Chronik

Wieder sind Millionen auf der Flucht

Vor 70 Jahren flohen etwa 5000 Juden über den Pinzgau nach Italien und von dort weiter nach Palästina. Daran erinnert das Alpine Peace Crossing.

Als die Fluchtbewegung aus Syrien ihren Höhepunkt erreichte, beschloss man in Saalfelden, auf dem Gelände der Waller-Kaserne Unterkünfte zu errichten. "Viele Freiwillige haben damals geholfen", erinnert der Saalfeldener Bürgermeister Erich Rohrmoser. Und es sei nicht das erste Mal gewesen. In den 1990er-Jahren waren Flüchtlinge aus Bosnien in der Kaserne untergebracht. Und nach dem Zweiten Weltkrieg waren es tausende Juden, die hier Zwischenstation vor dem beschwerlichen Weg über den Krimmler Tauern machten.

Seit 2007 erinnert das Alpine Peace Crossing (APC) an die Flucht über den Tauern im Jahr 1947. Vor der Wallnerkaserne wurde ein Mahnmal errichtet. Dort fand am Freitag anlässlich des Jubiläums zum Auftakt des heurigen APC ein Festakt statt. Die israelische Botschafterin Talya Lador-Fresher sagte in ihrer Ansprache, die Flucht über den Tauern sei ein wichtiger Teil der Gründungsgeschichte Israels. "Die Leute im Krimmler Tauernhaus und die anderen guten Österreicher, die geholfen haben, waren ein Lichtblick in dieser dunkeln Zeit. Ihre Taten geben uns Hoffnung."

Mehrere Zeitzeugen und ihre Nachkommen sind zum APC in den Pinzgau gekommen. Darunter Marko Feingold (104), der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Salzburg. Er war mit der jüdischen Fluchthilfeorganisation Bricha maßgeblich an der Flucht beteiligt und hat den Weg über den Tauern ausgekundschaftet. Ein anderer Weg stand den heimatlos gewordenen Juden nicht mehr offen.

England und Frankreich hatten die Grenze zu Italien für jüdische Flüchtlinge geschlossen. Die einzige Lücke war der Krimmler Tauern. Hier grenzte die amerikanische Besatzungszone an Italien. So wurden die Flüchtlinge von Salzburg nach Saalfelden gebracht. Von dort machten sich jeden Tag um 22 Uhr Gruppen von 200 Personen mit der Hilfe von Einheimischen auf Lkws auf den Weg nach Krimml, wo der 15-stündige Fußmarsch begann. Ohne entsprechende Ausrüstung mussten die Menschen, darunter Kinder und Schwangere, den 2600 Meter hohen Pass überqueren. Im Krimmler Tauernhaus versorgte sie die damalige Wirtin Liesl Geisler-Scharfetter. Vom Südtiroler Ahrntal ging es weiter ans Meer und dann per Schiff nach Palästina.

Am Freitagabend hat Bundespräsident Alexander van der Bellen das APC in Krimml offiziell eröffnet. Er bedankte sich beim Verein APC und dessen Gründer Ernst Löschner, dass er die Erinnerung an die Ereignisse wachhalte und auf das noch immer aktuelle Faktum von Flucht und Vertreibung aufmerksam mache. Ende 2016 waren weltweit 65,6 Millionen Menschen von Flucht und Vertreibung betroffen, so Landesrätin Martina Berthold. Am Samstag wanderten hunderte Menschen beim Alpine Peace Crossing vin Erinnerung an das geschichtliche Ereignis von Krimml aus ins Südtirolerische Kasern. Einen Teil des Weges - vom Krimmler Tauernhaus bis zur Windbachalm - begleitete Van der Bellen gemeinsam mit seiner Ehefrau Doris Schmidauer die Wanderer.

Aufgerufen am 20.08.2018 um 06:15 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/wieder-sind-millionen-auf-der-flucht-13455991

Polizei fahndet im Pinzgau nach einem Wilderer

Polizei fahndet im Pinzgau nach einem Wilderer

Jagdleiter brachte Wilderei zur Anzeige. In Thumersbach wurden drei tote Rehe gefunden. Die Vorfälle liegen schon einige Zeit zurück, die Polizei hat sie aber erst jetzt publik gemacht. Demnach hat ein …

Schlagzeilen