Chronik

"Wolf muss auf Distanz gehalten werden"

Wildtierbiologe Klaus Hackländer spricht sich für ein dringend nötiges Management aus.

Wildtierbiologe Klaus Hackländer im Interview zum Thema Wolf SN/sw/riedler
Wildtierbiologe Klaus Hackländer im Interview zum Thema Wolf

Der Wolf breitet sich derzeit rasch in Europa aus und zwingt zu einem Umdenken im Umgang mit ihm. Nachdem wir 150 Jahre ohne ihn gelebt haben, kommt er nun aus allen Richtungen nach Österreich. Derzeit gibt es drei Rudel und 30 bis 35 Wölfe in Österreich.

Wildtierbiologe Prof. Klaus Hackländer von der Universität für Bodenkultur Wien präsentierte eine neue Studie in Pfarrwerfen und die PN baten dazu um ein Interview:

Redaktion: Klaus Hackländer: Er genießt den strengen Schutz laut Berner Konvention und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU. Dieser Schutzstatus stammt aus den 1970er- und 1990er-Jahren.

Damals hat man nicht mit der massiven Ausbreitung des Wolfs gerechnet. Man schätzt, dass es in 15 Jahren bis zu 500 Wölfe in Österreich geben kann.

Die Voraussetzungen für den Wolf haben sich in vielerlei Hinsicht geändert, sagen Sie.Es muss auf EU-Ebene weiter über den Schutzstatus verhandelt und die Herabstufung des Status in der FFH-Richtlinie angestrebt werden. Aus Sicht des Artenschutzes ist es wichtig, echte Problemwölfe zu entnehmen, auch zum Wohl jener Artgenossen, die sich anders verhalten und vor allem Wild fressen und die Nähe des Menschen meiden. Die Koexistenz ist nur möglich, wenn der Wolf auf Distanz gehalten wird.

Die Almwirtschaft wird von vielen Bauern im Nebenerwerb betrieben und ist schon jetzt mehr oder weniger Liebhaberei. Die Förderungen sind gerade einmal kostendeckend. Die Behirtung und die Errichtung von Zäunen sind im hochalpinen Gelände für sie nicht möglich. Die Errichtung von Zäunen ist vom Boden und von der Topografie her technisch oft gar nicht möglich und das Hüten mit Hunden zu mühsam.

Der zusätzliche Zeitaufwand für die Nebenerwerbsbauern kann das Fass zum Überlaufen und die Bauern zum Aufhören bringen. Was wir brauchen werden, sind Wolffreihaltezonen, in denen wir die Anwesenheit des Wolfes oder gar die Etablierung von Rudeln zu verhindern versuchen. Aber auch hier brauchen die Bauern Herdenschutzmaßnahmen. Dafür muss dringend gehandelt werden.

Der Wolf erzwingt einen Systemwandel in der Landwirtschaft, ob wir wollen oder nicht.

Es wurde verabsäumt, hier viel Geld in die Hand zu nehmen, um Ausbildungsstätten für Schäfer und Zuchtprogramme für Herdenschutzhunde zu ermöglichen. Denn es gibt derzeit kaum Herdenschutzhunde und keine Hirten.

Aufgerufen am 22.11.2019 um 09:23 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/wolf-muss-auf-distanz-gehalten-werden-78026407

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