht alltägliches Schmankerl für seine Gäste.

Bis zu 200 Mittagessen und halb so viele Portionen Frühstück gibt die Wärmestube an einem Tag an Bedürftige aus. Die Gäste werden mehr. "Die Armut nimmt zu", sagt Edi Pichlmaier. Der Steirer betreibt auf selbstständiger Basis ein Catering-Unternehmen. Außerdem kocht er seit sechs Jahren in der Wärmestube, koordiniert dort die 18 freiwilligen Helfer (15 Frauen!) und stellt damit so etwas wie die Konstante der Einrichtung dar.

Aktuell bietet die Wärmestube, rechter Hand des Eingangs zur Christian-Doppler-Klinik gelegen, rund 75 Plätze. "Zu wenig", sagt Pichlmaier: "Seit zwei Jahren wird es einfach so was von eng ..." Er wünscht sich daher irgendwo einen größeren Raum oder zusätzliche Flächen, um einen zweiten Standort zu eröffnen. Der Bedarf sei da. Zurzeit stellt das Spital das Haus zur Verfügung und der rein auf Spenden basierende Verein Wärmestube zahlt nur die Betriebskosten. Das Essen kommt von Supermärkten, Metzgereien, Bäckereien, über die Tafel und den Verein "View" (siehe Porträt rechts). "Qualitativ passt das Angebot fast immer. Wir werfen selten etwas weg", erklärt Pichlmaier. Beim Kochen gibt er sich einfallsreich: "Wenn ich gerade kein Öl im Haus habe, frittiere ich eben keine Schnitzel." Was in der Hektik des Alltags oft zu kurz kommt, ist das Reden. "Wir decken die Grundbedürfnisse ab, aber die psychologische Begleitung für unsere Klientel fehlt noch." Je weiter der Monat fortschreitet, desto größer die Gästeschar. Es kommen Pensionisten, bei denen das Geld nicht zum Leben reicht, oder junge Leute mit einem leichten Handicap, die an den hohen Anforderungen der modernen Arbeitswelt scheitern. "Das meine ich mit neuer Armut", sagt Pichlmaier. Fragt man ihn nach seiner Motivation, muss der Koch lachen. "Was bringt mir das?", habe er sich anfangs auch gedacht. Nur: Mit der Zeit bemerkte er, wie gut es ihm in der Wärmestube geht mit dem Feedback und der Wertschätzung, die er von seinen Gästen, aber auch von Berufskollegen erfährt. Und auch das Team sei derart motiviert, dass "ich gar nicht in die Verlegenheit komme, ans Aufhören zu denken."

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