Chronik

Wenn die Bar zum Beichtstuhl wird

Urlaubsgäste haben öfters auch Sorgen im Gepäck. Nicht selten wird dann den Wirtinnen das Herz ausgeschüttet. Gastgeberinnen berichteten darüber bei einem "Gipfelgespräch" am Kitzsteinhorn.

Austausch zwischen „Hobby-Seelsorgern“ und Profis: Magdalena Segl, Martina Hettegger, Diakon Toni Fersterer und Pfarrer Christian Schreilechner (v. l.). Bild: Simonitsch SN/sw
Austausch zwischen „Hobby-Seelsorgern“ und Profis: Magdalena Segl, Martina Hettegger, Diakon Toni Fersterer und Pfarrer Christian Schreilechner (v. l.). Bild: Simonitsch

Magdalena Segl, Seniorchefin des Zeller Hotels Alpenblick, weiß, wie man Herzen öffnet: "In der Früh gehe ich lächelnd ins Restaurant, sage ,Guten Morgen' und sehe, wie die Mundwinkel auseinandergehen." Einen grantigen Gast hat sie umgedreht. "Ich habe ihn gefragt: ,Warum lachen Sie nie?' Dann haben wir miteinander geredet und ich habe gemerkt, wie seine Seele aufgeht. Er war glücklich, als er nach Hause fuhr, das hat mich gefreut."

Anders und doch ähnlich agiert Martina Hettegger vom Hotel Edelweiß in Berchtesgaden. "Wir wollen den Gästen Entspannung und Urlaub vermitteln, das ist unser Job", sagt die Großarlerin und betont: "Als Wirtin bin ich nicht allein, wir haben 150 Mitarbeiter, alle reden mit den Gästen." Wichtig sei es für sie, fit, gepflegt und voll da zu sein. "Ich lebe es vor und das Erste ist, dass ich selbst positiv denke."

Gäste auf positive Gedanken zu bringen, ist Segl wichtig: "Wenn das gelingt, geht es auch uns gut. Unsere Mitarbeiter und meine Familie tragen einen großen Teil dazu bei." Sie unterhält sich gerne mit ihren Gästen: "An der Bar, wenn sie ein paar Glaserl getrunken haben, erzählen sie lustige Sachen, auch traurige. Dann musst du zuhören."

Christine Stotter aus Neukirchen gehört zu den kleinen Vermietern, sie achtet auf Gastfreundschaft und gleichzeitig auf eine gesunde Distanz: "Ich rede viel mit meinen Gästen, aber ganz nahe lasse ich sie nicht heran, und bei Privatem mache ich die Türe zu. Wichtig ist mir: Ehrlich sein, den Gästen auch Grenzen aufzeigen."

Gertraud Neumayer ist seit 50 Jahren Wirtin im Schloss Kammer in Maishofen: "Wir haben viele Stammgäste. Da kennt man die Eigenheiten, der eine braucht weniger Zuspruch, der andere mehr. Wenn ich Stammgästen einen Gefallen tun will, dann nehme ich sie mit auf unsere Alm. Und um Sorgen abzuladen, habe ich ein gutes Mittel, dann gehe ich auf den Berg oder einfach aufs Feld und mache einen Ju-Schrei, dass es grad so scheppert." So manche Wirtin geht auch in die Kirche, um einmal etwas Ruhe zu haben und Kraft zu tanken.

Am Mittwoch voriger Woche - in der Nebensaison - lud das Tourismusreferat der Erzdiözese Salzburg Wirtinnen und geistliche Seelsorger zum Gipfelgespräch in die Gletschermühle auf 2500 Meter Seehöhe ein. Klar wurde, dass Wirte, Wirtinnen, Vermieter, alle, die im Gastgewerbe arbeiten, Ansprechpartner für ihre Gäste sind. Mit richtig "Heißem", das ihnen anvertraut werde, gingen sie sorgsam wie Seelsorger um, wurde gesagt.

Parallelen zwischen Wirtinnen und Pfarrern wurden erkennbar. Gertraud Neumayer meinte launig: "Wenn ich wieder auf die Welt käme, würde ich wieder Wirtin oder Pfarrer. Aber der Pfarrer hat's leichter, der predigt einmal gescheit und hat dann seine Ruh."

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