Chronik

Wenn Kinder und Tiere groß erben

Sei es für Schmetterlingskinder, das Kulturzentrum oder den Zoo: In Salzburg sind immer öfter gemeinnützige Vereine die glücklichen Erben.

Juliette Mulvihill hat ihr Erbe bereits geregelt. Die gebürtige Neuseeländerin, die seit 22 Jahren in Salzburg lebt, will ihr Vermögen nach ihrem Tod zu gleichen Teilen der Stiftung Mozarteum und der Naturschutzorganisation WWF zukommen lassen. Kinder habe sie keine. Zudem sei es ihr wichtig zu wissen, dass mit ihrem Vermächtnis etwas Sinnvolles geschehe. Auch die Vorstellung, über das Leben hinaus etwas Gutes zu tun, sei eine schöne.

Mit diesem Ansinnen ist die 69-jährige Medizinerin nicht allein. Gerade Salzburg hat im Bereich der Testamentsspender österreichweit die Nase vorn. Hierzulande haben bereits fünf Prozent der Bevölkerung eine Testamentsspende gemacht. Das heißt, sie haben neben Angehörigen auch Spendenorganisationen in ihrem Nachlass berücksichtigt. Österreichweit ist es ein Prozent.

Auch der Salzburger Zoo, der ein gemeinnütziger Verein sei, habe von solchen Spenden schon profitiert, erzählt Chefin Sabine Grebner anlässlich der "Woche des guten Testaments". "Es ist nicht so, dass wir uns jedes Jahr über ein großes Erbe freuen können, aber vor ein paar Jahren hat uns jemand sein Haus vermacht." Mit Inventar. Man habe also das Haus geräumt, alles verwertbare auf einem Flohmarkt verkauft. Zusammen mit dem Verkaufserlös des Hauses seien so rund 450.000 Euro zusammengekommen. Ein willkommener Geldsegen, um außerordentliche Projekte finanzieren zu können. In diesem Fall sei es zum einen das neue Löwenhaus gewesen, zum anderen ein Zuschuss für die neue Pinguinanlage. Grebner würde sich wünschen, die Erblasser kennenzulernen. "Es wäre schön, wenn man sich bei ihnen schon im Voraus bedanken sowie besprechen könnte, wofür das Geld verwendet werden soll." Im Gegenzug übernehme der Zoo natürlich die Begräbniskosten sowie die Grabpflege.

Um die Möglichkeit der Testamentsspende bekannter zu machen, wurde 2012 "Vergissmeinnicht - Die Initiative für das gute Testament" ins Leben gerufen. 86 gemeinnützige Organisationen seien dort inzwischen Mitglied. Projektleiter Markus Aichelburg erklärt, dass 98 Prozent der Spender weiblich, alleinstehend und religiös seien. Der Großteil der Spenden belaufe sich auf Summen zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Oberstes Motiv der Spender sei, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen. Besonders berücksichtigt bei diesen Spenden seien Tiere und Kinder. Etwa das SOS Kinderdorf oder der Verein Debra Österreich, der sich für Schmetterlingskinder einsetzt.

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