Chronik

Was sagt Salzburg? Debatte um Handyverbot an Schulen

Immer mehr Schulen verbannen Handys aus dem Unterricht. In der HTL Hallein müssen Smartphones jetzt ins Regal. Sinnvoll oder Bevormundung? Die Meinungen gehen weit auseinander.

In diesen Fächern in der HTL in Hallein müssen die Handys seit Montag deponiert werden. SN/sn
In diesen Fächern in der HTL in Hallein müssen die Handys seit Montag deponiert werden.

Schüler, die minütlich einen Blick auf ihr Smartphone werfen oder es als Unterstützung bei Prüfungen und Schularbeiten verwenden. Dieses Verhalten wollte Roland Hermanseder, Direktor der HTL in Hallein, nicht länger dulden und traf daher eine drastische Entscheidung. Seit Montag ist es den 1030 Schülern der HTL nicht mehr gestattet, ihr Handy während der Unterrichtsstunde bei sich zu tragen. Sie müssen es in speziellen dafür vorgesehenen Regalen in den Klassenräumen ablegen. Nur in den großen Pausen und der Mittagspause dürfen sich die Schüler ihr Handy wieder holen.

Hermanseder: "Wir mussten handeln, da die Aufmerksamkeit der Schüler im Unterricht immer weniger gegeben war." Die Schüler seien ständig bei ihrem Handy gewesen, anstatt dem Unterricht zu folgen. Der Unmut der Schüler ließ nicht lang auf sich warten.

FMK: "Richtigen Umgang lehren statt verbieten"

Am Mittwoch mischte sich auch das Forum Mobilkommunikation (FMK) in die Debatte ein. "Die mit der Nutzung von Smartphones verbundene Verantwortung stellt Kinder und Jugendliche, aber auch Lehrer und Eltern vor große Herausforderungen. Der richtige Umgang mit den neuen Medien muss deshalb in der Schule diskutiert und gelehrt, statt verboten werden", heißt es in einer Aussendung. Der sichere Umgang mit neuen Kommunikationsmedien sei Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Berufseinstieg. Das FMK fordert daher, dass Smartphones stärker im Unterricht miteinbezogen, statt weggesperrt werden. Der Verein verweist auch auf eigene Lehrmodule zum Thema, die Lehrern kostenlos online zur Verfügung gestellt werden. "Dies ist insbesondere in Zeiten von Fake-News zur Beurteilung von Informationsquellen von höchster Bedeutung."

Handyverbote auch in Firmen

Der SN-Artikel wurde in den vergangenen Stunden heftig debattiert. Die Meinungen der SN-Leser sind durchaus unterschiedlich. Markus Brugger erklärte etwa auf Facebook: "Tolle Entscheidung des Direktors. Im Übrigen ziehen das Handyverbot auch immer mehr Firmen durch." Corinna Bina stimmt ihm zu. Ihr Arbeitgeber - sie ist in einem Kindergarten tätig - hat bereits ein Handyverbot eingeführt. "Ich halte es für vollkommen angebracht."

Ganz anders sieht es Maximilian Wagner: "Erwachsenes Verhalten im Umgang mit Social Media, Handy & Internet wird mit Verboten sicher nicht vermittelt", ist er überzeugt. Seiner Ansicht nach sollen Handyverbote temporäre Maßnahmen gegen einzelne Schüler sein - und nicht kollektiv verhängt werden.

Snežana Kovacevic hat zwar Verständnis für ein Verbot in der Unterstufe - nicht aber in der Oberstufe. "Irgendwann ist man wohl alt genug, diese Entscheidung selbst zu treffen. Das ist eine Oberstufe, diese Schüler sitzen freiwillig drin, also müssen sie meiner Meinung nach auch selbst entscheiden, was sie mit dem Handy in der wertvollen Zeit in der Schule machen."

Lob und Tadel für Direktor

Sandra Gronald hat indes Verständnis für das Verbot. "Vollkommen richtige Entscheidung! Man kann sich in den Pausen sich mit dem Handy beschäftigen. Was machen solche Leute, wenn sie mal im Berufsleben stehen? Da kann man auch nicht den ganzen Tag mit dem Handy spielen." Ebenso Georg Kral, der den "mutigen Direktor" der HTL lobt: "Wer im öffentlichen Leben junge Menschen beobachtet, erkennt, dass diese mittlerweile derart abhängig von ihrem Smartphone sind, dass sie es kaum aus der Hand legen."

Thomas Dertnig sieht das wiederum anders. "Im heutigen Leben ist digitale Kompetenz essenziell", gibt er zu Bedenken. Von einer berufsbildenden höheren Schule dürfe man erwarten, "dass diese sich den Bedürfnissen und Wünschen ihrer Schüler und des Arbeitsmarktes anpasst und ein entsprechendes Bildungsangebot schafft." Besser wäre es, die moderne Technik in einer HTL in gesundem Maße in den Unterricht einzubauen.

Und Schüler Florian Rohrmoser fragt - und zwar die Erwachsenen, die tagsüber "ihre negativen Meinungen zu dem Thema abgegeben haben": "Ist es nicht schlimmer, wenn man während der Arbeitszeit auf Facebook zu solch einem Thema seinen Senf dazu gibt, obwohl man eigentlich fürs Arbeiten bezahlt wird?"

Was denken Sie?

(SN)

Aufgerufen am 23.11.2017 um 03:14 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/was-sagt-salzburg-debatte-um-handyverbot-an-schulen-70453

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