Chronik

Warnsdorferhütte: Ein "Pfiat enk" nach 27 Sommern

Auf der Warnsdorferhütte im Krimmler Achental ging für den Maria Almer Ernst Meschik eine eindrucksvolle Zeit als Wirt zu Ende.

Quasi im letzten Winkel von Salzburg liegt ein besonderes Platzerl des Pinzgaus. Auf der Warnsdorferhütte in 2336 Meter Höhe, in der Nationalpark-Kernzone des Krimmler Achentals, gehörte Ernst Meschik in den vergangenen 27 Sommern zum Inventar wie das Eis zum Krimmler Kees.

Doch während der Gletscher kontinuierlich schmolz, ging es mit der Hütte immer aufwärts. "Es war wieder ein sehr guter Sommer. Wir hatten mit ca. 3100 sogar einen Nächtigungsrekord", sagt der 59-Jährige. Durch viele Kurse und auch durch den E-Bike-Boom sei es wirtschaftlich besser geworden. Ein überwiegender Teil der Tagesgäste fahre mit dem E-Bike zur Talstation der Materialseilbahn und nehme dann den ein- bis eineinhalbstündigen Fußmarsch bis zur Hütte in Angriff.

Dennoch: Die Zeit sei nun reif gewesen, um das wunderbare Kapitel abzuschließen. Speziell, um selbst wieder mehr Zeit für Bergtouren aller Art zu haben. Vorige Woche wurde auf der Facebook-Seite der Hütte verkündet: "Gerade deshalb, weil in den vergangenen Jahren aus Bekanntschaften richtige Freundschaften entstanden sind und wir mit Leidenschaft tagtäglich für das Wohl der Gäste da waren, fällt es uns sehr schwer bekannt zu geben, dass dies unser letzter Sommer als Pächter der Warnsdorferhütte war." Kürzlich gab es mit Kollegen der Bergrettung, treuen Gästen und Freunden das "Ogroana", am Sonntag, 29. September, war der letzte Betriebstag.

Ein begeisterter Alpinist ist der Tischlermeister seit Mitte der 70er-Jahre. Es zog ihn immer in die Berge und der Traum, einmal eine Hütte zu führen, reifte. Ernst wurde es Anfang der 90er. Ein Tischlerkollege, der die Warnsdorferhütte sanierte, wies Meschik auf die zur Pacht ausgeschriebene Alpenvereinshütte hin. "Am Anfang wusste ich nicht einmal, wo sie liegt. Der Platz hat mich aber schnell begeistert." 1993 machte er sich als Tischler selbstständig und der damalige Sommer wurde zum ersten auf der Warnsdorferhütte. Vier Monate von Anfang Juni bis Ende September, die ihn fortan jährlich auf Trab hielten - auf einer Schutzhütte gibt es keinen Ruhetag. Heuer waren es ausnahmsweise dreieinhalb Monate. Durch den vielen Schnee konnte erst Mitte Juni aufgesperrt werden.

"Wir sind mit der Warnsdorferhütte groß geworden, haben dort viel für das Leben gelernt. Diese Zeit ist ein wertvolles Geschenk", sagt Christine Meschik, neben Michaela und Stefanie eine der drei Töchter. "Meine Dirndln haben immer wieder mitgeholfen, auch als sie schon berufstätig waren. Ihnen gebührt ein besonderer Dank", sagt der Vater, der auch auf Unterstützung seiner Ex-Frau, der jetzigen Lebensgefährtin und seiner Mitarbeiter (zuletzt waren es fünf fixe Kräfte) immer bauen konnte. "60, 70 verschiedene werden es in den 27 Jahren schon gewesen sein. All die Jahre habe ich eine perfekte Köchin gehabt, die regionale Schmankerl gekonnt zubereitete", sagt Meschik, der auch der AV-Sektion Warnsdorf/ Krimml, der örtlichen Bergrettung sowie allen Gästen und Besuchern danken möchte. "Besonders zu nennen sind die Bergrettung Land Salzburg, alle alpinen Vereine, der AV Innsbruck, die Naturfreunde, FreiluftLeben, viele Bergsportschulen und die Alpinpolizei mit ihren jahrelangen Kursen sowie die zahlreichen Bergführer mit ihren Gästen."

Meschik will nun seine Tischlerei in kleinem Rahmen weiterführen. Und er betont mit einem Lächeln: "Mich findet man in den Bergen der Region." Aber es geht auch weiter weg: Ende Oktober hebt er zu einer dreiwöchigen Trekkingtour nach Nepal ab.

Die Warnsdorferhütte wird vom Alpenverein zur Neuverpachtung ausgeschrieben.

Daten und Fakten: Warnsdorferhütte

Im Jahr 1991 wurde die Hütte renoviert und ausgebaut.

Als erste Hütte des Landes Salzburg erhielt sie 1997 das Umweltgütesiegel.

Ein eigenes Wasserkraftwerk versorgt die Hütte mit Strom. Außerdem gibt es eine vollbiologische Kläranlage.

2013 wurde die Seilbahn komplett erneuert. Darüber hinaus wurde ein Seminarraum mit Kletterwand errichtet. Viele alpine Kurse finden dort statt.

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