Sag mir, wo die Kellner sind. Wo sind sie geblieben?

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Wochenschau Heinz Bayer
Karikatur Thomas Selinger SN/sw/selinger
Karikatur Thomas Selinger

Blauer Himmel. Wunderbarer Schnee. Ein Hauch von Frühling. Viele, aber nicht zu viele Skifahrer. Er ist genau so, wie er eben sein soll, der perfekte Start in einen späten Wintertag. Dann, nach zwei Stunden Ski-Genuss, schleichen sie sich langsam und gemeinsam an: der Hunger und sein bester Freund, der Durst. Aber alles bestens und kein Problem in unseren Breiten. Gastronomie und Skihütten gibt es ja reichlich im inneren Innergebirg, und nicht nur dort.

Also gleich einmal ausprobieren, ob der Einkehrschwung reibungslos gelingt.

Er tut es! Auf der sonnigen Terrasse der besagten Hütte ist schon angerichtet. Sie hat durchaus einen guten Namen. Und am Vormittag läuft hier Gott sei Dank noch keine Musik von Herrn Gabalier und anderen musikalischen Nervensägen.

Also Skier abschnallen. Hinsetzen. Helm herunter. Das Lächeln macht sich von ganz allein im Gesicht breit. Und wird immer breiter. Gefühlslage: nichts als die reine Zufriedenheit. Ja, und da kommt er auch schon daher. Wunderbar. Ein Kellner!

In diesem Fall, wie sich rasch herausstellt, ein als Älpler Verkleideter. Mit Kitsch-Lederhose, Haferlschuhen, Trachtenstutzen und T-Shirt. Arme und Füße heftig tätowiert. Und da ertönt er, der schneidige Gruß: "Hey! Alter! Magst 'n Bier?" - Phonetisch ist der junge Mann dem Osten Deutschlands zuzuordnen.

Was sag ich jetzt? "Hmmh. Ja. Was? Nein, bitte bringen Sie mir einen großen Braunen und Spiegeleier mit Speck." - "Okay, ein Kännchen oder was?" Nur der Ordnung halber: Das trug sich vor Corona zu. Deshalb trug von uns auch keiner eine Maske. Trotzdem ist das, was bei uns seit Jahren passiert, demaskierend. Hat da irgendjemand seine Hausaufgaben nicht gemacht?

Denn wohin man schaut und wo man is(s)t, sind Plakate und Tafeln mit solchen Sätzen zu sehen: "Wir suchen dich!" - "Wir brauchen Verstärkung!" - "Genau du fehlst in unserem Team!" Der Fachkräftemangel, nicht nur in der Gastronomie, erreicht eine Dimension, die jenseits der Schmerzgrenze liegt. Teils ist es kaum mehr möglich, Betriebe, Seilbahnen, Hotels in vollem Umfang zu führen. Es braucht akut Lösungen. Auf nationaler Ebene. Derzeit geschieht nichts anderes als Mangelverwaltung.

Und Stichwort: "Hey! Alter! Magst 'n Bier!" - Es geht auch um eine Form von Authentizität. Und um die bekannt qualitätsvolle österreichische Gastfreundschaft.

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