Chronik

Waffenhandel: Hunderte Waffen illegal verkauft

Die Salzburger Polizei ist einem 31-jährigen Waffenhändler auf die Spur gekommen, der offenbar in großem Stil als unbrauchbar gemacht gemeldete Waffen verkauft hat, obwohl diese "scharf", also voll funktionstüchtig waren.

Eine Rolle bei den dubiosen Geschäften könnte auch ein Waffenhändler in der Stadt Salzburg spielen. Und die Polizei hat Anzeige wegen Amtsmissbrauch erstattet: Denn unklar ist, ob nicht auch Mitarbeiter im Waffenamt der zuständigen Bezirkshauptmannschaft in den Fall involviert sind.

Wie Hermann Rechberger, Leiter des Landesamts für Verfassungsschutz, am Freitag bei einer Pressekonferenz in Salzburg mitteilte, begannen die Ermittlungen in dem Fall zunächst unspektakulär: Bei einer Hausdurchsuchung im Suchtgiftmilieu stellte die Polizei im August 2012 in Salzburg zwei "scharfe" Glock-Pistolen sicher. Bei den Waffen war die Nummer weggeschliffen worden, der Besitzer gab an, sie auf einem Flohmarkt gekauft zu haben. Experten gelang es trotzdem, die Registrier-Nummer wieder sichtbar zu machen - und damit den Verkaufsweg der Waffen zurückzuverfolgen.Waffen gekauft und deaktiviert"Die Erhebungen führten zu dem 31-jährigen Beschuldigten aus dem Grenzgebiet von Salzburg und Oberösterreich, der ein geschickt aufgebautes System betrieben hat", so Rechberger. Der Mann erwarb Waffen zunächst ganz legal mit seiner Waffenbesitzkarte und gab der Behörde gegenüber an, die Revolver, Pistolen und Gewehre danach "deaktiviert" zu haben, sie also etwa durch Verschweißen des Laufes oder das Abfeilen des Schlagbolzens untauglich gemacht zu haben.

Das passiert etwa bei Schaustücken für Liebhaber oder Sammler. Denn gilt eine Waffe als "deaktiviert", unterliegt sie nicht mehr den strengen Bestimmungen des Waffengesetzes. Jeder kann sie ohne Einschränkung erwerben - auch Aufzeichnungen über den Verkaufsweg sind dann nicht mehr notwendig. "Tatsächlich dürften die meisten dieser Waffen aber immer funktioniert haben", so Rechberger. Zugleich könnte der Mann - ein gelernter Schlosser - auch versucht haben, unbrauchbar gemachte Waffen wieder instand zu setzen. Ein mögliches Motiv: "Am Schwarzmarkt dürften nicht registrierte Waffen durchaus einiges wert sein."Beschuldigter erwarb 321 FaustfeuerwaffenDie "Deaktivierung" belegte der Verdächtige zum einen mit Gutachten eines Salzburger Waffenhändlers, bei dem er viele Waffen kaufte, er könnte sie allerdings auch selbst gefälscht haben. Zum anderen legt er dem Waffenamt der zuständigen Bezirkshauptmannschaft oft auch nur Fotos der vermeintlich unbrauchbar gemachten Waffen vor. Damit entfielen die Eintragungen in seine Waffenbesitzkarte, der Mann konnte darum immer wieder neue Waffen kaufen.

Laut Rechberger soll der 31-Jährige auf diesem Wege seit 2006 insgesamt 321 Faustfeuerwaffen erworben haben. "Bei einer Hausdurchsuchung im November 2012 konnte bei ihm aber keine dieser Waffen gefunden werden." Der Verdächtige verweigert grundsätzlich seine Aussage, er gab aber an, die Waffen meist über die Internet-Waffenbörse "eGun" - eine Art eBay für Schusswaffen - verkauft zu haben. Und dort dürfte er in den letzten Jahren fast an die tausend Transaktionen getätigt haben.Weitere ErmittlungenDie Ermittlungen gestalten sich schwierig, nach Hausdurchsuchungen am vergangenen Mittwoch in sechs Bundesländern konnten aber eine weitere, nicht deaktivierte Waffe sichergestellt werden. "Wir gehen davon aus, dass die Waffe schon 'scharf' verkauft worden ist", so Rechberger. Diesbezüglich würden aber noch kriminaltechnische Untersuchungen laufen.

Der Verdächtige befindet sich auf freiem Fuß, über ihn wurde ein Waffenverbot ausgesprochen. Zudem ermittelt die Polizei nicht nur gegen ihn, sondern auch im Umfeld des Salzburger Waffenhändlers und beim zuständigen Waffenamt. "Laut Ermittlungsstand ist nicht klar, wie der Beschuldigte in den Besitz von Deaktivierungsbestätigungen gelangt ist und ob diese Deaktivierungen von der zuständigen Behörde ausreichend geprüft worden sind. Für die Beteiligten gilt aber die Unschuldsvermutung."

Allerdings stellt sich die Frage, ob die Behörde nicht hatte genauer hinschauen müssen. Laut Rechberger sei ein Hinweis eines Mitarbeiters im Waffenamt, ob die große Menge der vom Verdächtigen gekauften Waffen nicht auffallend ist, vom damaligen Leiter der Behörde nicht weiterverfolgt worden.

(SN, Apa)

Aufgerufen am 19.06.2018 um 06:13 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/waffenhandel-hunderte-waffen-illegal-verkauft-4803082

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