Chronik

"Wie ein Erdbeben": Bürgermeister erinnert sich an Concordia-Unglück

Die Todesangst jener Stunden an Bord des sinkenden Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia wird der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden (62) nie vergessen.

Heinz Schaden war auf der Costa Concordia.  SN/APA (Archiv)/BARBARA GINDL
Heinz Schaden war auf der Costa Concordia.

"Über zwei Stunden lang wusste ich nicht, ob ich die Nacht überleben würde. Ich habe viele Tote gesehen. Es wäre gelogen zu behaupten, ich hätte keine Todesangst gehabt", sagte Schaden im Gespräch mit der APA.

Der Bürgermeister war einer von rund 4200 Passagieren an Bord der vor fünf Jahren - am 13. Jänner 2012 - vor der toskanischen Insel Giglio havarierten Costa Concordia. Beim Unglück kamen 32 Menschen ums Leben. An Bord befanden sich auch 77 Österreicher, die sich alle retten konnten. Sie werden jene eisige Jänner-Nacht auf See wohl nie vergessen.

"Der Aufprall gegen die Felsen vor der Insel Giglio war wie ein Erdbeben. Obwohl es von Anfang an klar war, dass das Schiff schwer beschädigt war, ist stundenlang nichts passiert. Die Passagiere wurden sogar per Lautsprecher aufgefordert, in ihre Kabinen zurückzukehren", erinnerte sich der Bürgermeister zurück. Die Evakuierung habe erst begonnen, als sich das Schiff bereits in einer derartigen Schieflage befand, dass nur die Hälfte der Rettungsboote heruntergelassen werden konnten.

"Die Evakuierung war komplett unorganisiert, es war ein einziges Chaos. Panik brach unter den Passagieren aus", erzählte Schaden. "Lediglich einige Crewmitglieder haben zu helfen versucht. Es ist ein Wunder, dass nicht mehr Menschen ums Leben gekommen sind. In jener Nacht ist alles falsch gemacht worden, was man nur hätte falsch machen können."

Heldenhaft bezeichnete der Bürgermeister dagegen die Bewohner der Insel Giglio, die sofort das Ausmaß der Katastrophe begriffen und eine Rettungsaktion ohnegleichen in Gang gesetzt hatten. "Ohne die Bürger Giglios hätte alles viel schlimmer ausfallen können. Diesen Menschen zolle ich größten Respekt", sagte Schaden. "Sie haben den Überlebenden Decken und Handtücher gereicht, die Kirche aufgesperrt, damit die Menschen dort untergebracht werden konnten, Fähren sind vom Festland angereist und haben Menschen aufgenommen. Die Rettungskette hat wirklich hervorragend funktioniert."

"Angemessene Strafe für den Kapitän"

Dem Bürgermeister war es ein persönliches Anliegen, zur Wahrheitsfindung der Unglücksursachen beizutragen. So verzichtete er auf eine Entschädigung der Reederei Costa Crociere, um als Zeuge vor Gericht aussagen zu können. "Mir war es ein Anliegen, vor Gericht über die Ereignisse dieser Nacht zu berichten. Ich habe den Eindruck, dass die italienische Justiz gute Arbeit geleistet hat", meinte der Politiker.

Dass Schiffskapitän Francesco Schettino im vergangenen Mai in zweiter Instanz zu 16 Jahren Haft verurteilt wurde, hält Schaden für eine angemessene Strafe. "Es wäre besser gewesen, seinen schweren Fehler zuzugeben, statt alberne Geschichten zu erzählen, wie zu behaupten, er sei versehentlich in die Schaluppe gefallen", meinte der Bürgermeister.

"Kreuzfahrten waren ohnehin nie mein Ding"

Fünf Jahre nach dem Desaster sei bei ihm persönlich kein psychisches Trauma zurückgeblieben: "Bei anderen Menschen ist es aber nicht so. Mit einigen Österreichern, die an Bord waren, bin ich immer noch in Kontakt. Dieses Unglück hat ein riesiges Echo gehabt, Menschen reden mich heute noch darauf an." Seit damals sei er zwar wieder in kleinere Schiffe gestiegen, an Kreuzfahrten habe er aber nicht mehr teilgenommen. "Kreuzfahrten waren ohnehin nicht wirklich mein Ding", sagte Schaden.

Quelle: APA

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