Chronik

Was Eltern und Kinder derzeit besonders belastet

Egal ob online oder telefonisch, Unterstützung durch die Elternberatung und die Kinder- und Jugendanwaltschaft ist in der aktuellen Ausnahmesituation besonders gefragt. Zwei Experten berichten.

Einsamkeit, Überlastung, Stress. Eltern wie Heranwachsende sind während der Coronakrise unterschiedlichsten Belastungen ausgesetzt. Kostenlose Beratungen und Betreuung bieten dabei die Kinder- und Jugendanwaltschaft sowie die Elternberatung des Landes Salzurg. "In dieser Krisensituation sind Beratungsstellen und Expertinnen und Experten, die mit ihrer Lösungs- und Informationskompetenz zur Seite stehen, besonders wichtig", betont Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn und appelliert an alle Betroffenen: "Bitte greifen Sie zum Telefon und wenden Sie sich mit Ihren Fragen und Problemen an sie, lassen Sie sich unkompliziert und kostenlos helfen. Wir lassen niemanden allein."

Welche Themen in der aktuellen Situation die brennendsten sind, darüber berichten Andrea Holz-Dahrenstaedt von der Kinder- und Jugendanwaltschaft (kija) und Herbert Huka-Siller von der Elternberatung.

Frau Holz-Dahrenstaedt, was sind die Hauptanliegen in diesen von Corona geprägten Zeiten?

Andrea Holz-Dahrenstaedt: Gerade am Beginn herrschte viel Unsicherheit darüber, wie viel Nähe innerhalb der Familie erlaubt ist. In einer sehr schwierigen Lage befanden sich auch etliche Jugendliche mit psychischen Belastungen, die aufgrund der Kontakteinschränkungen bei keinem Therapeuten andocken konnten. Geflüchtete Jugendliche hingegen reagierten vielfach mit extremer Beunruhigung auf die Ausgangsbeschränkungen oder sogar einer Retraumatisierung. Familien mit eingeschränkten Wohnraum wurden besonders hart von den Ausgangsbeschränkungen getroffen.

Was belastet am meisten?

Andrea Holz-Dahrenstaedt: Der Verlust von wichtigen und schützenden Bezugspersonen im Alltag wie den Großeltern, der Wegfall der Tagesstruktur sowie die gestrichenen Kontakte zu der so wichtigen Peergroup, der eingeschränkte Bewegungsradius sowie Überforderung durch E-Learning und dauergestresste Eltern. In großer Sorge sind wir um die Kinder und Jugendlichen, die in einem hochstrittigen oder gewaltbelasteten Familienklima aufwachsen. Sie sind dieser Belastung nun verstärkt und ohne Unterbrechung ausgesetzt.

Wie konnte und kann geholfen sowie unterstützt werden?

Andrea Holz-Dahrenstaedt: Manchmal ging es einfach darum, zuzuhören und die Kinder allein durch das Ernstnehmen ihrer Situation zu beruhigen und aufzubauen. Oft waren wir aber auch ganz konkret gefordert, zum Beispiel, wenn es darum ging, einen Laptop zu organisieren, einen ausständigen Krankenversicherungsbeitrag einzuzahlen, oder eine Therapeutin zu finden, die schon Online-Therapie durchführte.

Herr Huka-Siller, was belastet Eltern in der Corona-Krise besonders?

Herbert Huka-Siller: Die Anliegen reichen von sozialrechtlichen Fragen wie dem Kinderbetreuungsgeld über die Geburt eines Kindes sowie Still- Pflege- und Ernährungsfragen bei den Kleinen über Erziehungsprobleme bei Kindern, Beziehungsprobleme in der Partnerschaft bis hin zu psychischen Krisen. Dazu kommen rechtliche Fragen zu Trennung, Besuchsrecht und Unterhalt.

Wie viele Anfragen erhalten Sie aktuell?

Herbert Huka-Siller: Anfragen per Mail sind bei uns relativ selten, Anfragen am Telefon haben wir rund zehn bis 15 pro Tag. Für die Beratungen stehen alle Berufsgruppen wie Ärzte, Hebammen und Krankenschwestern, Psychologen und Sozialarbeiter zur Verfügung. Die Anliegen werden zentral aufgenommen und je nach Fragestellung an die Fachleute weitervermittelt.

Wie vielen Familien können Sie helfen?

Herbert Huka-Siller: Wir halten zudem intensiv telefonischen Kontakt zu den Familien die auch schon vor der Krise laufend mit uns in Kontakt waren und vereinbaren Termine für ausführliche Telefonberatungen. Pro Woche werden auf diese Weise rund 250 Familien begleitet.

So nehmen Sie Kontakt auf

Kija-Beratungstelefon: Die Kinder- und Jugendberatung ist unter 0662-430550, Montag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr und am Freitag von 10 bis 15 Uhr erreichbar. Für jene, die lieber chatten, als zu telefonieren, gibt es per Discord-Chat die Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen.

Elternberatung des Landes: Die Elternberatung ist Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr und am Freitag von 8 bis 12 Uhr telefonisch unter 0662-8042-2888 erreichbar, am Mittwochabend von 19 bis 22 Uhr unter 0662-8042-2895. Sowie per E-Mail unter elternberatung@salzburg.gv.at.

Quelle: SN

Aufgerufen am 01.10.2020 um 12:03 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/was-eltern-und-kinder-derzeit-besonders-belastet-86360272

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