Chronik

Zivildienst am Bauernhof: Familienmitglied über Nacht

Wer seinen Zivildienst am Bauernhof leistet, wird von einem Tag auf den anderen neues Familienmitglied. Nicht jeder ist dafür geeignet. Die Arbeit ist hart, aber lohnend. Lukas Pirnbacher fand dabei die Liebe.

Steinerhof-Bäuerin Elisabeth Pfister mit ihrem Schwiegersohn in spe Lukas Pirnbacher. SN/sw/strübler
Steinerhof-Bäuerin Elisabeth Pfister mit ihrem Schwiegersohn in spe Lukas Pirnbacher.

Die Zivildienst-Zeit liegt bei Lukas Pirnbacher schon ein paar Monate zurück. Dass dem 20-Jährigen seine Zeit auf Elisabeth Pfisters Steinerhof in Kuchl nach wie vor nicht aus dem Kopf gehen will, liegt nicht nur an seiner Leidenschaft für die Landwirtschaft. Denn während seiner sechs Monate in Kuchl lernte er neben dem Hof auch die Kinder des Hauses näher kennen.

Mit einer der Töchter ist er seither liiert. Eine Zukunft am Bauernhof kann sich der Bischofshofener durchaus vorstellen. Selbst zwar nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen, half er trotzdem schon als Kind auf den Höfen in der Umgebung mit. "Ich wollte von klein auf Bauer werden", erzählt Pirnbacher. Auf dem Steinerhof erledigte er alles von der Stall- über die Forst- bis hin zur Feldarbeit. Wenn handwerkliche Dinge anfielen, legte er Hand an. Mussten die Kinder in die Schule gebracht werden, spielte er Taxi.

Die zukünftige Schwiegermama ist begeistert: "Wenn man monatelang mit dem künftigen Schwiegersohn zusammengearbeitet hat, kennt man ihn in- und auswendig. Das ist ein großer Vorteil", lacht Elisabeth Pfister.

Die 44-Jährige erinnert sich noch gut an die Zeit nach dem Unfalltod ihres Mannes vor zehn Jahren. Ein Nachbar brachte sie auf die Idee, einen Zivildiener an den Hof zu holen. "Ich konnte mir das zuerst überhaupt nicht vorstellen. Der isst bei dir, schläft bei dir, kriegt alles mit. Es ist dann aber problemlos gelaufen." Rückblickend freut sie vor allem eines: "Bisher hat jeder gesagt, er würde es noch einmal machen."

Ebenfalls nach einem schweren Schicksalsschlag - der Ehemann starb im Vorjahr bei einem Arbeitsunfall - bekam Katharina Brunauer vom Spitalerhof in Adnet rasch einen Zivildiener zugeteilt. "Anfang September war der Unfall, einen Monat später war der Zivildiener da", erinnert sich Brunauer. Während sie den Hof am Wochenende mithilfe ihrer Töchter - 18, 14 und 10 Jahre alt - schupft, ist wochentags ein Zivildiener im Einsatz. "Weil die Burschen oft selbst aus einer Landwirtschaft kommen, sehen sie die Arbeit selber. Man muss sie nicht ständig auffordern", so Brunauer. "Das ist schon eine große Hilfe."

Gebraucht werden Zivildiener nicht nur nach Schicksalsschlägen, sondern auch bei plötzlicher Berufsunfähigkeit. Michael Saller von der Landwirtschaftskammer: "Der Großteil ist tatsächlich auf Bauernhöfen aufgewachsen oder kann zumindest eine landwirtschaftliche Ausbildung vorweisen. Ansonsten nehmen wir sie gar nicht."

Aufgerufen am 19.01.2018 um 10:07 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/zivildienst-am-bauernhof-familienmitglied-ueber-nacht-22456648

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