Chronik

"Zeichen für die Zukunft gesetzt"

Der "Toleranzberg" soll an die vertriebenen Protestanten erinnern und ihnen soll wieder Platz in der Gemeinde Filzmoos gegeben werden.

Es waren schlimme Zeiten, damals, am 29. November 1731. Der erste Teil der Vertreibung der Protestanten hatte begonnen. Niemand wurde verschont, alle mussten fort. Ob alt, krank, Kind, Bauer, Handwerker oder Dienstbote - ein Großteil der Bevölkerung, nämlich 80 Prozent, musste Filzmoos aufgrund seines Glaubens verlassen.

Filzmoos zählte damals 750 Einwohner. Der Großteil der Höfe blieb in den Jahren 1731 und 1732 verwaist zurück.

Der Tourismusverband Filzmoos und die Gemeinde haben mit dem "Toleranzberg" ein Projekt zur geschichtlichen Aufarbeitung dieser Vertreibung geschaffen. Finanziert von Land, Bund und EU.

Gleich zu Beginn des Themenweges im Ortszentrum listet eine große Tafel alle Namen der insgesamt 593 Vertriebenen auf. In einer Kiste können runde Holzstücke mit Zahlen gezogen werden. "Jede Zahl gehört zu einem dieser Namen", erzählt Bürgermeister Christian Mooslechner (SPÖ). Aus Zahlen werden so Menschen und ihre Geschichten über die Flucht: In welche Länder sie etwa gezogen sind und wer sie später aufgenommen hat.

Der Kameradschaftsbund in Filzmoos ist seit vielen Jahren in Kontakt mit dem "Salzburger Verein", der 1911 von Nachfahren der Salzburger Exulanten in Ostpreußen gegründet wurde. "Sie haben dieses Thema in die Zukunft getragen", sagt Mooslechner. Am Weg finden sich unzählige Stationen, die an die vielen Vertreibungen erinnern. Nicht nur aus Filzmoos, sondern insgesamt 22.000 Salzburger, vorwiegend aus dem Pongau und Pinzgau. Der größte Bevölkerungsverlust in Salzburg bis dato. "Ein sehr wichtiges Thema, gerade auch heute wieder. Die Probleme haben sich nicht wirklich geändert. Geschichte wiederholt sich."

Daten & Fakten zum "Toleranzberg"

Am 10. Juni wird um 15.30 Uhr in Filzmoos ein Gottesdienst gefeiert. Erwartet werden zahlreichen Ehrengäste aus Kirche und Politik. Anschließend wird der Toleranzberg eröffnet. Die Feierlichkeiten mit allen Vereinen gehen auf dem "Dorfplatz" weiter. Erwartet werden unter anderem auch viele Mitglieder des "Salzburger Vereins".

Der "Toleranzberg" dient der geschichtlichen Aufarbeitung und der Themenweg soll an das einschneidende Ereignis der Protestanten-Vertreibung 1731/1732 erinnern. Aber gleichzeitig auch zu Versöhnung, Wertschätzung und zu mehr Toleranz gegenüber Andersgläubigen und Ausgegrenzten ermutigen. Den Vorfahren soll in Filzmoos Platz gegeben werden.


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