Chronik

Zeller Wirt wird im Netz bedroht: "Fürchte um die Familie"

Auslöser ist ein Foto eines Zettels mit frauenfeindlichen Sprüchen auf der Toilette. Die Polizei ermittelt.

Auch das Logo steht in Verruf: Edwin Kreml überlegt, es zu tauschen. SN/sw/erwin simonitsch
Auch das Logo steht in Verruf: Edwin Kreml überlegt, es zu tauschen.

Das Restaurant Kupferkessel ist eine Institution in Zell am See. Bekannt ist das Lokal für seine Einrichtung samt lustig gemeinter Illustrationen und Sprüchen, die die Gäste unterhalten sollen, wie Kupferkessel-Wirt Edwin Kreml sagt. Seit Sonntag steht er dafür im Kreuzfeuer der Kritik. Seither kursiert nämlich ein Foto eines Aushangs auf seiner Herrentoilette - ein "Merkblatt zur richtigen Frauenhaltung" - in den sozialen Medien. Darauf zu lesen sind Sprüche wie: "Man sollte eine Frau nicht den ganzen Tag über einsperren, da sie depressiv wird, das Fressen verweigert und bald eingeht." Oder: "In den meisten Fällen empfiehlt sich eine Sterilisation, denn eine trächtige Frau ist nur bedingt einsatzfähig (Tragzeit ca. 40 Wochen)."

Kreml sieht sich nun Anfeindungen ausgesetzt. "Es gab den Aufruf, dass das Lokal abgefackelt gehört", sagt er. "Uns wird gedroht bis zum geht nicht mehr von Leuten, die noch nie da waren. Ich habe Angst um meine Familie." Den Vorwurf, ein Frauenfeind zu sein, weist er entschieden zurück - er habe selbst sechs weibliche Familienmitglieder. "Wir haben diese Sprüche, um die Leute zu unterhalten - seit über 30 Jahren", sagt Kreml. Negative Reaktionen habe es nie gegeben. "Nur hunderte solcher Zettel habe ich gebraucht, weil ihn die Leute mitnehmen und sich abhauen." Auch für sein Logo - es zeigt einen dunkelhäutigen Koch mit Messer im Mund, der einen nackten, weißen Mann verfolgt - muss der Gastwirt einstecken. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Drohung.

Den Stein ins Rollen gebracht hat der Salzburger Daniel Winter. Der Pressesprecher der Landes-SPÖ hat das Bild nach einem Lokalbesuch auf Facebook veröffentlicht - "ohne einen Shitstorm lostreten zu wollen", betont Winter. Von den Drohungen distanziere er sich entschieden, aber es sei für ihn unverständlich, dass er sich nun rechtfertigen müsse, den frauenfeindlichen Text auf der Toilette publik gemacht zu haben. Mittlerweile habe er sich mit dem Gastwirt ausgesprochen. "Ich weiß jetzt auch, dass er das als Witz gemeint hat, auch wenn ich ihn nicht lustig finde", sagt Winter.

Quelle: SN

Aufgerufen am 17.10.2019 um 02:50 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/zeller-wirt-wird-im-netz-bedroht-fuerchte-um-die-familie-60829417

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