Chronik

Zell am See: Das Burkaverbot greift nur langsam

Mit 1. Oktober des Vorjahres trat das Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz in Kraft. Wirkt es? Die Pinzgauer Nachrichten gingen vergangene Woche auf Lokalaugenschein.

Regnerisch zeigte sich die Bezirkshauptstadt vorige Woche. Ideales Wetter für die arabischen Gäste, die durch die Innenstadt flanierten. Immer wieder, wenn auch in klarer Minderheit, waren voll verschleierte Frauen zu sehen. Wie geht die Polizei damit um? "Wenn wir jemanden sehen, weisen wir auf das Verbot hin und überreichen auch einen entsprechenden Folder. Das genügt, die Frauen geben dann den Schleier weg", sagt Bezirkspolizeikommandant Kurt Möschl und ergänzt: "Es kam bei uns noch zu keiner Anzeige." Die Landespolizeidirektion habe die Beamten auch angewiesen, Fingerspitzengefühl und Verhältnismäßigkeit anzuwenden.

Ein Pinzgauer Polizist spricht auch Arabisch

"Das heißt, zuerst abmahnen, dann erst strafen", so Möschl, und verkündet Überraschendes: "Wir haben einen Mitarbeiter, der Arabisch spricht" - Reinhard Brunner aus Taxenbach. Er sagt: ,Ich habe bisher zehn, 15 Frauen auf das Verbot hinweisen müssen, mehr waren es nicht. Sie sind erstaunt und fragen mich, ob das in anderen Ländern auch so sei. In Deutschland gibt es ja kein Verbot und viele Araber kommen via München in den Pinzgau und sind darüber nicht informiert.'"

Brunner spricht die arabischen Gäste auf Englisch an. Wenn sich diese daraufhin in ihrer Muttersprache untereinander absprechen, versteht er so gut wie jedes Wort: "Sie sind erstaunt, wenn ich dann mit ihnen Arabisch rede." Eventuell werde auch ein bisschen getrickst, etwa mit Gesichtsmasken. Diese dürfen nicht getragen werden, außer wenn ein medizinischer Grund vorliegt, der mittels Attest nachgewiesen werden muss.

Die Kontrolle durch die Polizei läuft im normalen Streifendienst und wird nicht verstärkt betrieben. Möschl betont, dass es aus seiner Sicht mit arabischen Gästen keine Probleme gebe. "Für uns ist der Araber ein sehr angenehmer Gast: kein Alkohol, keine Gewalt, kein Vandalismus." Dennoch erhalte die Polizei öfters Beschwerden via Telefon oder E-Mail - Brunner: "Auffallend ist, dass viele der Empörten muslimischen Hintergrund haben."

Die Ankündigung und das Inkrafttreten des Verhüllungsverbots habe ihm im Vorjahr Sorgen bereitet, gesteht Bülent Haro, der seit 2006 ein arabisches Lokal in Zell am See betreibt. "Ich dachte, dass deshalb weniger Gäste kommen, aber diese Sorge war unbegründet. Wir haben keinen Umsatzverlust und jetzt, Ende Juni, eine Vielzahl arabischer Gäste hier. Ich schließe aus, dass wegen des Verhüllungsverbots weniger Araber kommen. Die wenigen, die das stört, werden wir nicht merken. Die Araber werden weiterhin nach Zell am See kommen, weil sie diese Region lieben. Die meisten erwarten wir im Juli und im August." Und diese sollten - wieder - einer wohlhabenderen Schicht angehören, sagt Haro und beruft sich auf einen seiner Gäste: "Er war im Vorjahr enttäuscht und sagte: ,Hier ist ja nur die Unterschicht, ich komme nicht mehr.' Aber jetzt dürfte sich das wieder wandeln."

Probleme gibt es zunehmend im Verkehr

Probleme mit Arabern gebe es nur im Autoverkehr, dies jedoch zunehmend, erläutert Kurt Möschl. "Früher kamen sie mit Taxis, viele waren sehr konservativ, die Frauen in Schwarz gekleidet und verhüllt. Das hat sich geändert. Heute kommen sie mit dem Mietauto, fahren überall hin, nach Krimml zu den Wasserfällen, zum Hintersee nach Mittersill, zu den Sommerrodelbahnen in Kaprun oder Saalfelden, zum Kitzsteinhorn oder auf die Glocknerstraße. Und sie halten sich oft nicht an die Verkehrsregeln."

Der Verkehr laufe in arabischen Ländern anders ab, weiß Brunner. "Die Straßen sind breiter und auch tagsüber beleuchtet. Und an Regeln hält sich kaum jemand." Er hat 2011 aus "reinem Interesse" Arabisch gelernt. "Es gab einen Kurs auf der Uni Salzburg, später habe ich auch einen Kurs in der Volkshochschule belegt und ich war viel und gerne in arabischen Ländern unterwegs."

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Aufgerufen am 08.12.2021 um 01:53 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/zell-am-see-das-burkaverbot-greift-nur-langsam-31165534

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