Chronik

Was ist Futterfläche und was nicht?

Almweideflächen werden finanziell gefördert, deren Erfassung ist umstritten. Pinzgauer Almbauern drohen hohe Rückzahlungen.

BBK Pinzgau

Krisensitzung in der Bezirksbauernkammer. Der Obmann der Agrargemeinschaft Jetzbachalm (Maria Alm), Christian Schnaitl, und sein Cousin Hermann Schnaitl suchten Rat und Hilfe, denn die Gemeinschaft ist mit Rückforderungen konfrontiert. Grund bzw. Vorwurf: Die Almfläche sei geringer als angegeben, deshalb sei zu viel an Fördergeldern ausbezahlt worden. Christian Schnaitl dazu: "Wir hatten seit Ende 2013 vier Vor-Ort-Kontrollen, zuerst waren es 81 Hektar, jetzt sind es 63 Hektar. Mir ist klar, dass es immer kleine Veränderungen gibt, etwa durch natürlichen Bewuchs, aber es kann nicht sein, dass innerhalb von zwei Jahren die Alm um ein Viertel zuwächst. Wir sind ja nicht im Dschungel."

Die Agrargemeinschaft habe selbst Fotos gemacht - auch über teuren Drohneneinsatz -, diese vorgelegt und interveniert, erfolglos. "Die Antwort war ein Stehsatz aus einem Serienbrief, es hieß, es sei nicht nachvollziehbar. Ganz ohne Begründung. Da stehst du da. Es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen."

Die Flächenkontrolle erfolgt durch die Agrarmarkt Austria (AMA) mittels Vor-Ort-Überprüfungen durch Kontrollore und anhand von Luftbildern. Überprüft wird, ob sich die förderbare Futterfläche tatsächlich auf der Alm befindet. Schnaitl: "Seit 2001 hatten wir fünf Kontrollen und zehn Digitalisierungen. Mir wurde erzählt, dass bei der Kontrolle etwas schiefgelaufen ist. Obwohl das Ganze dreifach abgesichert wird: durch den Kontrollor und die zuständigen Stellen in Salzburg und Wien. Dennoch heißt es zwei Jahre später einfach, das gilt nicht mehr."

Die Agrargemeinschaft hat die Bezirksbauernkammer gebeten, vor Ort zu kontrollieren. "Sie ist zu einem anderen Ergebnis gekommen, zehn Hektar mehr als die Kontrollore. Aber das wird leider nicht anerkannt", sagt Schnaitl. Er überlegt nun, von einem gerichtlich beeideten Sachverständigen ein Gutachten erstellen zu lassen. "Das kostet uns 3200 Euro, das ist viel Geld und der Ausgang ist ungewiss. Aber vielleicht unterstützt uns die Landwirtschaftskammer. Das wurde in Kärnten bereits gemacht, ging teilweise bis vors Verwaltungsgericht oder es gab neue Vor-Ort-Kontrollen - und es gab Erfolge."

Kontrollen seien wichtig, aber er habe den Eindruck, dass das System dahinter falsch sei und die Missstände erst auslöse. "Es ist ein Schätzspiel. Zehn Kontrollore kommen auf zehn verschiedene Ergebnisse. Einer, der die Alm ein Mal im Leben sieht, sieht diese mit anderen Augen als jemand, der ständig oben ist. Ich denke schon, dass der Bauer, der seit Jahrzehnten oben ist, seine Flächen am besten kennt."

Ein betroffener Almbauer sei der Angelegenheit derzeit nahezu hilflos ausgeliefert. Christian Schnaitl: "Du wirst demotiviert, weil du nie weißt, wo du dich bewegst. Ist es richtig oder nicht. Du fühlst dich der Willkür des Prüfers ausgesetzt. Obwohl, es gibt schon auch Prüfer, die Haus- und Sachverstand anwenden, mit ihnen gibt es kaum Probleme."

Die Schnaitls hoffen auf ein gutes Ende, spüren aber eine mögliche Rückforderung wie ein Damoklesschwert über sich. "Eine Summe steht noch nicht fest, sie ist aber mit Sicherheit bedrohlich", sagt der Obmann der Almgemeinschaft Jetzbach.


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