Chronik

Wie macht man Igel winterfit?

Die Igel sind wieder unterwegs und machen sich langsam auf die Suche nach einem Winterquartier. Wie man den Tieren wirklich hilft.

Wie macht man Igel winterfit? SN/APA/DPA/PATRICK PLEUL
Jetzt futtern sich die Igel noch einen dicken Winterspeck an.

Zur Herbstzeit ist an naturnahen Wald- und Siedlungsrändern ein altbekannter Gast antreffen: Der nützliche Igel sucht jetzt vermehrt auch tagsüber nach Schnecken, Würmern und allerlei Insekten. Wenn die Tage kürzer werden und die Nächte kälter, beginnen die kleinen Stacheltiere mit der Suche nach einem frostfreien Winterquartier. Ab November und Dezember halten Igel Winterschlaf, der bis März und April andauert.

Falsch verstandene Tierliebe

Oft werden die sympathischen Gesellen zur Herbstzeit aufgenommen, in dem gut gemeinten Bestreben, den Tieren helfen zu wollen. Aber Vorsicht: Keinesfalls dürfen Igel beliebig eingefangen werden, um sie daheim über den Winter zu bringen.

Als Wildtiere sind sie bestens daran angepasst, in freier Natur zu überleben und den Winter zu überstehen. Die Tiere nutzen die warmen Sonnenstunden jetzt tagsüber, um sich Nahrungsreserven für den Winter anzufressen. Dafür haben sie bis zum Wintereinbruch in der Regel ausreichend Zeit. Auch Jungigel verlassen oft tagsüber das Nest. Sie finden alleine wieder zurück und sind unbedingt in Ruhe zu lassen.

Natürlich schafft es nicht jeder Igel, gleich fit in den Winter zu starten. Eine Reduktion der Populationen durch strenge Winter wird - wenn der Lebensraum intakt ist - üblicherweise durch die hohe Vermehrungsrate des Igels gut ausgeglichen. Für den Fortbestand der Art ist eine natürliche Auslese sogar biologisch sinnvoll. Zudem kann eine nicht fachgerechte Pflege und Überwinterung für die Tiere nicht minder leidvoll sein. Sie zeigen nach der Aussetzung im Frühjahr ungünstige Gewichtsentwicklung, abweichende Reviergrößen, gestörtes Sexualverhalten und geringen Fortpflanzungserfolg.

Aus Natur- und Artenschutzgründen besteht deshalb keine Notwendigkeit, Igel zu überwintern. Igel sind nach der Salzburger Pflanzen- und Tierarten-Schutzverordnung besonders geschützt und dürfen nicht verfolgt, gefangen, verwahrt oder getötet werden. Ausnahmen bestehen, wenn Tiere offensichtlich krank, verletzt oder sonst pflegebedürftig aufgefunden werden. Aus Tierschutzgründen kann menschliche Hilfe unter fachkundiger Anleitung für den Igel in seltenen Fällen angebracht sein:

•bei offensichtlich kranken und verletzten Igeln, insbesondere wenn vom Menschen verursacht, wie zum Beispiel bei Verbrennungen (Abbrennen von Reisighaufen und Altgras) oder Schnittwunden (Rasenmäher);

•bei verwaisten, noch blinden Igeljungen, wenn sich auch nach längerer Zeit vorsichtiger Beobachtung kein Muttertier zeigt;

•bei Jungigeln, die ab November noch deutlich unter 500 Gramm wiegen.

Wie kann dem Igel sinnvoll geholfen werden

Absolut notwendig für eine gesunde Igelpopulation ist ein strukturreicher Lebensraum mit vielen Versteckmöglichkeiten und ausreichend Nahrung. Dabei können alle, die einen Garten besitzen oder eine Landwirtschaft führen, einen Beitrag leisten. Wer randliche Krautsäume, buschige Sträucher, Hecken und Obstbäume wachsen lässt, bietet igelfreundliche Umgebung - das Beste, das man für den sympathischen Gast tun kann. Die für unser Auge oft schon normal genutzte Landschaft, sauber gepflegte Rasen und der Einsatz von Laubsaugern etwa sind neben dem Straßenverkehr die größte Bedrohung für das Wohlergehen der nützlichen Stacheltiere.

Hilfreiche und leicht umsetzbare Tipps

•Verzicht auf Pflanzen- und Insektenschutzmittel.

•Belassen von trocken gelagerten Laub- und Asthaufen, aber auch Zwischenräumen oder Unterbauten von Holzstapeln oder Gartenhäusern als Winterquartier.

•Gartenumzäunung für Igel durchgängig gestalten: Durchschlupf von zirka zehn Zentimetern an einigen Stellen.

•Entschärfung von künstlichen Fallen wie zum Beispiel Kellerschächte, steile Kellertreppen, Schwimmbäder. Hier können meist einfach Bretter als flache Ausstiegshilfen oder Schutzabdeckungen angebracht werden.

•Wenn im späten Herbst noch kleine oder sichtlich unterernährte Igel mit eingefallenen Flanken unterwegs sind, kann geeignetes Futter, wie zum Beispiel Äpfel, Nüsse, Katzenfutter, angeboten werden. Igel nehmen auch angebotenes Wasser an. Man darf ihnen aber keine Milch füttern, da die Tiere den Milchzucker nicht verwerten können.

•Auch im Fachmarkt erhältliche Igelschlaf- oder Futterhäuser können an geschützten Stellen im Garten aufgestellt werden.

Quelle: SN

Aufgerufen am 12.11.2018 um 09:09 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/wie-macht-man-igel-winterfit-1017964

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