Chronik

WWF kritisiert geplanten Wolfsabschuss in Salzburg

Naturschutzorganisation beklagte fehlende Präventionsmaßnahmen. Land verteidigt Antrag

Wolf (Symbolbild). SN/APA/HANS KLAUS TECHT
Wolf (Symbolbild).

Der geplante Abschuss eines Wolfes in Salzburg sorgt weiter für Kritik. Am Montag haben die von den jüngsten Rissen betroffenen Almbauern einen Antrag auf eine "Entnahme" des Tiers - so heißt das im offiziellen Sprech - bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft gestellt. Die Naturschutzorganisation WWF kündigte postwendend rechtliche Schritte gegen einen allfällig positiven Bescheid an.

"Bei streng geschützten Arten wie dem Wolf ist im Einzelfall zu prüfen, ob nicht gelindere Mittel wie Herdenschutz oder der Einsatz von Hunden zum Ziel führen. Das wurde in Salzburg nicht ernsthaft versucht", erklärte WWF-Wolfsexperte Christian Pichler. Es wäre in Österreich das erste Mal, dass ein Wolf offiziell zum Abschuss freigegeben wird, seit hierzulande die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU zum Schutz der Artenvielfalt gilt.

Pichler kritisierte, dass großteils noch DNA-Proben fehlen würden. Außerdem sei noch nicht klar, ob es sich immer um denselben Wolf gehandelt habe. Seit einem ersten Riss im Mai wurde offensichtlich auch nichts getan, um den Herdenschutz im betroffenen Gebiet wirksam zu verbessern. "Richtig angewendeter Herdenschutz sorgt dafür, dass Wölfe von Beginn an Weidetiere meiden und Wildtiere erbeuten, weil sie sonst einen Stromschlag bekommen oder sie ein Herdenschutzhund vertreibt."

Nach über einem Jahr ohne Vorfälle war zunächst im Mai 2019 im Großarltal wieder ein Wolfsriss per DNA-Analyse nachgewiesen worden. Seit Anfang Juli wurden dann in der Gemeinde im Gebiet der Tofernalm gleich 23 Schafe gerissen. Drei weitere Tiere wurden schwer verletzt, zwölf wurden heute noch vermisst. Der im Februar 2019 vorgestellte Wolfsmanagementplan des Landes rechtfertigt einen Abschuss, wenn ein Wolf innerhalb eines Monats mehr als 25 Nutztiere reiße - trotz zumutbarer Schutzmaßnahmen oder in nicht schützbaren Bereichen.

Die Naturschutzorganisationen waren bei der Erarbeitung des Managementplans eingebunden und befanden ihn grundsätzlich als gut. "Ein Freibrief für Abschüsse auf Basis willkürlich gewählter Risszahlen widerspricht aber dem EU-Naturschutzrecht", klagte Pichler. Vielmehr müsse etwa rasch mit der gleichfalls festgeschriebenen Zucht und Ausbildung von Herdenschutzhunden begonnen werden.

Der Wolfsbeauftragte des Landes Salzburg, Hubert Stock, verteidigte am Montag im APA-Gespräch den Antrag auf Abschuss. Herdenschutz müsse immer auch zweckmäßig und zumutbar sein. "Bei der betroffenen Alm sind andere Maßnahmen aber nicht zielführend. Die Alm ist zu groß, das Gelände zu schwierig." Außerdem würden derzeit keine ausgebildeten Hunde oder Hüter zur Verfügung stehen. "Das ist ein langfristiger Prozess", sagte Stock.

Er rechne zwar mit einer raschen Entscheidung der Behörde, durch die angekündigten Einsprüche seien allerdings Verzögerungen wahrscheinlich. "Damit könnte es Wochen bis Monate dauern, bis der Bescheid rechtsgültig wird." Und bis dahin dürfte der Wolf mit ziemlicher Sicherheit weiter gewandert sein. Die noch auf der Tofernalm untergebrachten Schafe wurden mittlerweile aus Sicherheitsgründen ins Tal gebracht.

Quelle: SN

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