Chronik

Wellensittich und "nette Toilette" für den Hauptbahnhof Salzburg

Ein Amtsbericht schlägt Maßnahmen für die Probleme um den Salzburger Hauptbahnhof vor. Darunter sind ungewöhnliche Ansätze zu finden.

Um die Konflikte mit den vielen Nutzergruppen des Bahnhofs zu lösen, schlägt die Sozialabteilung der Stadt elf Maßnahmen vor.  SN/robert ratzer
Um die Konflikte mit den vielen Nutzergruppen des Bahnhofs zu lösen, schlägt die Sozialabteilung der Stadt elf Maßnahmen vor.

Leicht war die Aufgabe nicht, die Soziologin Rosemarie Fuchshofer zu bewältigen hatte. Sie erarbeitete für die Sozialabteilung der Stadt Salzburg ein Papier über den Istzustand des Salzburger Bahnhofsvorplatzes. Ein Amtsbericht dazu liegt nun vor. Fuchshofer führte dazu Interviews mit allen Nutzergruppen der Bereiche rund um den Bahnhof. Rund 50 Institutionen und Interessengruppen sind in dem Bericht aufgelistet. Da sei es nur logisch, dass es regelmäßig zu Problemen komme, sagt Fuchshofer. "Die einen wollen den Platz nutzen, die anderen wollen ihren Spaß. Da gibt es dann Verteilungskonflikte."

Diese könnten mit einem Alkoholverbot allein nicht gelöst werden. "Die Leute werden deshalb nicht aufhören zu trinken. Wir müssen jetzt schauen, dass wir die Ausweichbewegungen der Leute abfangen. Die sollen künftig nicht von Hauseingang zu Hauseingang wandern." Die Maßnahmen zur Begleitung des Verbotes sieht sie deshalb auch als jene an, die ehestmöglich umgesetzt werden sollen.

Sozialarbeit für die Klientel am Bahnhof habe es zwar immer gegeben. Es gebe auch ein fertiges Konzept für einen neuen Standort des Bahnhofssozialdienstes. "Bis der aufsperrt, kann es aber noch zwei Jahre dauern. Wir können den Leuten aber nicht sagen, wartet einfach so lange." Unter dem Arbeitstitel "Betreutes Trinken" schlägt sie vor, für diese Personengruppe eine Lokalität einzurichten, in der sie sich aufhalten kann. "Die sind ja auch in Gasthäusern nicht gern gesehen. Und Geld dafür haben sie meist auch nicht."

Die Alkoholproblematik sei aber nur eine von vielen am Salzburger Hauptbahnhof. Das haben die Interviews ergeben, die Fuchshofer mit den vielen Nutzern führte. Ein großes Thema sei etwa der Hain, in dem auch das Antifaschismus-Mahnmal steht. "80 Prozent der Bahnhofsnutzer wissen nicht einmal, was das dort überhaupt ist. Das ist eine große Fläche, die überhaupt nicht genutzt wird." Zudem sei der Ort in einem schlechten Zustand. "Da geht noch nicht einmal mein Hund hin, weil es keine Wiese gibt. Nur die Tauben fühlen sich dort wohl." Das liege auch daran, dass sie regelmäßig gefüttert würden. Diese Problematik könne man aber auch relativ leicht lösen. "Wie sich herausstellte, ist es eine einzelne Person, die dort regelmäßig die Tauben füttert. Warum spricht man mit der nicht einfach einmal? Vielleicht kann man ihr ja einen Wellensittich schenken, damit sie aufhört, die Tauben zu füttern."

Auch für andere Probleme schlägt Fuchshofer pragmatische Lösungsansätze vor. So wird von vielen Personen beklagt, dass es rund um den Bahnhof keine öffentliche Toilette mehr gibt. "Eine neue Toilettenanlage zu bauen ist teuer. Aber es gibt rund um den Bahnhof viele Institutionen mit Toilettenanlagen. Mit denen sollte man sprechen, unter welchen Bedingungen diese von der Öffentlichkeit genutzt werden können." Ein ähnliches Konzept gibt es in Deutschland unter dem Motto "nette Toilette" bereits.

Gesamt zwölf Maßnahmen schlägt Fuchshofer in ihrem Bericht vor. Diese sollen in den kommenden zwei Jahren umgesetzt werden. Verantwortlich dafür soll "ein Fachplaner" sein, wie es im Bericht heißt. Am Donnerstag wird der Amtsbericht im Sozialausschuss behandelt. Danach soll er vom Stadtsenat beschlossen werden.

23 Anzeigen wegen Alkoholverbotes

Seit dem 17. April ist das Alkoholverbot am Salzburger Hauptbahnhof in Kraft. Bei einer ersten Kontrollaktion des Ordnungsamtes gab es allerdings noch keine Anzeigen. Bei den vier folgenden Kontrollen wurden bisher 23 Anzeigen erstattet. Am meisten Anzeigen setzte es bei einer Schwerpunktkontrolle am
9. Juni. Dabei orteten die Kontrollore 13 Verstöße gegen das Alkoholverbot.

Bei den Kontrollen am Bahnhofsvorplatz wurde nicht nur das Alkoholverbot überprüft. 182 Anzeigen wegen Geschwindigkeitsübertretungen in der Lastenstraße erstatteten die Ordnungshüter. Zudem gab es Anzeigen wegen Straßenprostitution, wegen Verstößen gegen die Maulkorbpflicht, gegen das Ladenöffnungszeitengesetz sowie gegen das Taubenfütterungsverbot.

Aufgerufen am 10.12.2018 um 05:33 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/wellensittich-und-nette-toilette-fuer-den-hauptbahnhof-salzburg-29357584

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