Chronik

Weißes Reh in Ebenau gesichtet: Scheues Tier ohne Tarnkleid

Sie sind eine Laune der Natur. Kaum jemand bekommt sie je zu Gesicht. Nicht so in Ebenau: Dort kamen vier weiße Rehe zur Welt.

Franz Grill, passionierter Jäger und bis zu seiner Pensionierung Forstdirektor bei der Salzburger Landwirtschaftskammer, ist einer der wenigen, die das weiße Reh immer wieder einmal zu Gesicht bekommen. "Ich bin in dem Waldstück am Strumberg, dem Heimatberg der Rehgeiß, viel unterwegs und sehe es daher alle paar Wochen." Aufgrund der auffallenden Fellfarbe sei das Tier leicht zu erkennen. Über die Familie des weißen Rehs weiß Grill eine ganze Menge zu berichten. "Das weiße Reh von Ebenau wird im Mai fünf Jahre alt. Es hat bereits mehrmals Kitze zur Welt gebracht, allesamt braun, da es für weiße Kitze einen Bock als Vater braucht, der ebenfalls in seinen Genen eine verminderte Melaninausschüttung gespeichert hat."

Weiße Rehe stehen unter Schutz

Die anderen weißen Rehe würden allesamt nicht mehr leben. Eines, die Mutter der aktuellen weißen Rehgeiß, sei 2012 von einem Auto überfahren worden. In der Folge wurde das tote Tier präpariert und an das Haus der Natur übergeben, wo es im Depot steht. Ein anderes habe sich irgendwann nicht mehr gezeigt und das dritte sei von einem Jäger geschossen worden. Eine Tat, die Grill zutiefst verabscheut.

"Wir Jäger schießen keine weißen Rehe. Sie stehen vielmehr unter unserem Schutz. Zum einen weil es den Aberglauben gibt, dass sich derjenige, der das tut, auf Unglück oder gar einen frühen Tod gefasst machen muss." Zum anderen sind sie aus wildbiologischer Sicht sehr interessant für die Jägerschaft. "Wir können anhand dieser Tiere die Streifgebiete sehr genau nachverfolgen sowie ihr Alter bestimmen." Am Montag sah Grill das weiße Reh zum letzten Mal. Da hatte es sich für ein Nickerchen am Waldboden niedergelassen.

Die größte Gefahr für das weiße Reh sieht Grill im Autoverkehr. Auch diese Geiß überquere immer wieder die Wiestal-Landesstraße und bringe sich somit in Gefahr. "Es wäre sehr schade, wenn das letzte weiße Reh in Ebenau so ums Leben käme." Denn nicht nur den Jägern, auch den Ebenauern würden diese Tiere am Herzen liegen.

Das Tier ist ein Teilalbino

Genau genommen handelt es sich bei dem Tier um einen Teilalbino, das heißt, es hat einige wenige braune Flecken am Körper und ist ansonsten weiß. Es führe ein Leben wie jedes andere Reh auch, weiß Robert Lindner, der im Salzburger Haus der Natur für die Säugetiere zuständig ist. "Rehe unterscheiden ihre Artgenossen nicht nach Farben, sie gehen eher nach dem Geruch."

Albino-Rehe seien tatsächlich sehr selten. "Es gibt keine genauen Zahlen, aber man schätzt, dass auf mehrere 10.000 Tiere ein Albino-Reh kommt." Wobei nicht jedes weiße Reh ein Albino-Reh ist, so Lindner. Manche hätten einfach besonders weißes Fell, würden aber sonst ganz normal aussehen. Albinos wiederum hätten oft auch rote Augen.

Franz Zauner, Flachgauer Bezirksjägermeister, freut sich jedes Mal, wenn ihm von irgendwoher ein weißes Reh gemeldet wird. "Das ist schon etwas ganz Besonderes." Er selbst hat noch nie eines zu Gesicht bekommen. Und das, obwohl er seit mehr als

30 Jahren als Jäger in den heimischen Wäldern unterwegs ist.

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