Chronik

Wenn es zum Himmel stinkt - Ärger mit Müll

Die Kosten für die illegale Müllentsorgung und für achtlos weggeworfenen Müll steigen von Jahr zu Jahr. Ein Lokalaugenschein im Pongau.

Die Asfinag-Mitarbeiter Christoph Jäger und Jürgen Keintzel kämpfen mit wachsendem Müll. Als Konsequenz wurde auch eine Videoüberwachung aufgestellt. SN/sw/riedler
Die Asfinag-Mitarbeiter Christoph Jäger und Jürgen Keintzel kämpfen mit wachsendem Müll. Als Konsequenz wurde auch eine Videoüberwachung aufgestellt.

"Es gibt eigentlich fast nichts, das nicht weggeworfen wird", meint Christian Kleewein, der Leiter der Autobahnmeisterei Flachau, "und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer."

Autoreifen, Schuhe, Dosen, Verpackungen - entlang der Straßen im Pongau finden sich Unmengen von Müll und der jährliche Anstieg beträgt zwischen 20 bis 30 Prozent.

"Es ist ja nicht nur der übliche Reisemüll von Touristen auf der Durchfahrt, sondern leider auch eine illegale Müllentsorgung von Einheimischen, die da auf den Rastplätzen der Autobahn stattfindet: Viele Gemeinden in der Nähe der Autobahn haben auf eine neue Müllverrechnung nach Gewicht des Restmülls umgestellt. Und so liefern manche ihren Müll illegal und in riesigen Säcken auf den Rastplätzen ab. Wenn Krähen dann an diesen Säcken picken, verstreut sich das schnell einmal in der ganzen Gegend. Eine schlimme Situation", klagt Kleewein.

Die so entstehenden zusätzlichen Kosten schätzt er auf gut 3000 Euro pro Monat.

Von der Polizei werden zwar immer wieder stichprobenartig Kontrollen gemacht und dabei auch Anzeigen samt einer empfindlichen Verwaltungsstrafe verhängt, aber trotzdem wird die Problematik nicht weniger:

"Derzeit haben wir z. B. gerade einen schrottreifen Pkw aufgefunden, der so illegal entsorgt wurde. Für meine Mitarbeiter ist das natürlich außerdem ein enormer zusätzlicher Aufwand. Und es bleiben ja auch die Entsorgungskosten bei uns hängen."

So sei sogar einmal auf Salzburgs Autobahn ein Lkw illegal entsorgt worden, "auch wenn von der Polizei die Eigentümer ermittelt werden können, bleiben die Kosten trotzdem häufig bei uns hängen, denn in vielen Fällen sind es auch Ausländer, die nicht belangt werden können".

Bei früheren Blockabfertigungen während der Stauzeiten seien sogar manchmal Kinder oder Ehefrauen zurückgeblieben: "Die sitzen da oft auf der Rückbank, steigen unbemerkt aus und gehen kurz ein Stück spazieren, und wenn es in der Kolonne weitergeht, dann fällt das manchmal gar nicht sofort auf." Aber auch zurückgelassene Haustiere finden die Mitarbeiter der Asfinag immer wieder, "angehängte Hunde etwa". Dabei werde die Polizei bzw. in Folge der Tierschutz verständigt.

"Wir hatten sogar schon komplette Küchenzeilen oder Elektrogeräte wie Kühlschränke, Trockner oder eine Waschmaschine." Auf einigen Rastplätzen sei deshalb sogar eine Videoüberwachung aufgestellt worden, so ertappte Müllsünder hätten oft kein Verständnis für die Strafen und meinten nur, dass sie ja eine Vignette gekauft hätten und das deshalb doch dürften. "Unverständlicherweise findet sich aber auch so mancher Grünschnitt, der ja auch kostenlos in den Gemeinden entsorgt werden dürfte, auf den Rastplätzen der Autobahn. Wir haben 24 Stunden zwei Mitarbeiter im Streckendienst abgestellt, die dafür verantwortlich sind. Doch trotzdem ist dem schwer beizukommen."

Auch der aus den Autos achtlos weggeworfene Verpackungsmüll entlang der Strecken nehme deutlich zu. Besonders grauslich: "Unsere Mitarbeiter müssen so Tausende Urin-PET-Flaschen von Fernfahrern entsorgen. Die werfen diese - vielleicht aufgrund des Zeitdruckes - immer häufiger einfach aus dem Fenster raus." Schlimm sei die Entsorgung von Verpackungsmüll auch bei den Auffahrten zur Autobahn, besonders im Bereich von McDonald's Schnellrestaurants wie bei St. Johann oder auch in Bischofshofen, wo die Asfinag für die Umfahrung zuständig ist.

Auch die Straßenmeisterei im Pongau ist von dieser Problematik stark betroffen, so Josef Erlfelder: "Gewisse Menschen machen das scheinbar einfach."

"Zwar sind unsere sämtlichen Mitarbeiter gegen Hepatitis geimpft und tragen Handschuhe bzw. verwenden spezielle Greifzangen, aber oft ist es schon unverantwortlich", betont Christian Kleewein.

So Müll zu entsorgen, betreffe übrigens alle Gesellschaftsschichten und sei nicht immer nur eine Frage der Kosten: "Da findet sich auch so mancher Doktor dabei."


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