Chronik

Wissenschaft, in Minuten auf den Punkt gebracht

Ein Science-Slam funktioniert wie ein Poetry-Slam: Wissenschafter stellen ihre Forschung möglichst plakativ und trotzdem für Laien verständlich vor. Powerpoint-Präsentationen sind absolut verpönt.

Germanistin Nana Grübler (Mitte) beschäftigt sich mit Onomatologie und untersucht Auswirkungen der Namen.  SN/sw/Ricky Knoll
Germanistin Nana Grübler (Mitte) beschäftigt sich mit Onomatologie und untersucht Auswirkungen der Namen.
Der Sieger des Abends: Wolfgang Kremser, er forscht bei Salzburg Research und überprüft Bewegungen mit an die Kleidung genähten Elektroden.  SN/sw/Ricky Knoll
Der Sieger des Abends: Wolfgang Kremser, er forscht bei Salzburg Research und überprüft Bewegungen mit an die Kleidung genähten Elektroden.
Das Publikum stimmt anschließend ab. SN/sw/Ricky Knoll
Das Publikum stimmt anschließend ab.
„Wie zeige ich Elefanten den richtigen Weg?“ stellt Dominik Walcher mit einem analogen Diagramm dar. SN/sw/Ricky Knoll
„Wie zeige ich Elefanten den richtigen Weg?“ stellt Dominik Walcher mit einem analogen Diagramm dar.
Organisator Bernhard Weingartner. SN/sw/Ricky Knoll
Organisator Bernhard Weingartner.
Gastrosophin Marlene Ernst beschäftigt sich mit Rezepten aus der Barockzeit. SN/sw/Ricky Knoll
Gastrosophin Marlene Ernst beschäftigt sich mit Rezepten aus der Barockzeit.
Alle vier Teilnehmer mit Organisator Weingartner. SN/sw/Ricky Knoll
Alle vier Teilnehmer mit Organisator Weingartner.

In sieben Minuten eine wissenschaftliche Forschungsarbeit erklären? Natürlich geht das, sogar ohne die Zuhörer zu langweilen oder zu überfordern. Die Salzburger Teilnehmer beim Science-Slam erledigten diese Aufgabe mit Bravour, wie der jeweils tosende Applaus bezeugte. Immerhin ging es auch ums Gewinnen: "Dem Sieger winkt ein 400-Euro-Gutschein sowie die Teilnahme an der Staatsmeisterschaft in Wien im April bei der langen Nacht der Forschung", erklärt Veranstalter Bernhard Weingartner im restlos ausverkauften Saal der ARGEkultur.

"Wie zeige ich Elefanten den richtigen Weg?" Diese Frage stellt Dominik Walcher aus Kuchl. Er beschäftigt sich an der FH Salzburg mit Konsumentenverhaltensforschung. Dazu verfolgte er das "Nudge"-Konzept, d. h., jemanden in die richtige Richtung zu schubsen. "Erwiesenermaßen wird in einer Weinhandlung, die pausenlos italienische Musik spielt, viel mehr italienischer Wein verkauft", weiß der Wissenschafter. Er hat bei einer heimischen Supermarktkette die Probe aufs Exempel gemacht und in ein Einkaufswagerl das Schild "Bio" hineingestellt. "Die Leute haben beim Einkauf länger gebraucht und mehr Biosachen gekauft. Das Bio-Schild war das Nudge."

Was der Name "Gurke" uns sagt

Germanistin Nana Grübler aus Bad Gastein stellte die Behauptung auf "Nomen est omen". Sie betreibt Onomatologie, Namensforschung. Den Gattungsnamen "Gurke" stellt sie mit ebendieser vor. "Der Name Gurke sagt uns, sie ist grün, krumm und schmeckt hervorragend im griechischen Salat." Schwieriger wird es beim Namen einer Person, die sie in altmodische, moderne und zeitlosen Namen eingeteilt hat. Die Untersuchung bestätigte ihre Theorie: "Altmodische Namen werden automatisch mit älteren Menschen gleichgesetzt und werden als weniger attraktiv und weniger intelligent eingestuft. Besser läuft es für die modernen Namen, aber am besten kommen die zeitlosen Namen weg, was für künftige Eltern vielleicht ganz interessant ist."

Mini-Computer auf die Hose genäht

Mit "I Like To Move It, Move It!" ging Wolfgang Kremser aus Mariapfarr als Nächster ins Rennen. Er beschäftigt sich bei Salzburg Research mit "Smart Textiles", also intelligenter Kleidung. Dazu hat er sich die Nähmaschine seiner Mutter ausgeborgt, zu ihrem großen Erstaunen, weil sie meinte, er würde Computer programmieren. Während er sich seiner Jeans entledigt, erklärt er den auf der Sporthose darunter aufgenähten Mini-Computer. "Mit den eingebauten Sensoren kann ich die Bewegung des Beins rekonstruieren und auf einer App darstellen", klärt er auf. Zum Einsatz kann diese Technik bei der Entwicklung von Spielen kommen oder im Gesundheitsbereich, etwa der Physiotherapie. "Um zu sehen, ob Bewegungen richtig gemacht werden."

Gastrosophin Marlene Ernst beschäftigt sich unter dem Motto "Von Ayr Khäs bis Zuckher Strauben" seit 2010 mit Rezepten aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Die Herausforderung bestand für sie, dass in den alten Kochbüchern kaum Mengenangaben vorkamen und ihr völlig unbekannte Wörter verwendet wurden. Auch für heutige Geschmäcker eher unübliches Getier kam in den Rezepten vor, wie etwa der in der Fastenzeit beliebte Biber oder die Anleitung zum Schlachten von Schildkröten oder Schwänen.

Den Vogel schoss an dem Abend Wolfgang Kremser ab: Seine Präsentation überzeugte das Publikum am meisten und kürte ihn zum Sieger.

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