Chronik

"Wir machen diesen Platz sicher nicht kaputt"

Die Fiaker sehen sich unter Beschuss. Die Stahlhufe ihrer Pferde würden die frisch verlegte Pflasterung auf dem Residenzplatz beschädigen. Das zuständige Bauressort kündigt für August einen "Fiaker-Gipfel" an.

Ein Schenkelklopfer. Die Bauarbeiter lachen. "Eine einzige dieser Steinplatten ist 270 Kilo schwer und 16 Zentimeter tief in den Boden eingelassen. Glauben Sie wirklich, dass Pferdehufe eine solche Platte brechen können?"

Der Lokalaugenschein auf dem frisch gepflasterten Residenzplatz belegt es. Die eben erst verlegten Granitplatten sind intakt. Es gibt - anders als es Leserbriefe dieser Tage glauben machen - keine Beschädigungen. "Noch nicht", warnt Peter Schmidt. Der Pensionist hat einen der Leserbriefe verfasst. Für die Stadt Nachrichten will er vor Ort den Beweis erbringen. Er zeigt gesplitterte Kanten und ausgebrochene Ecken - allerdings ein paar Hundert Meter weiter in der Churfürststraße (neben Tomaselli). "So sieht das auf dem Residenzplatz auch bald aus", prophezeit Schmidt. Er fordert, die Fiaker-Pferde doch endlich mit Gummi- oder Kunststoffhufen auszustatten und alle, die das nicht tun, nicht mehr über den neuen Platz fahren zu lassen: "Das würde ihre Kooperationsbereitschaft sicher beschleunigen."

Dass auf dem Residenzplatz Kanten absplittern, sei möglich, aber selbst die Fachabteilung kann das genaue Ausmaß heute nicht abschätzen. Man habe bei der Verlegung bewusst auf einen harten Stein gesetzt, heißt es aus dem Büro der zuständigen Baustadträtin Barbara Unterkofler (Neos). Anders das Pflaster in der Churfürststraße: Es wurde im Jahr 2000 neu verlegt - und ist nicht, wie im Leserbrief steht, erst wenige Monate alt. Und: Es besteht, anders als auf dem Residenzplatz, zum Teil aus den wesentlich dünneren und somit empfindlicheren Porphyr-Platten.

Der ideale Hufbeschlag ist noch nicht erfunden

"Die brechen mitunter. Das stimmt", bestätigt Fiaker-Obmann Franz Winter, der Beschädigungen durch die Fiaker-Pferde generell nicht leugnet. In der Franziskanergasse oder auf dem Alten Markt (hier fahren aber gar keine Kutschen) gebe es ebenfalls Schäden am Pflaster.

Winter sagt aber auch, dass die fünf Salzburger Fiakerunternehmer so gut wie alle auf dem Markt erhältlichen Alternativen getestet hätten. 2013 habe er sogar einmal ein Pferd einschläfern müssen, nachdem es bei Blitzeis mit Kunststoff-Beschlag ausgerutscht sei. "Gummi-Schuhe verhindern die Nachrutschphase, das geht beim Pferd voll auf die Gelenke, es kommt zu Entzündungen."

Für jede der 14 Kutschen auf Stadtgebiet bezahlen die Betreiber rund 740 Euro jährlich an Straßenabnützungsgebühr. Dazu kommen Abgaben für die Einfahrten in die Altstadt sowie die Standplatzgebühr. Die Männer, die die Pferdeknödel wegkarren, werden ebenfalls von der Fiaker-Vereinigung bezahlt.

Christophorus Huber, Leiter des Veterinäramts der Stadt, bescheinigt den Fiakern große Offenheit gegenüber alternativen Hufbeschlägen: "Wir haben über die Jahre hinweg vieles versucht." Die Wiener Fiaker würden aktuell einen neuen Schuh testen. Bis August liegen die Ergebnisse vor. Dann wird das Bauressort zu einem "Fiaker-Gipfel" laden. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass auch die Wiener keine optimale Lösung hätten. Huber: "Der funktionierende Beschlag ist offenbar noch nicht erfunden."

Das wiederum glaubt Leserbriefschreiber Schmidt nicht. Er denkt, die Fiaker würden sich Kosten sparen wollen und deshalb weiterhin auf den für sie günstigeren Beschlag setzen. Der stellvertretende Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) bestätigt diese Annahme in seinem Antwortschreiben an Schmidt. Außerdem sagt er, die Stadtverwaltung habe bei diesem Thema keine Experten. Winter kontert, seine Leute hätten bereits 2013/14 den Beschlag "umgestellt" und die zwei Eisenstollen unten am Huf entfernt. Seither treten die Tiere plan auf und ihr Gewicht verteilt sich gleichmäßig auf den gesamten Huf. Das Ergebnis laut Winter: eindeutig weniger Schäden am Bodenbelag.

Den Residenzplatz sieht der Fiaker-Obmann durch die Pferde nicht gefährdet. Er hält fest: "Aktuell existieren überhaupt keine Schäden." Dass sich das in nächster Zeit ändert, glaubt er nicht, denn: "Wir sind zwei, drei Jahre lang täglich über eine Testfläche vor der Post gefahren. Die Platten wiesen keinerlei Schäden auf."

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