Chronik

Wurde Nigerianerin in Salzburg mit dem "Juju-Ritual" gefügig gemacht und zur Prostitution genötigt?

Zwei in der Stadt Salzburg lebende Nigerianer (38 und 36) sollen eine 26-jährige Landsfrau mit falschen Versprechungen nach Salzburg gelockt haben - Prozess am Landesgericht.

Symbolbild.  SN/Copyright by: FRANZ NEUMAYR Pres
Symbolbild.

Es ist eine perfide Form von moderner Sklaverei, die Staatsanwältin Barbara Fischer zwei seit Jahren in Salzburg lebenden Nigerianern anlastet. Das Duo, 38 und 36 Jahre alt, soll 2015 eine damals 23-jährige Landsfrau mit großen Versprechungen nach Österreich gelockt und hier zur Prostitution genötigt haben. Der strafrechtlicher Vorwurf, mit bis zu zehn Jahren Haft bedroht: grenzüberschreitender Prostitutions- und Menschenhandel, verübt im Rahmen einer kriminellen Vereinigung.

Der Schöffenprozess gegen die nicht geständigen Männer (Verteidiger: Kurt Kozak) läuft seit April am Landesgericht. Laut Staatsanwältin sorgte eine Tante der jungen Frau aus dem Süden Nigerias für den Kontakt der damals 23-Jährigen mit dem Erstangeklagten. "Er und der Zweitangeklagte spiegelten ihr vor, sie würde in Salzburg einen guten Job in einem Shop bekommen", so Fischer. Die Frau, voll Hoffnung auf ein besseres Leben, machte sich daraufhin im Sommer 2015 auf die beschwerliche Reise nach Europa, gelangte von Libyen mit einem Schlauchboot nach Italien, wo sie der Erstangeklagte anrief, sie solle nach Verona zu seiner Schwester fahren. Dort seit die Frau von einem Neffen des Erstangeklagten vergewaltigt worden, ehe sie von beiden Angeklagten abgeholt und im September 2015 nach Salzburg verbracht worden sei.

In Salzburg, ergänzte Fischer, hätte dann eine "Madame" - eine als Zuhälterin fungierende ältere Landsfrau - die junge Frau einem Juju-Ritual (die nigerianische Variante des Voodoo-Zaubers) unterzogen, um sie gefügig zu machen und an die Menschenhändler zu binden. Fischer: "Die junge Frau musste in Anwesenheit des Erstangeklagten schwören, nie zur Polizei zu gehen und die Kosten für ihre Schleusung zurückzuzahlen." Beim Ritual habe die "Madame" der nun 26-Jährigen Finger- und Zehennägel abgeschnitten, die Haare am Körper abrasiert und all dies gemeinsam mit Unterwäsche in eine Urne gegeben. Dann habe die Frau einen Eid schwören müssen, gehorsam zu sein - ansonsten, so habe die "Zauberin" gedroht, werde sie von Krankheit oder Tod befallen. Nach dem Ritual sei die Frau in ein Flüchtlingsquartier gebracht worden mit der Aufforderung, dort der Prostitution nachzugehen. Im April 2016 wurde die 26-Jährige nach Italien abgeschoben, flüchtete aber sofort wieder zurück. Seither wird sie von einer Hilfsorganisation betreut - und belastet die Angeklagten schwer.

In der Prozessfortsetzung am Dienstag sagte ein Polizist des Bundeskriminalamts - er ist Spezialist im Bereich Menschenhandel - die Angaben der 26-Jährigen seien "absolut glaubhaft". Der Verteidiger hielt ihm entgegen, "keine objektiven Beweise" gegen die Angeklagten zu haben. Diese hätten die Frau zu nichts gezwungen - sie gebe sich nur als Opfer von Menschenhändlern aus, um in Österreich bleiben zu können.

Der Prozess (Vorsitz: Richterin Anna-Sophia Geisselhofer) wurde erneut vertagt - auf nunmehr 4. Dezember.

Aufgerufen am 25.09.2018 um 04:11 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/wurde-nigerianerin-in-salzburg-mit-dem-juju-ritual-gefuegig-gemacht-und-zur-prostitution-genoetigt-39929899

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